Kulmbach
Motorsport

Renngemeinschaft Kulmbach: Nur Vollgas zählt

Wenn die Fahrer der Renngemeinschaft Kulmbach mit ihren betagten Boliden an den Start gehen, zählt nicht der Sieg.
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Reife Männer in alten Kisten: Richard Feulner, Betreuer Heinz Keidel, Rainer Fischer und Robert Erdmann (von links) starten für die Renngemeinschaft Kulmbach in der Rennserie für historische Fahrzeuge. Links Feulners Dallara Formel 3, rechts Fischers BMW 2002 ti. Foto: privat
Reife Männer in alten Kisten: Richard Feulner, Betreuer Heinz Keidel, Rainer Fischer und Robert Erdmann (von links) starten für die Renngemeinschaft Kulmbach in der Rennserie für historische Fahrzeuge. Links Feulners Dallara Formel 3, rechts Fischers BMW 2002 ti. Foto: privat
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Gewinnen ist für Richard Feulner und Rainer Fischer zweitrangig - "wir wollen nur die Schnellsten sein", grinsen sie. Ein Widerspruch? Nein, denn bei Gleichmäßigkeitsprüfungen wie sie die beiden Rennfahrer mit ihren historischen Flitzern bestreiten, kommt es eigentlich nicht auf Höchstgeschwindigkeit an. Sieger wird derjenige, der zwei Mal hintereinander die möglichst gleiche Rundenzeit auf den Asphalt hinlegt. Doch Richard Feulner und Rainer Fischer setzen eben andere Prioritäten. Sie geben Vollgas.

Beim Saisonauftakt der GLP Pro, der Rennserie für historische Fahrzeuge, im tschechischen Most hat das schon ganz gut geklappt. Richard Feulner war mit seinem Dallara Formel 3 aus dem Jahr 1995 sowohl in der Qualifikation als auch im Lauf der Schnellste. Mit etwa 30 Konkurrenten (u.a. Fahrzeuge der Formel Ford, Formel V, Formel 3, Formel Renault) muss sich der 66-jährige Rennfahrer in seiner Klasse der Formel-Fahrzeuge auseinandersetzen. Dass der Kulmbacher bei der Siegerehrung nur als Drittbester der Gleichmäßigkeitsprfunge geehrt wird - geschenkt. Für ihn zählt eben etwas anderes.

Etwa 210 PS leistet der Opel-Spieß-Motor seines 20 Jahre alten Formel3-Flitzers aus der italienischen Rennwagen-Schmiede Dallara. Richard Feulner hat den flachen Boliden erst vor kurzem einem finnischen Rennteam abgekauft. "Ich stehe eben auf italienische Rennwagen", sagt der 66-Jährige gelernte Motorenbauer.
Richard Feulner ist Mitbegründer der Renngemeinschaft Kulmbach, die seit dieser Saison mit den Fassoldshofern Rainer Fischer (58) und Robert Erdmann (53) sowie Heinz Keidel (58) aus Gößweinstein - er ist heuer nur Betreuer - Verstärkung bekommen hat. Fischer und Erdmann pilotieren in der Klasse der Tourenwagen einen BMW 2002 ti. Auch sie waren in Most am Start. "Wir wechseln uns im Training, Qualifikation und Rennen ab", sagt Rainer Fischer, der als gelernter Kfz-Mechaniker wie Feulner alle Arbeiten an seinem Boliden selbst vornehmen kann. Seinen gelben BMW aus dem Jahr 1970 hat Fischer komplett selbst aufgebaut. Den Original-Motor hat er auf 180 PS aufgemotzt. Gegen doppelt so starke Fahrzeuge wie einen Ford GT 40 oder einen BMW M3 haben Fischer/Erdmann damit zwar keine Chance, doch auch für sie liegt der Reiz eines Rennens mehr im Gasgeben als in der Gleichmäßigkeit. In ihrer Tourenwagen-Klasse sind etwa 40 Fahrzeuge am Start, darunter auch der schnellste Trabi der Welt.

Jetzt am Hockenheim

An diesem Wochenende sind die reifen Männer mit ihren alten Kisten schon wieder in Hockenheim auf der Strecke.. "Da wird es sicher etliche Zuschauer geben", freut sich Richard Feulner.

Angst vor Unfällen hat er übrigens wie auch Rainer Fischer nicht: "Natürlich ist immer ein Risiko dabei, aber reine Rennstrecken sind wesentlich sicherer als etwa Bergrennen oder Rallyes." Das war auch ein Grund für Rainer Fischer, in die historische Rennserie zu wechseln. "Die Sicherheitsbestimmungen bei Rallyes oder Bergrennen werden immer höher. Und wenn man da einen Unfall hat, ist gleich viel kaputt, während man auf den Rennstrecken normal nur ins Kiesbett rutscht." Und Richard Feulner ergänzt: "Außerdem ist es eine relativ preisgünstige Möglichkeit, Motorsport zu betreiben."

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