Kulmbach
Sportveranstaltung

"Spartan Race" in Kulmbach: Ein Glücksgriff oder doch zu teuer?

Das "Spartan Race" soll die große Sport-Veranstaltung 2020 in Kulmbach werden. Kritiker bemängeln, dass die Stadt zu viel Geld in ein kommerzielles Event investiert. Auf den Werbeeffekt verweisen die Befürworter des Hindernislaufes.
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Beim "Spartan Race" springen die  Extremsportler auch über ein Feuer. Foto: privat
Beim "Spartan Race" springen die Extremsportler auch über ein Feuer. Foto: privat
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In Oberndorf bei St. Johann in Tirol ist das "Spartan Race" inzwischen ein Magnet: Rund 10 000 Starter werden bei dem Extremsport-Event gezählt, das seit einigen Jahren in den Kitzbüheler Alpen über die Bühne geht (siehe "Tiroler Tourismusverband schwärmt vom ,Spartan Raxe'").

Ab 2020 macht das "Spartan Race" für fünf Jahre auch in Kulmbach Station. 4000 bis 5000 Sportler aus bis zu 20 Nationen werden bei der Premiere erwartet. Vom 19. bis 21. Juni werden die "Spartaner" Hindernisläufe bewältigen, bei denen es nicht allein um Geschwindigkeit, sondern um Fitness geht.

Kulmbach rückt ins Rampenlicht

Es sei ein außergewöhnliches Ereignis, das Kulmbach ins Rampenlicht rücken werde, hat OB Henry Schramm (CSU) erklärt, der nicht nur auf den großen Werbeeffekt setzt, sondern auch eine merkliche Belebung für Gastronomie, Hotellerie und Handel erwartet.

Hohe Kosten

Die Befürworter der Großveranstaltung sprechen von einem Glücksgriff der Stadt, doch es gibt auch Kritiker, die unter anderem die hohen Kosten im Visier haben. 500 000 Euro lässt sich die Stadt die Lizenzgebühr für die Ausrichtung in den nächsten fünf Jahren kosten - also 100 000 pro Jahr.

Natur- sowie Vogelschützer befürchten große Eingriffe beim Aufbau des Parcours am Rehberg und Buchwald. Offiziell äußern wollen sich die Umweltverbände noch nicht. BN-Vorsitzender Karlheinz Vollrath teilt nur mit, dass zeitnah eine Stellungnahme verfasst wird.

"Eine Wahnsinnssumme"

Klare Stellung bezieht Martin Ständner, der Vorsitzende des Unabhängigen Athleten-Clubs (UAC) Kulmbach. "Eine Großveranstaltung in Kulmbach ist ja begrüßenswert", sagt Ständner, der aber nicht verstehen kann, dass die Stadt mit so viel Geld ein kommerzielles Event unterstützt. Es sei "eine Wahnsinnssumme", die investiert werde, so Ständner, der darauf verweist, dass die Veranstalter bei einem Startgeld zwischen 89 und 149 Euro ohnehin große Kasse machen. "Warum also die Finanzierung durch die Stadt mit Summen, die hier noch nie für die Sportförderung ausgegeben wurden?", fragt der Leichtathletik-Trainer, der den Breitensport vernachlässigt sieht. Es sei ein Zuschuss in einer Dimension, von dem etwa der verstorbene Wolfgang Pirl nur habe träumen können, der viele Triathlon-Veranstaltungen wie Deutsche Meisterschaften nach Kulmbach geholt hatte.

Die ATS-Boxer helfen

Aufgeschlossener steht dem "Spartan Race" der Leiter der ATS-Boxabteilung, Willy Kastner, gegenüber. Dass der Breitensport in Kulmbach keine Beachtung findet, sieht er nicht. Auch die Boxabteilung erhalte Unterstützung. Er sei zwar kein "Spartan"-Fan, lasse sich aber überraschen, welchen Nutzen die Stadt haben werde. "Dass es werbewirksam sein wird, kann man wohl nicht abstreiten", sagt Kastner. Die Summe, die gezahlt werde, höre sich riesig an. "Man muss aber gegenrechnen, was dabei rauskommt." Die Mitglieder der Boxabteilung seien bereit, das "Spartan Race" als freiwillige Helfer zu unterstützen.

Das sagt die Händler-Sprecherin

Ob die Händler erwarten, dass sie vom "Spartan Race" profitieren? Die Vorsitzende von "Unser Kulmbach", Alexandra Hofmann, glaubt das persönlich nicht. Man sei gefragt worden, ob man sich an einem verkaufsoffenen Sonntag beteiligen würde. Die Mehrheit der Mitglieder sei dagegen gewesen, habe sich entschieden, lieber während des "Streetfood"-Festivals die Läden am Sonntag zu öffnen. Dass die Geschäfte während des "Spartan Race" am Samstag später schließen, kann sich Hofmann vorstellen. Das sei jedem Geschäft aber selbst überlassen.

