Neuenmarkt
Eishockey

Yvonne Rothemund: Jetzt will sie zu den Olympischen Spielen 2022

Die 24-jährige Neuenmarkterin Yvonne Rothemund war nach der verpassten Olympia-Qualifikation am Boden zerstört. Doch jetzt blickt sie wieder nach vorne.
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Eishockey-Nationalspielerin Yvonne Rothemund aus Neuenmarkt hätte 2018 die erste Sportlerin aus dem Landkreis Kulmbach sein können, die zu Olympischen Spielen fährt. Doch der Traum lebt weiter. Foto: Imago/nordphoto
Eishockey-Nationalspielerin Yvonne Rothemund aus Neuenmarkt hätte 2018 die erste Sportlerin aus dem Landkreis Kulmbach sein können, die zu Olympischen Spielen fährt. Doch der Traum lebt weiter. Foto: Imago/nordphoto
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Olympische Spiele - für jeden Sportler ein Traum. Yvonne Rothemund war ganz nah dran, ihn sich zu erfüllen. Beim Qualifikationsturnier in Japan hatte die 24-jährige Neuenmarkterin das Ticket für die Winterspiele 2018 in Pyeongc hang (Südkorea) zum Greifen nahe - nur ein Sieg hat noch gefehlt. Doch dann schnappten ihr die Japanerinnen mit dem 3:1 im direkten Duell das Ticket vor der Nase weg.
Yvonne Rothemund ist zurück in ihrer Wahlheimat München, saß in dieser Woche schon wieder in der Berufsschule, absolviert sie doch eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel. Wir sprachen mit der Neuenmarkterin über den bittersten Moment ihrer Sportlerkarriere.

BR: Yvonne, wie hast Du Dich gefühlt, als die Schlusssirene im Spiel gegen Japan ertönte?
Yvonne Rothemund: Wie wenn einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Wenn man jahrelang das eine Ziel vor Augen hat, dann ist es schon hart. Ich habe mit vier Jahren das Eishockeyspielen angefangen. Und Olympische Spiele waren natürlich ein Traum, seit ich denken kann.

Japan hatte Österreich und Frankreich klar besiegt, während ihr mit beiden Gegnern deutlich mehr Schwierigkeiten hattet. Fährt Japan deshalb zurecht 2018 nach Südkorea?
Ich denke, dass Japan genauso hart auf das Ziel hingearbeitet hat wie wir und auch drei starke Spiele gemacht hat. Aber wir waren mit Japan auf Augenhöhe, haben wirklich eine gute Leistung abgeliefert und hatten eine 50:50-Siegchance. Unser Problem war aber wieder einmal die Chancenverwertung. Wir hatten ebensoviele wie Japan, aber die haben ihre eiskalt genutzt. Und am Ende zählt das Ergebnis.

Warum sind die Japanerinnen euer Angstgegner? Schließlich hattet ihr schon bei der Weltmeisterschaft 2015 gegen sie verloren und seid am Ende abgestiegen.
Die Spielweise von Japan liegt uns einfach nicht. Japan spielt sehr diszipliniert und macht kaum Fehler. Die Mannschaft ist ein richtiges Kollektiv mit vier gleich starken Reihen. Außerdem sind sie klein, wendig und schnell. Bei uns in Europa wird dagegen mehr körperbetontes Eishockey gespielt. Zudem sind die Japanerinnen eiskalt in der Chancenverwertung. Jedes mal, wenn die aufs Tor fahren, denkt man, oh Gott, lass' nichts passieren!

Welche Qualitäten fehlen euch noch zur absoluten Weltspitze?
Der Abschluss ist das Hauptmanko, wir schießen einfach zu wenig Tore. Außerdem ist es schwer, Sport mit Beruf oder Studium zu vereinbaren. Bei den Kanadierinnen oder Amerikanerinnen ist es eine andere Welt.

Wie sieht es da aus?
Eine 40-Stunden-Arbeits-Woche hat dort keine Nationalspielerin. Während wir sogar in der Bundesliga unsere Ausrüstung selber kaufen müssen, wird die in Amerika gestellt, was schon einige tausend Euro ausmacht. Wir sind reine Amateure, in der amerikanischen Liga NWHL gibt es bis zu 15 000 Dollar pro Saison. Dort ist Damen-Eishockey zumindest schon semiprofessionell.

Und was bekommt man als deutsche Eishockey-Nationalspielerin?
Monatlich 300 Euro von der Sporthilfe, sonst nichts. Für das Turnier in Japan musste ich unbezahlten Urlaub nehmen. Schlittschuhe und sonstige Ausrüstung müssen wir selber kaufen, lediglich Trikot und Helme werden gestellt. Es ist aber schon etwas besser geworden, denn 2014 mussten wir noch 60 Euro für einen Lehrgang der Nationalmannschaft bezahlen. Inzwischen ist der immerhin umsonst.

