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ATS-Faustball-Talente: Sie trainieren sich einfach selbst

Dass sich kein Coach für sie findet, hält neun junge Sportlerinnen nicht von ihrem Hobby ab. Sie machen aus der Not eine Tugend und setzen beim ATS Kulmbach eine lange Tradition fort.
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Sandra Strozniak schlägt für die Damen des ATS Kulmbach in der neuen Saison in der Landesliga auf.  Foto: Monika Limmer
Sandra Strozniak schlägt für die Damen des ATS Kulmbach in der neuen Saison in der Landesliga auf. Foto: Monika Limmer
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Die wohl taffeste Damen-Mannschaft der Region spielt derzeit beim ATS Kulmbach. Denn trotzdem sich in der traditionsreichen Faustballabteilung des Großvereins kein Trainer für sie finden ließ, blieben die Spielerinnen am Ball. Und so trainieren sie sich seit eineinhalb Jahren eben selbst.
"Es ist schon schade, dass uns keiner trainieren will", bedauert Magdalena Süß. Dabei ist die ATS-Faustballabteilung eigentlich nicht arm an ehemaligen Bundesliga-Spieler(inne)n. Doch für die Trainertätigkeit lässt sich von den in Kulmbach verbliebenen Ehemaligen keiner (mehr) gewinnen. Selbst Silke Eber hat sich aus beruflichen Gründen nach dem Aus der Damen-Bundesliga-Mannschaft 2014 zurückgezogen, konzentriert sich beruflich bedingt nur noch auf ihre Aufgabe als Trainerin der Damen-Nationalmannschaft, die sie 2014 zum Welt- und heuer zum Europameister machte.


Keiner will sich engagieren

Immerhin engagierte sich Silke Eber (42) seit über 20 Jahren für die ATS-Faustballabteilung, zunächst nur als Jugendtrainerin, nach ihrem Karriereende 2000 - der Schlagarm spielte nach vielen intensiven Faustballjahren nicht mehr mit - zusätzlich auch als Coach der Damenmannschaft. "Leider können wir seit Jahren keine Personen als Jugendtrainer gewinnen", schlug Silke Eber vor längerer Zeit Alarm. Typische Probleme einer Randsportart eben.
Die neue Generation der ATS-Faustballerinnen ist zwischen 14 und 20 Jahren jung, die meisten könnten noch bei der Jugend spielen. Doch seit vergangenem Winter treten die neun Mädels schon gegen Erwachsene an - und stiegen auf Anhieb aus der nur drei Teams umfassenden Bezirksliga auf. Der Sprung in die Landesliga war zugegebenermaßen Glück, denn die Relegationsspiele fielen mangels Beteiligung aus. Doch auch das gehört zum Sport dazu.


Viele Spiele, weite Fahrten

Musste der ATS in der Bezirksliga-Saison nur vier Partien bestreiten, so erhöhen sich in der Landesliga Spieltage und Fahrstrecken drastisch. Bis nach Haibach in Unterfranken geht es in der Mitte November beginnenden Saison 2015/16. "Das wird schon stressig", sagt Sandra Strozniak, die neben Laura Fischer bereits Bundesliga-Luft in der aufgelösten Truppe von Silke Eber schnuppern durfte.
Strozniak selbst ist realistisch: "Bundesliga-Niveau werden wir mit der aktuellen Mannschaft wohl nicht erreichen." Nicht zuletzt mangels eines Trainers, wie Magdalena Süß zugibt: "Unsere Leistung hat in letzter Zeit stagniert." Deshalb haben sich zwei Spielerinnen entschlossen, an einem Trainerlehrgang der Deutschen Faustball-Liga (DFBL) teilzunehmen: Neben Sandra Strozniak auch Abwehrspielerin Julia Krätzschmar. Die 19-Jährige sagt: "Wir wollten einfach neue Ideen für das Training bekommen." Nun leitete sie im Wechsel mit Sandra Strozniak und Laura Fischer jeden Freitagabend das Training in der Sporthalle Weiher.


Nur der Klassenerhalt zählt

Klar, dass für das blutjunge und weitgehend unerfahrene ATS-Team in der Landesliga einzig der Klassenerhalt zählt. Dazu müsste man am Ende zwei, eventuell drei Mannschaften - das hängt von den Absteigern aus den oberen Ligen ab - hinter sich lassen. "Das wäre schon ein Erfolg", sagt Julia Krätzschmar. So ein Pech wie in der Freiluft saison dürfe man aber nicht wieder haben, hofft Sandra Strozniak: "Die Sommersaison ist nicht gut gelaufen, wir hatten ziemlich viele Verletzungen und Krankheiten." Zwei Spielerinnen hätten eigentlich immer gefehlt. So habe man insgesamt nur zwei Sätze gewinnen können.
An zwei Spieltagen genießen die ATS-Damen Heimrecht: Am Sonntag, 15. November, und am Sonntag, 14. Februar.
Für die neun jungen Damen ist aber der größtmögliche sportliche Erfolg gar nicht so entscheidend, wie Sandra Strozniak verrät: "Erfolge wären schön, aber hauptsächlich geht es uns um den Spaß."


Sie denken an die Zeit danach

Und obwohl ihre Karriere in der Damenmannschaft gerade erst begonnen hat, denken sie bereits an eine Ära nach ihnen: "Wir wollen, dass es mit dem Faustball in Kulmbach weitergeht. Deswegen fangen wir jetzt schon mit der Jugendarbeit an", sagt Julia Krätzschmar und verweist auf das Schnuppertraining am morgigen Freitag. Und Sandra Strozniak verspricht, dass sie am Ball bleiben werden: "In den nächsten fünf Jahren werden sicher immer Trainerinnen aus unserer Mannschaft da sein." Zwar hätten schon einige die Schule hinter sich gelassen, studieren aber direkt vor der Haustüre in Bayreuth oder absolvieren eine Ausbildung in der Region. Richtig taffe Mädels, die eben ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.
ATS-Damenteam: Abwehr: Julia Krätzschmar (19), Lule Latifi (16), Carolin Hannß (16), Julia Titus (19). - Abwehr/Angriff/Zuspiel: Laura Fischer (19). - Zuspiel: Luisa Kretzschmar (16). - Angriff: Sandra Strozniak (17), Magdalena Süß (17), Tessa Streng (14).

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