Altenkunstadt
Radsport

Janorschke: "Das Risiko fährt immer mit"

Nach dem Tod der belgischen Profis Antoine Demoitié und Daan Myngheer werden die Forderungen nach mehr Sicherheit bei Radrennen lauter.
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Antoine Demoitié ist am Osterwochenende bei einem Radrennen tödlich verunglückt. Nach einem Sturz stieß er mit einem Begleitmotorrad zusammen.  Foto: Kristof Ramon/epa
Antoine Demoitié ist am Osterwochenende bei einem Radrennen tödlich verunglückt. Nach einem Sturz stieß er mit einem Begleitmotorrad zusammen. Foto: Kristof Ramon/epa
Grischa Janorschke steht in Frankreich in Startposition, als eine Schweigeminute für den am Osterwochenende verunglückten Radprofi Antoine Demoitié angesagt wird. Die Radrennfahrer nehmen ihren Helm ab, und obwohl unzählige Zuschauer die Strecke säumen, herrscht für einen Augenblick absolute Stille. Nur dreißig Sekunden später hat Janorschke den Helm wieder auf und rauscht mit 70 Stundenkilometern eine steile Abfahrt hinunter. "Das war schon ein komisches Gefühl zu diesem Zeitpunkt. Aber man macht eben einfach weiter", sagt der Altenkunstadter.


"Ein großes Unglück"

Der Unfalltod zweier belgischer Kollegen hat den 29-Jährigen merklich ins Grübeln gebracht. Wie geht man mit so etwas um? "Die Radsportwelt ist klein. Ich kannte beide, bin mit beiden schon Rennen gefahren. Allerdings gab es nie einen persönlichen Kontakt", sagt Janorschke. "Es ist einfach ein ganz, ganz großes Unglück", sagt der Altenkunstadter. Aber eines, das man wohl nicht hätte verhindern können: "Stürze gehören leider zum Radsport dazu, das Risiko fährt immer mit."

Nach den zurückliegenden Unfällen ist die Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen im Radsport wieder lauter geworden. Der mehrfache Zeitfahrweltmeister Tony Martin forderte beispielsweise, dass künftig nur noch Ex-Profis die Begleitmotorräder fahren sollten. Eine Maßnahme, die laut Janorschke wenig Aussicht auf Erfolg hat. "Da müsste man erst einmal so viele Ex-Profis finden, die diesen Job dann auch machen wollen." Zudem sei es ja nicht so, dass nur Laien auf den Begleitfahrzeugen sitzen. Die meisten bekämen eine spezielle Schulung, um Situationen richtig einschätzen zu können.


Luftballons an der Strecke

Den Vorschlag Martins, gefährliche Abschnitte auf der Strecke mit Luftballons zu markieren, hält Janorschke hingegen für gut. "Man muss sagen, dass ja schon viel getan wird. Die Motorräder halten vor einem Hindernis, strecken eine Fahne in die Luft, um von Weitem sichtbar zu sein, und machen sich zudem mit einer Trillerpfeife bemerkbar", sagt der 29-Jährige. Doch bei aller Sicherheit - Radsport sei eben ein Straßensport, und "die Straße lässt sich nicht wegzaubern". Das komplette Sicherheitskonzept müsse nicht überdacht werden. Verbesserungen seien natürlich immer möglich und wünschenswert.

Ob man sich der Gefahr als Profi immer bewusst ist? "Nein, man hat das nicht immer präsent. Ich bin im vergangenen Jahr 70 Rennen gefahren, da gewöhnt man sich an das Risiko. Es geht immer um den Sieg, und im Feld wird schon richtig gekämpft. Wenn einem Fahrer die Risiken dauernd im Kopf rumgehen, dann müsste er aufhören", sagt Janorschke.

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