Zeitgenössische Kunst hinter dicken Burgmauern, in einem historisch gewachsenen Ambiente - kann das funktionieren? Die Frage, die Oberbürgermeister Henry Schramm bei der Eröffnung der Jahresausstellung des Bundes Fränkischer Künstler am Sonntag auf der Plassenburg stellte, muss mit einem klaren "Ja" beantwortet werden. Mit 197 Exponaten, die von 109 Künstlern präsentiert werden, sind heuer so viele Kunstwerke wie noch nie zu sehen. Für jeden Geschmack und Anspruch ist etwas dabei: Es gibt Aquarelle, Ölmalereien, Zeichnungen, Skulpturen, bildhauerische und fotografische Arbeiten zu sehen. "Und trotzdem spannt sich ein großer Bogen über die Ausstellung", wie der Oberbürgermeister befand.

Hommage an Christel Gollner


Eine Sonderausstellung ist der Bayreuther Künstlerin Christel Gollner gewidmet. Der Grund: Sie hat mit ihren Ölmalereien und Aquarellen in der heimischen Kunstszene neue Akzente gesetzt und die oberfränkischen Malertage ins Leben gerufen.
"Die Ausstellung ist mit viel Liebe, Mühe und Geduld zusammengestellt worden", erklärte der neue Vorsitzende des Bundes Fränkischer Künstler, Andreas Rossmann, und forderte die Besucher und Künstler auf: "Let's celebrate it!" Die Hofer Gruppe "Klangschnitz" sorgte schon bei den Ansprachen für gute Unterhaltung, und auch während der Ausstellung spielten die Musiker auf.
Höhepunkt der Vernissage war die Preisverleihung. Ein Motto gab heuer nicht, doch es war gerade die Themenlosigkeit, die eine wohltuende Befreiung war, wie Laudator Harald Tesan, Dozent am Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Bildwissenschaft der Universität Passau, erklärte. Für die Jury allerdings habe dieser Umstand die Wahl noch schwieriger gemacht. Das Rennen machte der 76 Jahre alte Künstler Walter Förster aus Igelsdorf-Baiersdorf bei Bayreuth.
"Ich habe schon immer Kunst gemacht. Aber ich war nebenbei früher auch als Kunsterzieher tätig", so der Preisträger, der sich über die Frage, wie viele Blei- und Kohlestifte und wie viel Zeit er für seine großformatigen Zeichnungen braucht, nicht den Kopf zerbrechen wollte. Doch es müssen unzählige Stifte und Stunden gewesen sein. Immer wieder setzt er sich an seine Werke, feilt und verfeinert, radiert und übermalt - bis jede Linie sitzt. "Ich freue mich über den Preis ganz besonders, denn normalerweise stehen Zeichnungen nicht gerade im Mittelpunkt des Interesses", sagte der Künstler.
Die Zweitplatzierte heißt Pia Morgenthum, die einmal Realschullehrerin werden wollte, diesen Beruf aber nie ausgeübt hat. "Dieser Preis bedeutet mir mehr als das bestandene Staatsexamen", sagt die Nürnbergerin. Dabei ist ihre neue Werklinie in den Farben Weiß, Schwarz und Rot aus einem Ärgernis entstanden. Sie besuchte einem Workshop der berühmten Zhou-Brüder aus Chicago, doch dort gab es nur wenig Anleitung. So kreierte sie mit furiosen Stichen emotionale Bilder - und erntete ein "Wonderful".
Der dritte Preis geht an Steinbildhauer Wolfgang Stefan aus Selb, der über die Unmenschlichkeit, die manche an den Tag legen, erschrocken ist und den Betrachter wachrütteln will.

Noch bis 8. September


Die Ausstellung ist noch bis 8. September (10 bis 17 Uhr) auf der Plassenburg zu sehen. An jedem Sonntag sind Künstler anwesend, die Besuchern die Werke erläutern.