Kasendorf
Fußball

Warum Rudi Eck in Kasendorf Kult-Status hat

Alle Jahre zur Weihnachtszeit treffen sich ehemalige Fußballer von Kult-Trainer Rudi Eck. Nach dem Trainingsspielchen wird in Erinnerungen geschwelgt.
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Der Kasendorfer Erfolgstrainer Rudi Eck (rechts) bejubelt 1992 den 3:0-Sieg im Bezirksoberliga-Derby gegen den FC Ludwigschorgast. Foto: BR-Archiv
Der Kasendorfer Erfolgstrainer Rudi Eck (rechts) bejubelt 1992 den 3:0-Sieg im Bezirksoberliga-Derby gegen den FC Ludwigschorgast. Foto: BR-Archiv
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Rudi Eck hat beim SSV Kasendorf Kultstatus. Kein Wunder, war er doch 17 Jahre lang Trainer des Vereins und hievte ihn von der damaligen B-Klasse über die A-Klasse und die Bezirksliga Ost 1990 bis in die Bezirksoberliga. Auch heute noch schaut der einstige Erfolgstrainer regelmäßig bei den Heimspielen der aktuellen Landesliga-Mannschaft vorbei. Und einmal im Jahr in der Weihnachtszeit treffen sich seine ehemaligen Spieler zum Rudi-Eck-Allstarspiel in Hutschdorf.

Für Holger Friedrich (46), ein Eigengewächs des SSV Kasendorf, ist das Treffen mit den alten Kameraden an Weihnachten ein Pflichttermin, auch wenn der Kreis auf Grund von Verletzungen oder Wegzug ständig kleiner werde. Von seinem Ex-Trainer Rudi Eck ist Friedrich heute noch begeistert: "Unter ihm haben wir die größten Erfolge erzielt. Rudi hat immer das Kameradschaftliche in den Vordergrund gestellt. Das war auch der Punkt, warum der SSV Kasendorf Erfolg hatte. Aber er konnte auch anders sein. Wenn es sein musste, auch sehr direkt."


Der Kern blieb zusammen

Der Kern der SSV-Truppe blieb über viele Jahre hinweg zusammen. "Es kamen oft nur zwei, drei Fußballer aus niederklassigen Vereinen zu uns", erinnert sich Friedrich. Der ehemalige Stürmer kennt ein weiteres Erfolgsgeheimnis: "Rudi hatte viel Wert auf Fitness und Kraft gelegt, weil wir spielerisch mit mancher Mannschaft nicht mithalten konnten."

Stefan Lanzendörfer (38) war damals mit 17 Jahren der Jüngste in Ecks Team und hatte "großen Respekt vor den älteren Spielern". Lanzendörfer erinnert sich vor allem an die Geselligkeit: "Die Busfahrten waren legendär!" Klaus Eichhorn (49) war häufig nur Ergänzungsspieler: "Rudi hat die Mannschaft mit seiner ehrlichen Art und Weise unheimlich gut motivieren können."

Der aus Melkendorf stammende Matthias Nagel (41) gehörte auf der "Zehner"-Position über neun Jahre zu Rudi Ecks Leistungsträgern: "Ich hätte damals auch zum TSV Trebgast oder zum TSV Stadtsteinach wechseln können, aber mir sagte das Kameradschaftliche in Kasendorf zu. Es war insgesamt eine schöne Zeit in Kasendorf."


Ecks spezielle Zählweise

Thomas Schnapp (50) machte drei Aufstiege beim SSV mit, zunächst als Stürmer, dann im Mittelfeld: "Rudi Eck hat uns körperlich alles abverlangt. Mit dem Zählen hatte er aber so seine Probleme, denn nicht selten kam bei einer Übung, die acht Mal zu absolvieren war, immer wieder die Vier... Die körperliche Fitness war dann aber auch unser Vorteil."

Zu den Stützen der Bezirksoberligamannschaft gehörten auch Udo Wachtel (47) und Stefan Wiesenmüller (47). Auch sie schwärmen noch von der alten Zeit. Wiesenmüller sagt: "Rudi Eck war ein kerniger Kumpeltyp, der vor allem mit jungen Spielern gut umgehen konnte." Und Udo Wachtel ergänzt: "Es war die Kameradschaft, die den Erfolg ausgemacht hat. Das gibt es in der heutigen Zeit kaum mehr."

