Kulmbach
American Football

Kulmbacher fiebern der Football-Party des Jahres entgegen

Die Kulmbacher Football-Spieler Benjamin Eichhorn und Nikolai Schneider fiebern wie Tausende Fans dem Super-Bowl entgegen.
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Foto: Alexander Muck
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Es ist eines der größten Sportereignisse weltweit: Der Super-Bowl um die Krone im American Football lockte im vergangenen Jahr rund 800 Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Auch was den Konsum von Fastfood und Bier betrifft, stellen die US-Amerikaner jedes Jahr neue Rekorde auf. Super-Bowl-Partys sind aber längst auch in Deutschland verbreitet. Wie eine solche Party aussehen muss, wie sich Football in Kulmbach entwickelt und welche Schwierigkeiten es gibt, erklären Benjamin Eichhorn, Teamcaptain, und Nikolai Schneider, Abteilungsleiter der Kulmbach Brewers im Interview.

Was macht American Football so faszinierend?
Benjamin Eichhorn: Es ist ein sehr kompletter Sport, soll heißen, es fordert einen sowohl körperlich als auch geistig. Stumpf draufhauen hilft nur begrenzt. Stattdessen muss man schnell schalten und begreifen, was Sache ist, um Trainiertes reflexartig umzusetzen. Es ist für jeden Typen Mensch eine Position dabei - aber wenn jemand seinen Job nicht richtig macht, kann der ganze Spielzug schiefgehen - oder man kassiert einen Touchdown. Man muss als Team zusammenwachsen und -arbeiten. Wenn ein Spielzug nicht zu 100 Prozent funktioniert, kann etwas völlig Unerwartetes passieren.

Ist es nicht frustrierend, sich heute in einer Randsportart zu engagieren, wo doch selbst Fußball-Teams mit rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen haben?
Eichhorn: Natürlich nimmt es Zeit in Anspruch, aber es ist keinesfalls frustrierend. Momentan läuft alles gut. Wir haben uns langsam alle aufeinander eingespielt. Sachen wie Sponsorensuche und Jugendarbeit fangen an, Früchte zu tragen. Natürlich verlassen auch immer wieder Leute aus zeitlichen, beruflichen oder anderen Gründen den Verein. Aber zurzeit kommen immer mehr Leute zu uns, die auch dabeibleiben. Das geht nicht nur uns so, der American-Football-Verband Bayern verzeichnet seit einiger Zeit steigende Mitgliederzahlen. Nicht zuletzt durch die Übertragung der NFL im Free-TV wächst die Football-Gemeinde zurzeit enorm.
Nikolai Schneider: Außerdem gibt es einen stärkeren Zusammenhalt, als wir ihn aus Fußballmannschaften kennen. Man kann nur als Team etwas erreichen, bei den Breitensportarten hat sich aus meiner Sicht schon eine gewisse Selbstgefälligkeit entwickelt. Was uns allerdings fehlt, ist eine breite Basis an ehrenamtlichen Helfern. Wenn eine Mannschaft nur aus Trainer und Spielern besteht, ist es schwer, jemanden zu finden, der beim Heimspiel Bratwürste und Steaks brät. Oft helfen uns Freundinnen oder Verwandte, wofür wir dankbar sind. Aber wir sind immer auf der Suche nach weiteren Unterstützern.

Wie groß ist der Aufwand im Vorfeld, um ein Football-Spiel in der untersten Liga zu organisieren?
Schneider: Er ist deutlich höher als bei Fußball-Mannschaften. Es muss die Feldmarkierung ausgemessen, neue Linien gezogen, die Fußballlinien entfernt, Tore aufgebaut und vieles mehr erledigt werden. Außerdem muss man jedes Mal mindestens 25 Spieler unter einen Hut bringen, sie versorgen und betreuen. Beim Football schlagen auch die Schiedsrichtergebühren zu Buche - wegen der mindestens fünf Unparteiischen kommt man hier auf knapp 300 Euro pro Spiel. Daher müssen wir Eintritt verlangen, worauf wir gerne verzichten würden.
Eichhorn: Vor jedem Spieltag helfen alle zusammen. Deshalb hält sich der Arbeitsaufwand für jeden Einzelnen in Grenzen. Damit ist vor der Partie das Spielfeld und das ganze Drumherum in knapp zwei Stunden aufgebaut. Die Schiedsrichter werden vom Verband eingeteilt, die müssen quasi nur bezahlt werden. Natürlich muss man sich dafür für den Ligabetrieb anmelden. Die Werbung für Spieltage beginnt ein paar Wochen vor dem Saisonstart. Wir planen zum Beispiel für die kommende Spielzeit, Plakate in der Stadt aufzuhängen, um die Leute auf uns aufmerksam zu machen. Medial sind wir mittlerweile gut aufgestellt.

Der Super-Bowl steht vor der Tür - wie wird Ihre Mannschaft dieses Ereignis verfolgen?
Eichhorn: Die vergangenen beiden Jahre haben wir den Super-Bowl mit über 30 Mann im Vereinsheim des BSC verfolgt. Auch unsere amerikanischen Spieler aus Grafenwöhr waren immer mit von der Partie. Die sind noch einmal mit einer ganz anderen Leidenschaft bei der Sache. Richtige Fanlager bilden sich nicht, aber jeder hat seinen Tipp oder ein favorisiertes Team - und man zieht sich gegenseitig auf, wenn der andere mit seinem Tipp daneben lag.
Verhungert ist bei einer Super-Bowl-Party bei uns noch niemand. Es gab zum Beispiel Burger vom Grill und Spareribs sowie die klassischen Softdrinks "Dr. Pepper" und "Mountain Dew". Das gehört einfach dazu. Ansonsten haben einige Spieler Salate, Desserts oder Ähnliches mitgebracht, sodass jeder bestens versorgt war. Natürlich trinkt man auch das ein oder andere Bier, wobei die Amerikaner unser Kulmbacher Bier zu schätzen gelernt haben.

Inwiefern sehen Sie und Ihre Spieler die Akteure und Coaches der NFL als Vorbilder oder Idole?
Eichhorn: Man schaut sich natürlich die Spiele an und bewundert die Leistungen der Profis. Einige Spieler bei uns wählen ihre Nummer nach den Lieblingsspielern in der NFL, die die gleiche Position spielen. Grundsätzlich kann man sagen, dass es sicher nicht schaden kann, sich an den Besten der Welt zu orientieren. Trotzdem hat Football in den USA einen ganz anderen Hintergrund und ist nur schwer mit dem deutschen Football zu vergleichen.

Wer gewinnt in diesem Jahr den Super-Bowl und warum?
Eichhorn: Ich werde die Denver Broncos anfeuern, sie sind mein Favorit. Allerdings sehe ich die Carolina Panthers dieses Jahr als Sieger, vor allem aufgrund der bis jetzt durchaus überzeugenden Leistung der Offense um Cam Newton. Die Panthers haben in der "Regular Season" nur ein Spiel verloren.
Schneider: Die Carolina Panthers werden gewinnen. Sie haben die kompletteste Mannschaft dieses Jahr: eine harte Defense, die Lauf- und Passspiel gleichermaßen souverän verteidigen kann, und eine Offense, die rund um Quarterback Cam Newton absolut unberechenbar und äußerst schwer zu verteidigen ist. Mit Newton haben die Panthers einen Spitzenathleten, der auch alleine schon eine ernst zu nehmende Gefahr für die gegnerische Defense darstellen kann.

Das Gespräch führte
Martin Kreklau
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