Thurnau
Empfang

Söders ungeschminkte Zahlenspiele in Thurnau

Beim Jahresempfang der Gemeinde Thurnau hielt Finanzminister Markus Söder eine launige (Lob-)Rede auf Franken und Bayern. Später fungierte er als Blumenfee, als Bürgermeister Martin Bernreuther Ehrenamtliche auszeichnete.
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Beim Länderfinanzausgleich kriegt er langsam sooo einen Hals: Finanzminister Markus Söder bei seiner Rede am Mittwochabend im Thurnauer Schloss. Fotos: Barbara Herbst
Beim Länderfinanzausgleich kriegt er langsam sooo einen Hals: Finanzminister Markus Söder bei seiner Rede am Mittwochabend im Thurnauer Schloss. Fotos: Barbara Herbst
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Die eine Frage ließ Markus Söder unbeantwortet: In welcher - sicher erneut spektakulären - Kostümierung er heute Abend beim Veitshöchheimer Fasching aufkreuzen wird? Thurnaus Bürgermeister Martin Bernreuther (CSU) hatte beim ersten Jahresempfang der Gemeinde am Mittwochabend im Kutschenhaus des Schlosses schon mal vorgefühlt und auch einen Vorschlag parat: Der Finanzminister könnte sich ja auf die Brust das Bayernwappen pappen und auf den Rücken die Silhouette von Schloss Thurnau. So als Werbeblock quasi.
Ein Schloss für Söder? Schloss Söder gibt es übrigens tatsächlich: ein barockes Wasserschloss aus dem 18.
Jahrhundert mit senfgelber Fassade, gelegen in der Gemeinde Holle im Kreis Hildesheim (das ist Niedersachsen und Länderfinanzausgleichfeindesland, aber dazu später).
Für das Wahrzeichen der Töpfergemeinde, laut Bernreuther "Thurnaus älteste Dame", bestehe weiter Sanierungs bedarf. Die Rathausspitze weiß, dass sie einen eigenen Beitrag wird leisten müssen, erhofft sich aber monetäre Unterstützung aus München. Überhaupt benötige die klamme Haushaltskasse Stabilisierungshilfen. Hier kam der Bürgermeister auf Söders Nordbayern-Plan zu sprechen: "Die Absicht ist gut, das fällt auf fruchtbaren Boden bei uns."
"Der Martin Bernreuther ist ja erst am Montag mit einem größeren Scheck aus meinem Ministerium raus", sagte Markus Söder. Gemeint war damit die Bereitstellung von knapp einer Million Euro für den Ausbau der Datennetze im Zuge der Breitband offensive. Für die Stabilisierungshilfen nach Oberfranken sei der Minister in München heftig angefeindet worden. Das habe ihn nicht davon abgehalten, den Fördertopf von ursprünglich 20 auf bald 120 Millionen Euro aufzufüllen. "Allein 50 Millionen gehen davon nach Oberfranken, und das hat gute Gründe, wie ich finde."

Lieber Bayern statt Berlin
Er verteile das bayerische Steuergeld, das ja auch im Norden des Freistaats erwirtschaftet wird, lieber im Land, als es nach Brüssel respektive an den Rest der Republik (Niedersachsen, Berlin etc.) abtreten zu müssen. Stichwort Länderfinanzausgleich. "Bayern geht es gut, und wir sind auch gerne hilfsbereit im Rahmen des Machbaren. Aber es gibt Grenzen." Die sah Söder erreicht bei mittlerweile fast fünf Milliarden Euro, die Bayern heuer bereitstellen muss.
Der Minister schlug den Bogen wieder zu den Schlössern: "Man könnte jetzt sagen, mit dieser Summe ließe sich ein zweites Neuschwanstein bauen. Das wollen wir ja gar nicht." Lacher im Saal. Aber im Ernst, schob Söder nach: Mit dem Geld ließen sich 2000 Kilometer Straße bauen oder erneuern sowie Zehntausende Polizisten und Lehrer einstellen. Auch dafür müsse sich ein Finanz- und Heimatminister in Personalunion stark machen - abseits aller anderen Herausforderungen wie etwa Eurokrise, Flüchtlingsströmen sowie gestiegener Terror gefahr.
Eine kleine Andeutung machte der gebürtige Würzburger in Sachen mögliche Behördenverlegung: "Momentan wuseln die Oberbürgermeister um mich rum, ob nicht was abfällt für ihre Stadt. Ich kann dazu momentan nur sagen: Nicht jeder Beamte muss seine Arbeit in München tun." Und unter großem Beifall der rund 300 Besucher ergänzte er: "In Franken sind die Stimmung und das Essen eh besser."

Diakonie und Feuerwehr
Und: Das Ehrenamt wird gelebt. Das jedenfalls legten die Damen und Herren nahe, die Bürgermeister Bernreuther stellvertretend für viele würdigte, die sich unentgeltlich in den Dienst am Nächsten stellen. Da ist Jörg Schneider, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr und einer von 400 Floriansjüngern der Gemeinde, die im vergangenen Jahr eine Serie von Brandstiftungen auf Trab hielt. Oder Sportler Oldrich Hanus, Tennislehrer und laut Martin Bernreuther verantwortlich dafür, dass Kinder und Jugendliche nicht nur vorm Bildschirm hängen.
Seit 1982 ist die Diakonie-Station mit dem Namen Irmgard Hoffmann verbunden. Mittlerweile betreut das 20-köpfige Team rund 100 Menschen, darunter Demenzkranke, und entlastet so deren Angehörige in der aufreibenden Pflegearbeit.
Dietmar Hofmann schließlich durfte stellvertretend für die Berndorfer Kirchenmäuse das Lob des Gemeindeoberhaupts entgegennehmen. Immerhin hat die Theatergruppe im Laufe ihres 20-jährigen Bestehens weit über 100  000 Euro eingespielt und für den guten Zweck weitergeleitet.
Als "Blumenfee" Markus Söder Hofmann einen Strauß überreichte, bot der dem Minister folgenden Deal an: "Ich kann bei uns ja nicht ewig den jugendlichen Liebhaber spielen. Deswegen schlage ich vor, die Rolle für Sie freizuhalten, Herr Söder, da Sie ja jetzt auch unter die Schauspieler gegangen sind." Großes Hallo im Saal. Markus Söder, seit seinem Auftritt jüngst im Bayerischen Fernsehen schon als "Dahoam is dahoam"-Minister wegen seines Mitwirkens in der gleichnamigen Serie verhohnepiepelt, schmunzelte und raunte dem Laiendarsteller zu: "Wenn es nichts wird mit der Seehofer-Nachfolge, komme ich vielleicht auf das Angebot zurück."

Söder-Zitate

"In der 8. Klasse war ich hin- und hergerissen zwischen Franz Josef Strauß und jungen Mädchen - und dabei leider weniger begeisterungsfähig für Algebra." (Hinweis der Redaktion: Markus Söder ist seit seinem 16. Lebensjahr Mitglied der CSU)

"Franken gelten ja nicht als Spontan-Euphoriker. Beim Blick auf mein Abizeugnis, Note 1,3, sagte mein Vater: ,Noja, do dägechä kommer etz net amol wos sogn.'"

"Ich habe nach manchen schulischen Durchhängern mein Abitur gemacht, studiert und den Doktor gemacht - den durfte ich bis heute sogar behalten."
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