Speichersdorf
Sport-Stacking

Sport-Stacking: Weltmeisterschaft der Hochstapler

Markus Knie ist seit acht Jahren Becher-Stapler. Die WM im heimischen Speichersdorf war für ihn und seinen Verein "Die Hochstapler" ein Höhepunkt.
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Fabien Gosslau von den Speichersdorfer "Hochstaplern" im Staffelwettkampf.  Fotos: privat
Fabien Gosslau von den Speichersdorfer "Hochstaplern" im Staffelwettkampf. Fotos: privat
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Die Weltmeisterschaft im Sport-Stacking ist ein Ereignis, das der Speichersdorfer Markus Knie nicht so schnell vergessen wird. Fast 300 Teilnehmer aus über 20 Nationen fanden sich im 6000-Einwohner-Ort im Landkreis Bayreuth ein. "Es war für uns wirklich grandios", sagt Knie. "Wir haben die Weltmeisterschaft ein Jahr lang vorbereitet, und es ist alles so gelaufen, wie wir es uns erhofft hatten." Die Halle war voll, die Stimmung gut und bei der Party am Sonntag nach dem Turnier ging es rund. Sein persönlicher Höhepunkt war aber ein Ausflug zur Plassenburg - mit 330 Gästen, die selbst im mittelalterlichen Burghof das "Stacken" nicht lassen konnten.


"Bechern" um die Wette

Stacken? Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet "stapeln". Beim Sport-Stacking geht es darum, eine festgelegte Anzahl von Bechern zu Pyramiden aufzustapeln und diese dann wieder abzubauen.
In möglichst kurzer Zeit, versteht sich. "Dabei gibt es fünf Grunddisziplinen", erklärt Knie, "3-3-3, 3-6-3, Cycle, Doppel und Staffel. Beim 3-3-3 hat man zum Beispiel drei Stapel Becher, baut diese zu drei Dreier-Pyramiden auf und wieder ab, sodass am Ende wieder drei Becherstapel vor einem stehen." Cycle ist die Königsdisziplin. Hier muss eine Zehner-Pyramide gestapelt werden, die aufgrund der höheren Becherzahl natürlich nicht so stabil ist.
Einen Fehler darf man sich beim Stacken nicht erlauben: "Fällt zum Beispiel beim 3-3-3 ein Becher von der ersten Pyramide, wenn man die zweite schon gestapelt hat, muss man alles bis zum Fehler rückgängig machen. Erst dann darf man ihn korrigieren und weitermachen", sagt Knie. Die Uhr tickt unterdessen natürlich erbarmungslos weiter.


Konzentration ist das A und O

Um mit diesem Druck umgehen zu können, braucht ein Stacker besondere Fähigkeiten. "Dazu gehören Konzentration, Koordination und Reaktion", sagt Knie. Und der Ehrgeiz, immer besser und schneller werden zu wollen. Das Stacken beginnt also im Kopf, doch wer es nicht auf die Arme und Hände übertragen kann, hat keine Chance.
Doch ist Stacking überhaupt ein Sport? Eine Frage, die Knie als leidenschaftlicher Stacker überhaupt nicht nachvollziehen kann: "Jeder, der einmal zwei Stunden am Stück gestackt hat, weiß, warum es als Sport gilt. Danach ist man fix und fertig und braucht auf jeden Fall ein Handtuch. Sport-Stacking bringt einen kräftig ins Schwitzen", erklärt der 42-Jährige.
Während die Weltspitze etwa drei Stunden täglich trainiert, lässt es Knie bei knapp zwei Stunden pro Woche bewenden. Außer es steht ein großes Turnier an, dann stapelt auch er jeden Tag. Zu den Wettkämpfen bringt jeder Stacker seine eigenen Becher mit, die ganz unterschiedliche Formen, Größen und Farben haben können. Wer allerdings bei einer Weltmeisterschaft teilnehmen oder einen Rekord aufstellen will, der braucht Becher, die vom Weltverband zertifiziert sind. Und das trifft nur auf die Becher zu, die die Firma des Gründers des Weltverbandes produziert.
Knie ist vom Medien-Echo auf die Sport-Stacking-WM begeistert: "Knapp 200 Tageszeitungen haben berichtet, das ist der Wahnsinn. Jetzt bekommt das Stacking endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient. In welcher Sportart sind schon Vier- bis 74-Jährige gemeinsam am Start?"


Stacken verbindet

Besonders schätzt der Speichersdorfer das verbindende Element des Stackens: "Im Jahr 2014 hatte ich für die WM in Südkorea keinen Doppelpartner und habe mich über Facebook mit einem Malaysier in Verbindung gesetzt. Wir hatten uns vorher noch nie gesehen, haben vor dem Turnier fünf Tage gemeinsam trainiert und dann einen Titel geholt. Das gibt es nur beim Sport-Stacking."
Bei der Weltmeisterschaft in Speichersdorf sorgte auch ein Malaysier für eine Überraschung. Der Gesamtsieger wird durch die Addition aller drei Einzeldisziplinen ermittelt.
Am Ende stand nicht der aktuelle Superstar und Weltrekordhalter William Orrell aus den USA ganz oben auf dem Treppchen, sondern der elfjährige Chan Keng Ian. Er sicherte sich den Titel "All-Arround World Sport Stacking Champion" mit einer Gesamtzeit von nur neun Sekunden.

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