Hohenberg
Ski Nordisch

Der Frankenwälder Florian Rohde mischt in der Weltelite mit

Der 32-jährige Florian Rohde aus Hohenberg bei Marktleugast (Landkreis Kulmbach) zählt zu den weltbesten Langstrecken-Langläufern.
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Der Hohenberger Florian Rohde gehört zu den besten Langstrecken-Langläufern der Welt. Foto: privat
Der Hohenberger Florian Rohde gehört zu den besten Langstrecken-Langläufern der Welt. Foto: privat
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"Florian ist ein Klasseläufer und steht auf dem Sprung in den Weltcup." Dieser Satz ist mittlerweile acht Jahre alt. Gesprochen hat ihn Peter Schlickenrieder, einst einer der besten deutschen Skilangläufer, nach dem Nachtsprint 2009 am Walberngrüner "Gletscher", den Florian Rohde klar gewann. Schlickenrieders optimistische Karriere-Prognose hat sich für den Frankenwälder Florian Rohde zwar nicht erfüllt. Doch auch mit mittlerweile 32 Jahren gehört der in Hohenberg bei Marktleugast beheimatete Athlet immer noch zu den besten deutschen Skilangläufern.

Den Beweis seiner Klasse hat Rohde erst am Wochenende beim legendären Wasalauf in Schweden wieder erbracht, als er - wie berichtet - unter 15 800 Startern auf dem sensationellen 38. Rang landete und bei seiner Premiere gleich bester Deutscher war. "Dass so ein Ergebnis herauskommt, hätte ich nicht gedacht", sagt Florian Rohde. Sein Name ging bundesweit durch die Medien. "Sogar die Süddeutsche Zeitung hat sich gemeldet", erzählt Rohde drei Tage nach seiner Glanztat in der BR-Redaktion.

Tennis, Fußball und Handball waren zunächst Florians sportliche Hobbys. Den ersten Langlaufwettkampf bestritt er mit sieben Jahren ("Ich glaube, es war in Weißenstadt") und ging dann in der Jugend für den FC Wüstenselbitz in die Loipen. Selbige lagen direkt vor Florians Haustür am Walberngrüner Gletscher und waren prädestiniert fürs Trainieren. Immer mit dabei: sein Vater Leonhard, der mit seiner Frau Monika in Helmbrechts ein Autohaus betreibt. "Meine Eltern haben mich bei meinen sportlichen Aktivitäten immer unterstützt", sagt Florian Rohde.


Typ Einzelsportler

Irgendwann ließ er die Ballsportarten bleiben ("Ich bin sportlich eher der Typ Einzelkämpfer") und konzentrierte sich auf die beiden schmalen Bretter. Die schnallte sich der Hohenberger vermehrt auch im Sommer unter die Füße. Biathlon probierte Florian Rohde ebenfalls mal aus. Trainer Stephan Popp aus Sparneck, auch für den Bayerischen Ski-Verband tätig, lotste ihn schließlich zum Skiclub Gefrees. "Ich hatte zuvor in der Jugend einen Trainer, der mich kaputt trainiert hat", sagt Rohde. Unter Popp ging es wieder bergauf.

2009 war Florian Rohdes bestes Jahr. Zwei Mal wurde er Vierter bei der Deutschen Meisterschaft der Herren. Über 20 Kilometer hatte er nur knapp drei Minuten Rückstand auf Tobias Angerer, den Gesamtweltcupsieger von 2006 und 2007, und lag vor Tim Tscharnke, dem Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2010. Und auch beim Sprint belegte der Hohenberger Rang 4, was ihm sogar sein Weltcup-Debüt beim Sprintrennen in Düsseldorf ermöglicht hätte. Doch nach einer Erkrankung entschied sich Florian gegen einen Start. "Die Jahre 2007 bis 2010 waren meine beste Zeit. Ich habe damals einen Winter in der Oberhofer Trainingsgruppe mittrainiert und konnte mit den Weltcupläufern wie Axel Teichmann oder Jens Filbrich mithalten", erinnert sich der Hohenberger.


Die Gesundheit...

Doch immer wieder warfen ihn Erkrankungen zurück. Der Tiefpunkt kam 2010. "Ich weiß bis heute nicht, was es war. Aber ich war schon nach wenigen Kilometern immer völlig erschöpft." Wahrscheinlich eine Folge des zu harten Trainings in jungen Jahren, vermutet Rohde.

Der Frankenwälder verpasste jedenfalls den Sprung in den Nationalkader und konnte somit auch bei der "Materialschlacht" nicht mithalten. "Die Kaderathleten bekommen natürlich immer die besseren Bretter", weiß Rohde. Doch ein wenig gibt er auch sich die Mitschuld daran, dass es mit der ganz großen Karriere nicht geklappt hat: "Ich habe den Ehrgeiz zu spät entwickelt." Erst seit 2015 geht es wieder aufwärts. "Ich bin seit zwei Jahren körperlich wieder halbwegs stabil."


Hin zu Marathon-Distanzen

Heute ist Florian Rohde - auch dank seines Berufes als Zeitsoldat beim Skizug der Gebirgsjäger in Berchtesgaden - wieder in guter Form, hat sich aber mehr den Ski-Marathon-Distanzen (über 40 Kilometer) zugewendet - seine zweite Karriere. Und da gehört Rohde zur Weltspitze, hält wie zuletzt beim Wasalauf mit ehemaligen oder noch aktiven Weltcupläufern mit. Nur einen Platz vor ihm landete der Tscheche Lukas Bauer, der Gesamtweltcupsieger von 2008.
Der Wasalauf über 90 Kilometer ist "quasi die Weltmeisterschaft im Ski-Marathon" (O-Ton Rohde) und einer von 13 Läufen zur Visma-Ski-Classic-Serie. "Das ist in Skandinavien ein angesehener Wettbewerb mit vielen Top-Athleten. Der Gesamtsieger bekommt immerhin 40 000 Euro Preisgeld", sag t der Hohenberger. Florian Rohde liegt derzeit auf Rang 41 unter 112 gewerteten Eliteläufern, wird aber die restlichen vier Saisonrennen nicht mehr bestreiten. "Das ist eine finanzielle Sache, denn wir müssen fast alles aus eigener Tasche bezahlen." Rohde startet für "Forever Nordic", das einzige deutsche unter den 28 zugelassenen Top-Teams in dieser Serie. Und das hat einfach finanziell kein große Budget. Gerade mal das Wachs ist für die Läufer umsonst...
Sein letzter Höhepunkt dieser Saison ist in zwei Wochen der Skadi-Loppet-Marathon im Bayerischen Wald. Der ist so etwas wie der Lieblingslauf von Florian Rohde, stand er doch dort bei allen seinen vier Starts auf dem Treppchen. Und vielleicht gelingt ihm ja wie 2010 der ganz große Wurf.
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