Kulmbach
Handel

Sozialplan für die Mitarbeiter der Kulmbacher Kaufland-Filiale: "Das Gesamtpaket ist stimmig."

Die Schließung der Kulmbacher Kaufland-Filiale ist beschlossene Sache. Für die Mitarbeiter gibt es nun einen Sozialplan - mit dem diese sehr zufrieden sind.
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Das Kaufland im Einkaufszentrum "Fritz" schließt im nächsten Jahr.Foto: Archiv/Alexander Hartmann
Das Kaufland im Einkaufszentrum "Fritz" schließt im nächsten Jahr.Foto: Archiv/Alexander Hartmann

Die Kaufland-Filiale im Kulmbacher Einkaufszentrum "Fritz" schließt definitiv im August des nächsten Jahres. Das ist die schlechte Nachricht.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft haben einen Sozialplan erarbeitet, mit dem sich die betroffenen Mitarbeiter sehr zufrieden zeigen - weil ihnen ihr Arbeitgeber darin weit mehr entgegenkommt, als es in der Branche in solchen Fällen üblich ist.

Gute Atmosphäre

Über die Details des Sozialplans wurden am Donnerstagabend nach Ladenschluss die Beschäftigten informiert. Gegenüber den Medien erläuterte Paul Lehmann, stellvertretender Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft verdi Oberfranken-Ost, die Vereinbarung, die, so sagte er, "in guter, fast familiärer Atmosphäre" erarbeitet worden sei.

Zwar werde der Entschluss, den Kulmbacher Kaufland-Standort aufzugeben, nicht rückgängig zu machen sein, so Lehmann. Aber es sei gelungen, in konstruktiver Zusammenarbeit einen Interessenausgleich und Sozialplan zu erarbeiten, mit dem soziale Nachteile abgefedert werden.

Wechsel in andere Filialen

Die Vereinbarungen seien, so Lehmann, in Teilen durchaus unüblich für die Branche. So würden hier üblicherweise Abfindungen mit einem Faktor 0,7 errechnet: Pro Jahr der Betriebszugehörigkeit stehe den Beschäftigten ein Betrag in 0,7-facher Höhe eines Brutto-Monatsgehaltes zu. Darüber, mit welchem Faktor in Sachen Kaufland gearbeitet werden, wurde Lehmann zufolge mit allen Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Aber: "Wir liegen hier deutlich darüber."

Anzuerkennen ist nach Überzeugung des Gewerkschaftsvertreters auch, dass sich die Kaufland-Geschäftsführung bemühe, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Man werde den Beschäftigten aus der Kulmbacher Filiale wenn möglich eine Beschäftigung in anderen Filialen anbieten.

Die nächsten Kaufland-Filialen liegen in Bayreuth und Lichtenfels. Wer dorthin wechsle, könne mit einer Entschädigung für den längeren Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz rechnen.

Zudem würden weitere Entschädigungen gewährt, deren Höhe sich beispielsweise an der Zahl der Kinder orientiere. Und es gebe einen Fonds für Härtefälle. "Das Komplettpaket ist stimmig!"

Das für die Mitarbeiter insgesamt doch positive Ergebnis hat nach Lehmanns Überzeugung sicherlich damit zu tun, dass sich die Belegschaft nach der Bekanntgabe der Schließungspläne kämpferisch gezeigt habe.

"Wir haben hier einen sehr guten und aktiven Betriebsrat. Dass sich Betriebsräte anderer Filialen mit den Kulmbacher Mitarbeitern solidarisch gezeigt haben, war sicher auch von Vorteil!"

Betroffen von der Filial-Schließung sind 50 Mitarbeiter. Ein Teil davon hat befristete Verträge. Der Interessenausgleich und Sozialplan wird für 45 Mitarbeiter wirksam, viele davon Frauen zwischen 40 und 55 Jahren, die nur einer Teilzeittätigkeit nachgehen.

In einer kurzen Pressemitteilung bestätigte die Kaufland-Zentral in Neckarsulm/Baden-Württemberg am Freitagvormittag, dass man "in konstruktiven Gesprächen" einen Interessenausgleich und Sozialplan erarbeitet habe. Fakt sei, dass die Kulmbacher Filiale - eine von 660 bundesweit - schließt. "Die 1999 eröffnete Immobilie entspricht nicht mehr den heutigen Kaufland-Anforderungen an eine zeitgemäße Einkaufsstätte", heißt es in der Pressemitteilung.

Letzter Tag 31. August 2019

"Um diesen Standort auf Dauer wirtschaftlich betreiben zu können, müsste die Filiale umfangreich modernisiert werden. Diese Maßnahmen hätten unverhältnismäßig hohe Investitionen zur Folge. Vor dem Hintergrund der Geschäftsentwicklung dieses Standortes hat das Unternehmen entschieden, diese Maßnahmen nicht durchzuführen und den Standort aufzugeben."

Letzter Verkaufstag ist also am Samstag, 31. August 2019. Wie es dann weitergeht? Das steht noch in den Sternen. Zwar bemühe man sich intensiv, einen neuen Mieter zu finden, der auf der Kaufland-Fläche wieder einen Lebensmittelmarkt betreibt, so Anja Curioso Naiaretti vom Center-Management. "Aber da ist noch nichts spruchreif."

Siehe hierzu auch unseren Kommentar.



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