Was muss sich im deutschen Frauen-Eishockey ändern?
Wir bräuchten mehr Nachwuchs. Das Hauptproblem in Deutschland ist, dass es so wenige Frauen gibt, die Eishockey spielen. Deshalb ist auch das Leistungsgefälle in der Bundesliga so groß. An der Spitze gibt es mit meinem ESC Planegg, Ingolstadt und Memmingen drei Mannschaften, die um die Meisterschaft mitspielen. In diesen Duellen macht es auch richtig Spaß. Aber gegen die anderen Mannschaften muss man einfach gewinnen. Bei Mannheim spielen zum Beispiel schon viele 14- und 15-Jährige mit, die zwar gut sind, aber gegen Erwachsene natürlich noch nicht mithalten können. Außerdem bräuchten wir einfach mehr Sponsoren. In der Bundesliga gibt es sogar Vereine, bei denen die Spielerinnen für die Auswärtsfahrten zahlen müssen.

Immerhin ist Deutschland zurück in der Weltelite des Eishockeys. Wie zuversichtlich bist Du, bei der nächsten WM nicht direkt wieder abzusteigen?
Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir auch Top-Mannschaften wie Schweden schlagen können. Auch gegen Tschechien haben wir nur knapp verloren. Das sind Ergebnisse, die uns Mut machen. Deshalb fahren wir nicht chancenlos zur WM. Das primäre Ziel ist natürlich der Klassenerhalt, denn wir wollen nicht die Fahrstuhlmannschaft sein.

Wird es schwer, sich nach der Olympia-Enttäuschung wieder neu für eine WM zu motivieren?
So eine Enttäuschung vergisst man natürlich nie mehr. Aber als guter Sportler muss man auch mit so etwas umgehen können. Jetzt dürfen wir mal eine Woche traurig sein, aber dann geht es weiter. Ich denke sogar, dass wir als Mannschaft gestärkt daraus hervorgehen werden.

Es war ja auch noch nicht Deine letzte Chance auf eine Olympia-Teilnahme. Bei den Winterspielen 2022 in Peking bist Du 29 - also im besten Eishockey-Alter.
Ja, es ist noch nicht die Zeit, sich komplett geschlagen zu geben. Unsere Mannschaft hat einen Altersdurchschnitt von 22 Jahren. Es sind nur wenige dabei, für die es die es wohl altersbedingt die letzte Chance auf Olympische Spiele war. Aber als Frau ist es natürlich nicht alles immer so planbar mit Beruf und Familie.

Du hast inzwischen 63 Länderspiele und bist im Nationalteam in der ersten Verteidigungsreihe gesetzt. Kann man also davon ausgehen, dass Du sicher bei der WM dabei bist?
Ja, ich schätze schon, auch wenn sich der Bundestrainer noch nicht zum Kader geäußert hat.

Wie siehst Du Deine sportliche Entwicklung in den vergangenen Jahren?
Ich habe mich sowohl physisch als auch mental weiterentwickelt. Ich habe Kraft aufgebaut und bin schneller geworden. Außerdem kann ich mit vielen Situationen leichter umgehen, zum Beispiel kleine Fehler besser r wegstecken. Ich habe hier am Olympiastützpunkt in München beste Möglichkeiten, um Krafttraining und Intervalltraining zu machen. Wir haben bei der Nationalmannschaft jetzt auch einen Athletiktrainer, der alle Nationalspielerinnen seit zwei Jahren mit individuellen Trainingsplänen coacht. Man sieht langsam die Fortschritte.

An diesem Wochenende geht die Bundesliga-Saison weiter. Du gastierst mit Titelverteidiger und Tabellenführer ESC Planegg beim Schlusslicht Hannover, das ihr zuletzt mit 15:0 geschlagen habt. Wie schwer ist es, sich für so ein Spiel zu motivieren?
Eishockey macht immer Spaß, vor allem wenn man viele Tore schießen kann. Natürlich würde man sich jetzt mal eine Pause wünschen, aber es hilft nichts, sich irgendwo zu verstecken und den Kopf in den Sand zu stecken.

Wie sieht Deine private Lebensplanung aus? Willst Du irgendwann wieder zurück in Deine oberfränkische Heimat?
Ich möchte schon irgendwann einmal zurück, denn ich bin ein Heimatmensch. Aber ich habe hier eine Arbeit und einen Freund, der in München studiert. Mal schauen, wie sich alles entwickelt.

Und sportlich?
Ich will mich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Das Leben besteht ja nicht nur aus dem Ziel Olympia.

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