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BMX

Kulmbach: Meisel und die Leichtigkeit der schweren Sprünge

Der 19-jährige Kulmbacher Michael Meisel hat Tricks drauf, die nur wenige in der Welt beherrschen. Jetzt wurde er zum dritten Mal in Folge zu Deutschlands bestem Dirt-Fahrer gewählt.
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So spektakulär und geschmeidig wie Michael Meisel springen weltweit nur eine handvoll BMX-Fahrer. Hier zeigt er sein Können beim Dirt-Contest 2015 in Innsbruck, den er unter 40 Startern gewann. Foto: privat
So spektakulär und geschmeidig wie Michael Meisel springen weltweit nur eine handvoll BMX-Fahrer. Hier zeigt er sein Können beim Dirt-Contest 2015 in Innsbruck, den er unter 40 Startern gewann. Foto: privat
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Deutschlands bester BMX-Fahrer in der Disziplin "Dirt" kommt auch 2015 aus Kulmbach. Zum dritten Mal in Folge wurde Michael Meisel dieser Titel von einem Szene-Fachmagazin verliehen. Eine große Ehre und eine noch größere Überraschung. Denn Michael Meisel verpasste wegen eines Kreuzbandrisses fast die halbe Saison. Der 19-Jährige sagt: "Es hat mich schon begeistert, dass ich gewählt wurde, weil ich durch meine schwere Knieverletzung in diesem Jahr nicht so viel fahren konnte."

Doch was kann der schmächtige Bursche aus der Herlas, was andere nicht können? Michael zeichnen vor allem seine geschmeidigen, flüssigen Bewegungsabläufe aus. "Die Kunst ist, schwere Sprünge leicht aussehen zu lassen", erklärt er, was einen guten BMX-Sportler auszeichnet. Doch wie in allen Extremsportarten sind ständig neue Höchstschwierigkeiten gefragt, um vorne dabei zu bleiben.

Ganz oben ist die Luft nämlich dünn. Michaels aktuelle Spezialität ist ein Front-Flip-Tailwhip (Vorwärtsrolle), bei dem das Fahrrad außerdem einmal in der Luft um seine Achse gedreht wird. "Den können nur drei Leute auf der Welt", sagt "Michi" nicht ohne Stolz. "Und ich habe ihn perfektioniert. Wenn es drauf angekommt, kann ich ihn."


Risiko springt immer mit

Bei allen spektakulären Sprünge springt natürlich auch immer das Risiko mit. Stürze und Verletzungen muss man einfach einkalkulieren. Michael hat sich schon Arm, Daumen oder Schlüsselbein gebrochen. Auch diverse Bänder haben gelitten. Doch ausgerechnet die bislang schwerwiegendste Blessur, der Kreuzbandriss im Februar 2015, geschah bei einer ganz harmlosen Aktion. Michael fuhr eine Show in Wien, als es passiert. "Es war eigentlich eine Lappalie", erinnert sich Michael. "Ich bin nur mit dem Fuß vom Pedal abgerutscht, doch dabei wurde das Knie durchgedrückt, und das Kreuzband riss."


Die Gefahr fährt mit

Michael will die Gefahr von Extremsportarten, zu denen er auch das BMX zählt, nicht leugnen."Wer an der Weltspitze bleiben will, muss immer höher, immer weiter, immer halsbrecherischer springen", weiß der 19-Jährige. "Da gibt es eigentlich kein Ende. Man muss immer mehr draufpacken. Die Sportart wird ständig spektakulärer."
Doch Gedanken an Verletzungen müsse man ausblenden, wenn man über die Erdhügel saust. "Jede Sportart hat ihre Risiken, aber BMX ist nicht so gefährlich wie zum Beispiel Moto-Cross, wo noch zig andere Fahrer auf der Strecke sind. Man hat Respekt, keine Angst."


Fitness ist wichtig

Mithalten könne man nur, wenn man hundertprozentig fit ist. Und das ist Michael. Auch jetzt, außerhalb der BMX-Saison, legt er sich nicht auf die faule Haut, sondern ackert regelmäßig im Fitnessstudio, Schwimmbad oder bolzt Kondition bei Mountainbike-Touren oder Rad-Rennen. Hauptsache, es passiert auf zwei Rädern. "Durch die Verletzung habe ich gemerkt, wie wichtig mir es ist, auf dem Fahrrad zu sitzen, mit Freunden zu fahren und Spaß zu haben. Das steht für mich über allem, auch über Erfolgen bei Wettkämpfen", sagt der Kulmbacher, der früher beim Moto-Cross auch Zweiräder mit Antrieb gefahren ist.

Umso schwerer war die Zeit nach seiner Kreuzband-Operation. Drei Monate lang saß Michael auf keinem Fahrrad. "Trotzdem haben die alten Tricks auf Anhieb wieder geklappt", freut sich Michael Meisel, in der Zwangspause nichts verlernt zu haben.

Doch dafür hat er auch hart gearbeitet. Für sein Comeback quälte er sich bei einer professionellen Reha in Kulmbach. Die Fitness holte er sich auch auf dem Rennrad zurück, spulte schon mal 220 Kilometer mit Kumpel Marco Rödel vom Team Icehouse herunter.


Show in Einkaufszentren

Michael Meisel ist BMX-Vollprofi und kann dank etlicher Sponsoren gut von seinem Sport leben. Die Lehre zum KfZ-Mechatroniker bei seinem Vater macht er nebenbei. Nächstes Jahr will er die Prüfung machen.

Gleich Anfang 2016 tourt Michael erstmal durch Europa. Jedes Wochenende im Januar und Februar zeigt er seine Künste in Einkaufszentren in Prag, Budapest, Frankfurt, Berlin, Bratislava und Hannover. Beim so genannten "Down-Mall-Contest" bieten je vier ausgewählte BMX- und Mountainbikefahrer eine spektakuläre Show. "Wir fahren über Rolltreppen oder springen aus der Galerie direkt auf Rampen", verrät Michael.

Im Frühjahr geht es dann zum Training in die USA. Michael ist nach seiner langen Verletzungspause und einem dürftigen Wettkampf-Programm 2015 ("Es gab in Europa nur wenige Dirt-Contests") wieder richtig heiß. Im neuen Jahr will der 19-Jährige möglichst viele Wettkämpfe fahren. "Ich nehme alles mit, was kommt", sagt er.

Heuer hat er zwei Contests gewonnen. Den Ex- und Hop-Contest beim Streetlife-Festival in der Münchner Innenstadt auf der Leopoldstraße, einen weiteren in Innsbruck. Den coolsten Wettkampf 2015 bestritt Michael Meisel in Kroatien. Bei der Panonien-Challenge schauten 15 000 Fans zu. "Das herrschte eine Atmosphäre wie im Fußball-Stadion", schwärmt Michael von der BMX-Begeisterung auf dem Balkan. Die ganze Weltspitze war vertreten. Unter 120 Startern belegte der Kulmbacher bei seinem ersten Wettkampf nach seinem Kreuzbandriss immerhin Rang 6 - und das nicht einmal in seiner Spezialdisziplin, sondern im Park-Fahren.

Doch geht es Michael weniger um Platzierungen und ums Geldverdienen. "Ich will einfach eine geile Zeit haben, das Leben genießen, viele Leute und Städte kennen lernen und das machen, was man liebt, nämlich Fahrradfahren. Und Dirt-BMX zu fahren, ist das Coolste", sagt er.

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