Von Ecks früheren Spielern haben es einige selbst inzwischen zum Trainer gebracht, wie Klaus Eichhorn, der den Bezirksligisten VfB Kulmbach coacht, Rainer Dück (SG Roth-Main), Matthias Nagel (zuletzt FC Neuenmarkt) oder Thomas Schnapp, der den SV Hutschdorf trainierte.
Nach dem Trainingsspiel saßen die alten Fußball-Freunde noch bei Bier und Brotzeit mit Weißwürsten und Knacker zusammen.


Stübinger bringt nur das Essen

Dafür ist Frankenfarm-Geschäftsführer Jürgen Stübinger (43) zuständig, der auch der erfolgreichen SSV-Mannschaft angehörte: "Mitspielen kann ich jetzt nicht mehr. Ich darf aber das Essen bringen." Auch für Stübinger war die Kameradschaft die größte Tugend des SSV Kasendorf. "Wir hatten immer eine gute Stimmung nach dem Spiel, egal ob wir verloren oder gewonnen hatten. Es war einfach eine schöne Zeit, und Rudi Eck war als Trainer ein Mensch, wie man ihn sich nur wünschen konnte."


Von der B-Klasse in die Bezirksoberliga

Das Rudi-Eck-Allstarspiel ist aus einer Trainingseinheit entstanden, die Rudi Eck beim SSV Kasendorf am 2. Weihnachtsfeiertag ansetzte, um die Festtags-Kalorien etwas zu bekämpfen. Seit fast 30 Jahren hat dieses Trainingsspielchen nun schon Tradition. Heuer fehlte erstmals die Hauptperson. Der 75-jährige Rudi Eck musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.

2007 spielte Rudi Eck sogar noch selbst mit, erlitt aber nur fünf Tage später an Silvester einen schweren Schlaganfall, unter dessen Folgen er heute noch leidet. Rudi Eck selbst fiel es natürlich schwer, nicht dabei sein zu können, freute er sich doch immer auf das Treffen mit seinen ehemaligen Spielern: "Ich habe immer extrem viel Wert auf die Kameradschaft gelegt. Dass meine Arbeit gefruchtet hat, sieht man daran, dass diese Kameradschaft bis zum heutigen Tag erhalten geblieben ist. Es waren einfach angenehme Typen, und der SSV Kasendorf und SV Hutschdorf waren für mich wie eine Familie."

Als Vertreter kam aber sein Sohn Armin, der auch schon als Bundesliga-Profi zur Weihnachtszeit auf Heimatbesuch mitgewirkt hat. Doch das geht für den früheren Profi-Fußballer und Trainer des Bezirksligisten ATS Kulmbach aufgrund seiner Knieprobleme nicht mehr. Armin Eck erinnert an die Erfolge seines Vaters: "Er war 17 Jahre Trainer der Kasendorfer. Als er sie übernommen hatte, spielten sie noch in der damaligen B-Klasse, der heutigen Kreisklasse. Dann hat er sie bis in die Bezirksoberliga geführt."
Das war 1990. Bis 1996 mischten die Kasendorfer unter Eck in der höchsten oberfränkischen Klasse mit, spielten unter anderem gegen Traditionsklubs wie den FC Kronach, FC Bamberg oder die Lokalrivalen ATS Kulmbach, TSV Trebgast und TSV Stadtsteinach. Die Bezirksoberliga war damals noch die sechsthöchste Spielklasse, genau wie heute die Landesliga, in der der SSV gerade gegen den Abstieg kämpft.


Verein mitgegründet

Nach dem Abstieg in die Bezirksliga Ost 1996 übernahm für eineinhalb Jahre Bernhard Förtsch, führte den SSV auf direktem Weg in die Bezirksoberliga zurück. Doch schon im Herbst trennte man sich wieder, Rudi Eck wurde zurückgeholt und saß noch einmal drei Jahre in der Bezirksoberliga auf der Trainerbank. Vor seiner Kasendorfer Zeit trainierte Rudi Eck fast zehn Jahre den FC Ober-/Unterzettlitz, den er sogar mit aus der Taufe gehoben hatte, zwischenzeitlich den BSC Kulmbach und später noch siebeneinhalb Jahre den A-Klassisten SV Hutschdorf.
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