Gefrees
Motorsport

In Gefrees tänzeln die Motorräder

Die weltbesten Trial-Fahrer treffen sich an diesem Wochenende vom 27. bis 29. Mai in Gefrees im Fichtelgebirge zu zwei WM-Läufen.
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Nicolai Widmann vom MSC Gefrees ist der Lokalmatador bei den beiden Läufen zur Trial-WM am Wochenende in Gefrees. Foto: Alexander Muck
Nicolai Widmann vom MSC Gefrees ist der Lokalmatador bei den beiden Läufen zur Trial-WM am Wochenende in Gefrees. Foto: Alexander Muck
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Es ist nasskalt, der graue Fichtelgebirgs-Granit glänzt wie eine Speckschwarte. Auf einem der unzähligen mächtigen Felsbrocken in einem aufgelassenen Steinbruch tänzelt ein Zweirad. Der Motor jault kurz hoch, das Vorderrad bäumt sich auf, und der junge Bursche hüpft plötzlich artistisch auf nur einem Reifen zum nächsten Findling. Und dann tänzelt das Motorrad wieder, der Fahrer balanciert sich aus.

Solch zirkusreife Nummern beherrschen nur die Besten. Und zu denen gehört Nicolai Widmann (Bild oben). Der 17-Jährige ist eines der größten Trial-Talente Deutschlands und trainiert gerade für die zwei Läufe zur Trial-Weltmeisterschaft an diesem Wochenende im heimischen Gefrees. Da wird Nicolai in der Trial-125er-Klasse bei den Junioren starten. Und er wird wohl besseren Grip als an diesem Trainingstag vorfinden, denn das Wetter soll schön werden.
Was wiederum Chef-Organisator Uwe Liebig freut, ist doch sein MSC Gefrees, der die Veranstaltung seit Monaten mit einem harten Kern von neun Helfern vorbereitet, dringend auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Liebig sagt: "Die WM kostet uns 45 000 Euro. Wir hoffen auf etwa 3500 Zuschauer pro Tag."


Vorurteile gegenüber Trial

Motorsport fasziniert viele Menschen. Doch gerade Trial-Sportler haben immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Dabei brettern sie mit ihren heißen Öfen keineswegs zerstörerisch und mit Mordslärm durch die Natur, wie manche vermuten. Trialer suchen vielmehr ihre besten Zweirad-Artisten. Wer einen bestimmten Parcours bewältigen kann, ohne vom Motorrad absteigen zu müssen, hat gute Siegchancen.

"Gefragt sind Geschicklichkeit, Körperbeherrschung, Koordinationsvermögen und Konzentration", sagt Uwe Liebig. Außerdem sollte ein guter Trial-Fahrer beweglich und gut austrainiert sein - ähnlich wie ein Jockey beim Reiten. "Auf Weltklasse-Niveau sind die Fahrer topfit, das ist Leistungssport, das darf man nicht unterschätzen", sagt Uwe Liebig. Der 51-Jährige betreibt selbst seit 38 Jahren Trial (zu deutsch Prüfung), wenn auch heute nur noch "auf entspannte Art und Weise" in der Classic-Kategorie mit einem Motorrad von 1978.

In Gefrees hat Uwe Liebig kaum noch mit Vorurteilen zu kämpfen. Denn in dem Fichtelgebirgsstädtchen im nördlichen Landkreis Bayreuth, dicht an den Grenzen zu Kulmbach, Wunsiedel und Hof, besitzt Trial eine lange Tradition. Schon seit 44 Jahren hat der 1953 gegründete MSC Gefrees regelmäßig die internationale Trial-Elite zu Gast, letztmals fanden 2011 in Gefrees Läufe zur EM und WM statt. "Trial ist ein umweltverträglicher Sport, wir müssen viele Auflagen einhalten", sagt Uwe Liebig. So ist zum Beispiel die Betankung der Motorräder nur im Fahrerlager und auf bestimmten Matten erlaubt.


Führerschein ist Plicht

60 bis 70 Starter aus aller Welt werden zu den beiden Läufen am Samstag und Sonntag erwartet. Darunter Stars der Szene wie Toni Bou oder Adam Raga. Alle Teilnehmer brauchen aber einen Führerschein und eine Straßenzulassung für ihre Maschinen, müssen doch die Strecken zwischen den einzelnen Prüfungen auf öffentlichen Straßen zurückgelegt werden. Deshalb darf der 16-jährige Nicolai Widmann auch nur in der 125-ccm-Klasse starten.

