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Kulmbach
OB-Wahl

SPD zur Kulmbacher OB-Wahl: "Das war die moralische Bewertung"

Dass Henry Schramm (CSU) gegen Ingo Lehmann (SPD) in die Stichwahl muss, hat die politischen Beobachter in Kulmbach überrascht.
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Bereit für die Auszählung: Die Wahlhelfer Moritz Wagner (links) und Christian Hübner leeren im Rathaus eine Wahlurne. Foto: Dagmar Besand
Bereit für die Auszählung: Die Wahlhelfer Moritz Wagner (links) und Christian Hübner leeren im Rathaus eine Wahlurne. Foto: Dagmar Besand

Wenn man politische Beobachter vor der Oberbürgermeisterwahl fragte, dann gingen alle davon aus, dass der gemeinsame Kandidat von CSU, WGK und FDP, Henry Schramm (CSU), im ersten Wahlgang durchgeht. 45,53 Prozent, also ein Minus von 16 Punkten für den Amtsinhaber - damit hatte keiner gerechnet.

Eine spannende Stichwahl

Bei der SPD sprach man gestern Abend davon, dass Schramms Amtsführung von den Bürgern "moralisch bewertet" worden sei. In zwei Wochen dürfte es eine spannende Stichwahl geben: Schramm gegen den SPD-Herausforderer Ingo Lehmann, der sein Ergebnis um zwei Punkte auf 35,46 Prozent verbessern konnte.

"Ich bin froh, dass sich die Kulmbacher Bürger Gedanken gemacht haben über die Machenschaften des OB", meinte SPD-Stadtrat Matthias Meußgeyer. Es sei das eine, was die Staatsanwaltschaft festgestellt hat. "Aber das andere ist, dass man als Oberbürgermeister solche Grundstücksgeschäfte mit der Stadt nicht macht. Die Kulmbacher haben Schramms Amtsführung moralisch bewertet." Seine Verluste seien "ein Erdrutsch".

Die SPD hoffe, in der Stichwahl erfolgreich zu sein, "damit wieder ordentliche Verhältnisse im Rathaus geschaffen werden können". Meußgeyer kündigte an, dass die SPD die Vorwürfe gegen OB Schramm - städtische Arbeitsplätze für ATS-Fußballer, Dienstwagen, Essengutscheine - aufarbeiten werde.

CSU: "Achtungserfolg"

Bei vier Kandidaten sei es grundsätzlich schwierig, eine absolute Mehrheit zu erreichen, stellte CSU-Stadtratsfraktionsvorsitzender Michael Pfitzner fest. "So gesehen, kann man von einem Achtungserfolg sprechen. Aber natürlich hätte ich mir gewünscht, dass OB Schramm im ersten Wahlgang die Belohnung für seine hervorragende Arbeit erhält."

Er, Pfitzner, sei für die Stichwahl "positiv gestimmt". Nach den "vielen Emotionalitäten" müsse es gelingen, sich mit Sachthemen auseinanderzusetzen. "OB Schramm hat in den vergangenen 13 Jahren viel bewegt. Und die Bürger verstehen, dass nur unter seiner Führung diese Riesenprojekte umzusetzen sind."

WGK: Wahl gewonnen

"OB Schramm hat die Wahl gewonnen. Dass er jetzt in die Stichwahl muss, ist für uns ernüchternd", stellte WGK-Vorsitzender Ralf Hartnack fest. "Wir sind davon ausgegangen, dass seine Leistungen für Kulmbach honoriert werden, und sind zuversichtlich, dass es in der Stichwahl klappen wird."

Die Verluste des gemeinsamen Kandidaten führte Hartnack darauf zurück, dass vier Kandidaten angetreten sind. "Und die anderen Geschichten, die gelaufen sind, will ich nicht mehr bewerten. Es ist schon zu viel gesagt worden."

FDP überrascht

Stadtrat Thomas Nagel von der FDP, dessen Partei OB Schramm ebenfalls nominiert hatte, war überrascht, "dass es so wenig wird". Auf der anderen Seite habe die "Schlammschlacht" dem SPD-Kandidaten gerade ein Plus von 1,5 Prozent gebracht. Er gehe davon aus, "dass sich Leistung trotzdem auszahlt". Gefreut habe ihn, so Thomas Nagel, dass der AfD-Kandidat unter fünf Prozent geblieben ist.

AfD: Schluss mit Amigo

Überrascht war auch der AfD-Kreisvorsitzende Georg Hock: "Ich hätte OB Schramm mehr zugetraut." So freue es ihn, dass der OB in die Stichwahl muss.

Das Ergebnis sei verdientermaßen schlecht. "Er hat die Quittung bekommen für den Parteienfilz. Diese unmoralischen Amigo-Gschäftlereien müssen aufhören."

Er, Hock, gehe davon aus, dass die AfD keine Wahlempfehlung aussprechen werde: "Ich bin gespannt, wo er seine restlichen Stimmen herholen will." Dem Kandidaten der AfD, Hagen Hartmann, dankte der Kreisvorsitzende für seinen Einsatz: "Er hat tapfer gekämpft."

Feiertag für die Grünen

14,11 Prozent von OB-Kandidatin Dagmar Keis-Lechner - für die Grünen war gestern Feiertag. "Sie hat toll gekämpft, war immer präsent - ein Superergebnis. Ich bin sehr stolz auf sie", sagte Stadträtin Doris Stein. "Wir haben einen kompetenten Wahlkampf geführt, für den Klimawandel, ehrlich mit unseren Themen - und nicht wie andere, die plötzlich ÖPNV und Radwege für sich entdeckt haben."

Über eine Wahlempfehlung für die Stichwahl hätten die Grünen noch nicht gesprochen, "aber der Kandidat der SPD ist unser natürlicher Verbündeter", so Stein.