Hotels rechnen mit volle Betten

Hotels und Wirtshäuser werden Nutznießer sein. Davon ist Stephan Ertl, der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, überzeugt. In seinem Hotel ist an dem Juli-Wochenende schon jetzt die Hälfte der Zimmer vergeben. Der Tourismus werde profitieren, so Ertl: "Kulmbach kommt ins Gespräch und in die Medien. Das ist Werbung für die Stadt."

Die Stadt selbst spürt schon eine Vorfreude auf das Großereignis "Viele Menschen haben Feuer gefangen für die Idee. Vereine und Betriebe melden sich, wollen Mannschaften stellen", sagt Pressesprecher Simon Ries. Wie bei allem, was neu ist, gebe es Skeptiker. "Wir hoffen, dass sich der eine oder andere vielleicht noch von der Begeisterung anstecken lässt beziehungsweise der Veranstaltung zumindest eine Chance gibt."

Natürlich koste das "Spartan Race" Geld. Bei einer möglichen Starterzahl von 5000 wären es etwa 20 Euro pro Sportler, so der Pressesprecher, der darauf verweist, dass die Stadt auch jeden Schwimmbadbesuch mit zehn 10 Euro, jeden Museumsbesuch auf der Burg mit etwa 40 Euro bezuschusst. "Wenn man dann bedenkt, dass die Sportler ein ganzes Wochenende meist mit Begleitung hierbleiben, übernachten, essen, trinken und einkaufen, dann war die Größenordnung aus Sicht des Stadtrates über alle Parteigrenzen hinweg vertretbar", stellt Ries fest.

"Das Ganze muss wachsen"

Dass auch Handel und Hotellerie Gewinner sein werden, davon geht man bei der Stadt aus. Ries: "Wie bei jeder neuen Veranstaltung muss das Ganze aber sicherlich erst einmal wachsen." Den Vorhalt, die Stadt würde den Breitensport nicht fördern, weist er zurück: "Der Erhalt der Hallen und Sportanlagen in der Stadt erfordert immer wieder Millionensummen, womit eine wesentliche Förderung des Schul- und Breitensports verbunden ist."

Mit dem Bund Naturschutz wie auch dem LBV stehe man in Kontakt. Ries: "Wir haben in den letzten Jahren gute Erfahrungen mit anderen Ausdauer-Events wie den Trails for Germany oder dem Wandermarathon gemacht. Triathlon ist ja schon seit jeher fester und wichtiger Bestandteil der Region. Auch das ,Spartan Race' wollen wir im Einklang mit der Natur gestalten." Hierzu auch ein Kommentar von Alexander Hartmann

Dem Wettkampf eine Chance geben

Aroo! Aroo! Aroo" Der Schlachtruf, der den antiken Spartaner-Kriegern zugeschrieben wird, wird 2020 erstmals auch in Kulmbach erklingen. Das "Spartan Race" macht bei uns Station - mit Extrem-Sportlern, die über ein brennendes Feuer springen, an Tauen hochkletterten, unter Stacheldraht hindurch kriechen und schwere Sandsäcke den Berg hinaufschleppen. Hört sich verrückt an, und das ist es auch. Aber es ist ein Trendsport, der immer mehr Zulauf findet. Auch in Kulmbach, wo die Spartaner neben Schwimmern, Leichtathleten oder Boxern inzwischen eine eigene Sportlergemeinschaft geworden sind. Die sich auf die Premiere 2020 freut, ebenso wie viele Hoteliers in der Region, die sich sicher sind: Ihre Zimmer werden vom 19. bis 21. Juni ausgebucht sein.

Dass sich die Stadt das kommerzielle Event 100 000 Euro pro Jahr kosten lässt, stößt Kritikern sauer auf. Darf es auch, doch: Es ist eine Lizenzgebühr, die inzwischen viele Städte zahlen, um Sportveranstaltungen, die eine große Anziehungskraft ausüben, austragen zu dürfen. Auch als Skeptiker sollte man dem "Spartan Race" eine Chance geben. Vielleicht zahlt sich das verrückte Kräftemessen für Kulmbach ja ebenso aus wie für das kleine österreichische Oberndorf. Dort folgen dem "Aaro! Aaro! Aaro"-Ruf inzwischen rund 10 000 Spartaner, die nicht nur Sandsäcke schleppen, sondern auch die Kassen klingen lassen.

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