Hof an der Saale
Fußball

Rassismus-Vorwürfe gegen Hofer Schiedsrichter-Obmann

Die Vorwürfe wiegen schwer: Ausgerechnet der Chef der Hofer Schiedsrichter soll türkisch-stämmige Fußballer auf üble Weise verunglimpft haben.
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Hat ein Schiedsrichter in der A-Klasse Hof Spieler mit Migrationshintergrund verunglimpft? Das muss nun das höchste Sportgericht des Bayerischen Verbandssportgerichts klären.  Foto: Archiv
Hat ein Schiedsrichter in der A-Klasse Hof Spieler mit Migrationshintergrund verunglimpft? Das muss nun das höchste Sportgericht des Bayerischen Verbandssportgerichts klären. Foto: Archiv
Der Vorwurf wiegt schwer: Ausgerechnet der oberste Hofer Schiedsrichter, Gerhard Rödel, soll Fußballer mit rassistischen Aussagen beleidigt haben. Der Fall wird nun vom höchsten Sportgericht des Bayerischen Fußball-Verbandes untersucht. Rödel leitete das Spitzenspiel und Derby zwischen dem TV Kleinschwarzenbach und der SG FC Ort II/TV Oberweißenbach II in der A-Klasse Hof West 2.

"Sowas habe ich noch nie erlebt," meinten vier Befragte beider Mannschaften unabhängig voneinander. Während TV-Spielleiter Andreas Köhler von der Seitenauslinie merkte, "dass auf dem Rasen etwas nicht stimmen kann", wurden die unmittelbar Beteiligten, vor allem Kleinschwarzenbachs Spielertrainer Yusuf Atik, deutlicher: "Alles fing damit an, dass sich der Schiedsrichter über unseren Torwart lustig gemacht hat," meint der seit dieser Saison beim TV Kleinschwarzenbach aktive Ex-Neuensorger und verdeutlichte, dass auch deutliche Fouls gegen den Torwart - einen Deutschen - nicht gepfiffen worden sind, mit der Begründung, dass der eigentlich als Feldspieler aktive und nur aushilfsweise zwischen die Pfosten gerückte Johannes Ruhbaum zu schlecht sei und "eh jeden Ball fallen lässt". Das bestätigte Ruhbaum gegenüber der Frankenpost. Somit sei sinngemäß ein Foulspiel nicht maßgeblich. "Wir haben uns gegenseitig angeschaut und nur mit dem Kopf geschüttelt", meinten die Befragten beider Teams über diese doch seltsamen, an sich allerdings noch harmlosen Kommentare des Unparteiischen.


Kommentare beiläufig und leise

Noch mysteriöser soll sich Rödel im direkten Kontakt mit Spielern verhalten haben. Atik meinte, dass der Schiedsrichter dies "clever gemacht hat," schließlich habe er seine Kommentare häufig nur beiläufig und leise dem jeweiligen Spieler unter vier Augen mitgeteilt. "Als ich einen Ball sperren wollte, sagte der Schiedsrichter, dass ich weggehen solle, schließlich gäbe es in Deutschland Regeln", so der türkischstämmige Atik. Während Kleinschwarzenbachs Spielertrainer erst noch dachte, dass er sich verhört habe, begegnete ihm Rödel, "dass er zurück in sein Land gehen solle, wenn es ihm hier nicht passt". Weitere Kommentare wie "Aus welchem Zoo bist du den raus?" oder "Ihr mit euren Schwarzköpfen" sollen gefolgt sein.

Als unrühmlichen Höhepunkt betrachtete Atik Rödels Reaktion auf die Frage nach der Restspielzeit: "Ich habe einmal, zweimal und auch dreimal gefragt und keine Antwort bekommen - als ein deutscher Spieler nachgefragt hat, hat er prompt eine Antwort bekommen," erinnert sich Atik. Als er den Schiedsrichter damit konfrontierte, rechtfertige dieser sich damit, dass er mit Ausländern nicht sprechen wolle.

Unisono bestätigen Spieler beider Seiten - die aus Ort und Oberweißenbach wollen ihren Namen nicht in der Zeitung lesen -, "dass Herr Rödel ein enorm provokatives Auftreten gegenüber ausländischen Spielern hatte".
Der Bayerische Fußballverband in Person von Pressesprecher Thomas Müther bestätigte, dass ein Verfahren gegen Schiedsrichter Rödel beim Verbandssportgericht anhängig ist". Und er betonte, dass man beim BFV die Vorwürfe ernst nimmt. "Da wird nichts unter den Teppich gekehrt. Ein Funktionär wird genauso behandelt wie jeder andere auch ", sagte er der Frankenpost . Der BFV stehe für eine Null-Toleranz-Politik beim Thema Rassismus.

Eines wollen die Beteiligten unterstreichen: Der Schiedsrichter hat das Spiel keineswegs verpfiffen: "Die Niederlage war absolut in Ordnung und wir hätten auch unter einem anderen Schiedsrichter verloren - das soll keine Entschuldigung sein", meint Kleinschwarzenbachs Spielleiter Andreas Köhler, verweist aber auch darauf, dass "man sich nicht alles gefallen lassen muss" und reichte die Meldung beim Kreissportgericht ein, das das Verfahren direkt nach München übergab.


Rödel dementiert Vorwürfe

Schiedsrichter-Obmann Gerhard Rödel dementierte auf Anfrage die Vorwürfe. "Ich bin alles andere als fremdenfeindlich", so der Unparteiische. "Ich habe nichts gegen Türken, sondern lediglich gegen Spieler, die sich aufführen wie die Schweine und die Regeln nicht kennen." Angesprochen darauf, dass er für den ATS Hof/West pfeift, für welchen ja auch viele türkische Spieler auflaufen, meinte Rödel, dass er "ja kein Problem mit Türken hat, schließlich pfeifen auch in seiner Schiedsrichtergruppe genug Türken und die fühlen sich dort auch wohl." Maßgeblich sei für ihn nur, dass "diese sich benehmen können".
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