Melkendorf
Natur

So wohnt es sich bei den Melkendorfer Störchen

Nach dem Tierdrama in Stadtsteinach, wo vier Jungvögel verendet sind: Wie geht es den anderen Störchen in der Region?
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Ein Altvogel  im Anflug, er bringt Futter. Der zweite Altvogel beaufsichtigt die Brut im Horst - so wohnt es sich bei den Melkendorfer Störchen. Im Hintergrund sieht man  Rotmaintal und Umgehungsstraße. Foto: Udo Schneider
Ein Altvogel im Anflug, er bringt Futter. Der zweite Altvogel beaufsichtigt die Brut im Horst - so wohnt es sich bei den Melkendorfer Störchen. Im Hintergrund sieht man Rotmaintal und Umgehungsstraße. Foto: Udo Schneider
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15 Meter ragt der Schlot der ehemaligen Fassfabrik Brückner in die Höhe. Dort oben sind die Melkendorfer Störche zu Hause. Für gewöhnlich kann keiner in die Wohnung von Familie Weißstorch reinschauen. Aber Udo Schneider kann es.

Altvogel im Anflug

Der Nachbar der Störche nutzt die moderne Technik: Er schickt ab und zu eine Drohne hoch und schaut bei den majestätischen Vögeln nach dem Rechten. Das Ergebnis sind klasse Fotos - siehe oben: Ein Altvogel im Anflug, er bringt Futter. Der zweite Altvogel beaufsichtigt die Brut im Horst, und im Hintergrund sieht man Rotmaintal und Umgehungsstraße.

Inzwischen ist der Melkendorfer Nachwuchs drei Wochen älter und enorm gewachsen. Warum sieht man aber auf dem zweiten Bild nur drei Jungstörche? "Es sind schon vier, der vierte sitzt im Nest. Die sind alle topfit", versichert Schneider.

Das ist - nach dem Tierdrama von Stadtsteinach - einmal eine gute Nachricht. Dort sind die vier Jungstörche auf dem alten Rathaus verendet. Ob es die große Hitze war oder Nahrungsmangel - eine genaue Ursache ist nicht bekannt.

Kein Müll im Nest

Der Horst auf dem alten Fabrikschlot in Melkendorf macht einen aufgeräumten Eindruck. Eine Vielzahl von fingerdicken Ästen wurde stabil verflochten, darüber liegt Reisig sowie ein weiches Polster aus Gras und Moos. Und vor allem: keinerlei Müll im Nest. Denn durch Plastiktüten, Folien oder ähnlichen Abfall, so Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), besteht bei Starkregen die Gefahr, dass das Wasser nicht abläuft. "Dann können die Jungen erfrieren oder ertrinken."

Die Melkendorfer Altvögel - Schneider: "Einer war auch im Winter wieder da" - sind ständig damit beschäftigt, Futter ranzuschaffen. Mäuse, Frösche und auch mal einen Igel, wie der Nachbar beobachtet hat. Er weiß auch, wo sich die Wassertränke der Störche befindet. Sie nutzen das nahe gelegene neue Wasserbecken an der Umgehungsstraße, um für sich und den Nachwuchs das kostbare Nass zu holen. Sage einer, dass Störche nicht clever sind.

Es dürfte nun nicht mehr lange dauern, bis die Melkendorfer Jungvögel selbst ausfliegen. "Sie machen schon Flugübungen", sagt Schneider. "Das älteste Junge kommt einen Meter hoch, aber es traut sich nicht so recht."

Also alles bestens in Melkendorf. Aber wie geht es den anderen Jungstörchen in der Region? Es gibt weitere Horste in Himmelkron, in Mainroth und Altdrossenfeld.

In Himmelkron hat Pfarrer Michael Krug ein Auge auf die Störche, denn ihr Nest befindet sich auf dem Dach der Stiftskirche. Bei der Anzahl der Jungtiere will er sich nicht festlegen: "Anfangs waren es drei. Jetzt sieht man zwei, die Flugübungen machen." Nach seiner Ansicht ("Bewundernswert, wie die Störche der unsäglichen Hitze trotzen") geht es den Jungen "halbwegs gut". Er will in den nächsten Tagen auf den Kirchturm klettern, um sich bei seinen gefiederten Freunden umzuschauen.

Zweiter Horst in Himmelkron

In Himmelkron hat der Landesbund für Vogelschutz einen zweiten Horst gebaut. "In Sichtweite des ersten Standorts auf einem Gebäude der Himmelkroner Heime", so Erich Schiffelholz. Aber: "Der neue Horst wurde heuer noch nicht angenommen."

In Mainroth weiß die Familie Mohrand über die Störche Bescheid. "Es waren drei Junge. Eines lag dann eines Tags tot unten vor dem Nest." Die zwei verbliebenen Jungvögel sind ebenfalls mit Flugübungen beschäftigt.

Fehlanzeige in Altdrossenfeld

Dagegen ist in Altdrossenfeld heuer der Bruterfolg ausgeblieben: kein Nachwuchs auf dem alten Brauereischlot. "Diesmal keine Jungstörche", heißt es im Gasthaus Schnupp. "Den Altvögeln geht es gut. Wenn sie überhaupt Junge hatten, dann haben sie nicht überlebt." Die Ursache ist unbekannt.

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