Nicolai fährt zwar erst seit fünf Jahren ("Angefangen habe ich mit Fahrrad-Trial"), gehört aber schon jetzt zu den Besten in Deutschland. "Ich habe durch die WM-Läufe 2011 in Gefrees Blut geleckt", erzählt der Schüler.
"Seine Entwicklung ist sensationell", lobt ihn Vereins-Chef Uwe Liebig in den höchsten Tönen. "Nicolai ist der beste junge Fahrer, den ich in den letzten 30 Jahren bei uns erlebt habe." Und das seien so an die 70 Kinder und Jugendliche gewesen, schätzt Liebig.

Im vergangenen Jahr gewann Nicolai den deutschen Jugend-Trial-Cup der Klasse 3, der zweithöchsten Nachwuchsklasse. "Die will ich heuer wieder gewinnen und dann nächstes Jahr bei den Herren in der höchsten Klasse mitfahren", sagt Nicolai ziemlich selbstbewusst. Drei Mal die Woche trainiert er und ist Mitglied des bayerischen und deutschen Förderkaders.

WM-Läufe bestreitet Nicolai allerdings heuer nur im heimatlichen Gefrees. Schließlich steht in diesem Jahr seine Abschlussprüfung in der Realschule an. "Außerdem sind die WM-Läufe wie in Japan und Schweden sehr weit weg", sagt der 16-Jährige. Am Wochenende möchte Nicolai aber schon vorne mitfahren. Und den Heimvorteil nutzen: "Es ist auf jeden Fall gut, wenn man den Parcours und den Untergrund kennt."


Keine Angst vor Stürzen

Die mächtigen Felsblöcke meistert Nicolai an diesem verregneten Trainingstag traumwandlerisch sicher. Angst vor Stürzen hat der athletische Bursche - im Gegensatz zu seiner Mutter - nicht: "Es passiert schon mal, dass man das Gleichgewicht verliert und vom Motorrad fällt. Aber außer Schürfwunden, Prellungen oder einem verstauchten Knie ist mir noch nichts passiert." Aber dennoch hofft auch Nicolai auf Sonnenschein am Wochenende: "Bei trockenen Bedingungen bin ich besser."


Beste Voraussetzungen

Die Gegend um Gefrees ist geradezu prädestiniert für den Trial-Sport, denn es gibt viele natürliche Hindernisse. Herzgebiet der WM ist das Areal an der "Hügelwiese", wo bis Anfang der 90er-Jahren Granit abgebaut wurde. Das Gelände ist gespickt mit riesigen Felsbrocken - ein Dorado für Trial-Fahrer.
Vom Wettkampfzentrum am Sportzentrum in Gefrees fährt an beiden Wettkampftagen ab 9.30 Uhr ein kostenloser Buspendel zur "Hügelwiese", wo die Sektionen 6 bis 11 ausgetragen werden. Die übrigen Sektionen sind im Sportzentrum - hier wurden tonnenschwere Felsblöcke angekarrt - und zu Fuß zu erreichen. "Es war immer die Stärke der Gefreeser WM-Läufe, dass sie sehr familiär sind. Das kommt daher, dass wir mit dem Fahrerlager mitten in der Stadt sind und die Zuschauer ganz dicht an die Fahrer herankommen", sagt Uwe Liebig. cs


Der WM-Zeitplan

Beim "DMV Franken Trial" am Samstag und Sonntag in Gefrees werden die Läufe 5 und 6 von insgesamt 16 zur diesjährigen Weltmeisterschafts-Serie ausgetragen. Es sind die einzigen heuer in Deutschland. Auf den ersten drei Plätzen der Etliteklasse liegen die Spanier Toni Bou (neunfacher Weltmeister), Adam Raga und Albert Cabestany. Der deutsche Star Franz Kadlec ist derzeit Neunter. Am Start sind Piloten aus 13 Nationen.


Freitag, 27. Mai

10 bis 12 Uhr: technische Abnahme, 13 bis 16 Uhr: Training; 19 Uhr: Fahrervorstellung und Festabend.


Samstag, 28. Mai

9.30 Uhr: Start des 1. Fahrers; 16.30 Uhr: Siegerehrung; 20 Uhr: Party mit Live-Musik.


Sonntag, 29. Mai

9.30 Uhr: Start des 1. Fahrers; ca. 16.30 Uhr: Siegerehrung.


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