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Kulmbach
Pandemie

So verändert Corona den Landkreis Kulmbach

Die Zahl der Infizierten steigt. Das Klinikum rüstet sich. Im Landratsamt bereitet man sich auf einen langen Ausnahmezustand vor.
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Im Klinikum Kulmbach gibt es mittlerweile eine Isolierstation für Verdachtsfälle. Foto: Katrin Geyer
Im Klinikum Kulmbach gibt es mittlerweile eine Isolierstation für Verdachtsfälle. Foto: Katrin Geyer

Nichts ist sicher in Zeiten von Corona. Zahlen und Fakten, die heute noch gelten, können morgen längst überholt sein. Für den Landkreis Kulmbach ist dies Grund genug, in regelmäßigen Pressekonferenzen über den aktuellen Sachstand zu informieren. Auch gestern Nachmittag traten Mitglieder des Katastrophenstabes vor die Medien. Wir fassen hier die wichtigsten Informationen zusammen.

Wie viele mit dem Corona-Virus infizierte Menschen gibt es derzeit im Raum Kulmbach? Gestern (Stand 14 Uhr) gab es im Landkreis 36 positiv getestete Menschen. Insgesamt rund 450 Tests waren bis dahin vom Gesundheitsamt durchgeführt worden, eine weitere, nicht bezifferbare Zahl von Hausärzten. Seit dem Wochenende liegen auch die noch ausstehenden Testergebnisse für elf Kinder des Caspar-Vischer-Gymnasiums vor. Davon war ein Kind positiv.

Die meisten positiv getesteten Menschen zeigen nur leichte Krankheitssymptome oder sind völlig symptomfrei.

Bei drei Patienten zwischen 40 und 65 Jahren ist der Krankheitsverlauf so schwer, dass sie im Klinikum Kulmbach behandelt werden müssen. Ein weiterer Patient aus Kulmbach liegt in einer Klinik in einem anderen Landkreis.

Wer wird vom Gesundheitsamt getestet? Die Leiterin des Gesundheitsamtes, Camelia Fiedler, und ihre Mitarbeiter testen mittlerweile nicht mehr nur Menschen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder solche, die Kontakt zu Menschen aus Risikogebieten hatten. Mit fortschreitendem Verlauf der Pandemie werde es immer schwerer, die Infektionsketten nachzuvollziehen, so Fiedler. Deswegen gehe orientiere man sich jetzt ausschließlich an Krankheitssymptomen.

Die ersten nachgewiesenen Infektionen liegen schon geraume Zeit zurück. Wann gelten die Betroffenen als gesund? Die Wissenschaft weiß noch zuwenig über das Virus, um dazu verlässliche Aussagen machen zu können. Üblicherweise wird die Quarantäne aufgehoben, 48 Stunden, nachdem alle Symptome und das Fieber abgeklungen sind. Ob danach eine verlässliche Immunität besteht und wie lange die anhält, ist Camelia Fiedler zufolge noch nicht geklärt.

Seit Freitag gelten in Bayern Ausgehbeschränkungen. Funktionieren die Regeln in Kulmbach? Von Landrat Klaus Peter Söllner gibt es für die Menschen im Landkreis ein dickes Lob: Das Wochenende sei hervorragend verlaufen, die Menschen hätten sich sehr diszipliniert verhalten, so dass es fast keine Probleme gegeben habe. Die Durchsagen von Einsatzfahrzeugen von Feuerwehr und THW am Wochenende seien überwiegend positiv aufgenommen worden.

Bewährt hat sich Söllner zufolge die Hotline des Landratsamtes (siehe unten), in allein am Samstag innerhalb von zwei Stunden rund 700 Mal angerufen worden sei.

Wie stellt sich der Landkreis Kulmbach auf den fortdauernden Ausnahmezustand ein? Ein schnelles Ende der Corona-Krise ist nicht in Sicht. "Wir gehen davon aus, dass wir uns noch bis mindestens Ende April im Katastrophenmodus befinden", sagt Landrat Söllner. Im Landratsamt habe man deshalb die inneren Strukturen entsprechend angepasst. Details dazu erläuterte Oliver Hempfling, Leiter des Sachgebietes öffentliche Sicherheit. So soll die Hotline weiter besetzt sein. Mitarbeiter der Behörde werden in zwei Teams Fragen zu den Ausgangsbeschränkungen erteilen. Jeden Tag erreichen das Amt 200 bis 250 E-Mails mit Anfragen. Acht Mitarbeiter wurden abgestellt, um diese Mails abzuarbeiten beziehungsweise an die richtigen Ansprechpartner weiterzuleiten.

In Zusammenarbeit mit einer Unterstützungsgruppe der Feuerwehr sollen logistische Aufgaben abgearbeitet werden. Das heißt, dass Beatmungsgeräte, Schutzanzüge, Atemmasken, Handschuhe, Desinfektionsmittel und mehr zentral beschafft und schnell und gerecht verteilt werden.

Aufgestockt werden soll der Personalbestand im Gesundheitsamt. Landrat Söllner zufolge habe man schon Verstärkung bekommen. "Momentan sind wir auch dabei, auf anderen Wegen Menschen mit medizinischem Wissen zur Unterstützung zu gewinnen."

Wie hat sich das Klinikum vorbereitet? Im Übergangsbau wurde eine eigene Isolierstation eingerichtet. Wie Geschäftsführerin Brigitte Angermann berichtete, wurden dort seit Freitag schon 20 Verdachtsfälle aufgenommen, von denen die Hälfte mittlerweile aber negativ getestet sei. Bei diesen Personen handelt es sich um Menschen, die sich wegen anderer Erkrankungen zur stationären Behandlung im Klinikum befunden und plötzlich auffallende Symptome gezeigt haben, so dass sie vorsorglich getestet wurden. Die Station verfügt derzeit über 34 Betten in 15 Zimmern. Da die Patienten aber isoliert untergebracht werden müssen, bis nach einem Test Entwarnung gegeben werden kann, soll bis zum Wochenende ein zweites Stockwerk im Übergangsbau eingerichtet werden.

Gibt es Hilfen für die Wirtschaft? Wenn Betriebe wegen der Corona-Krise länger schließen müssen, kann das existenzbedrohend werden. Es gibt deshalb eine Reihe von Fördertöpfen, aus denen solche Unternehmen Hilfe bekommen können. Ansprechpartner ist die Wirtschaftsförderung im Landratsamt. Die Mitarbeiter vermitteln Firmeninhaber mit Unternehmen bis zu 250 Beschäftigten an die zuständigen Stellen weiter. Bei der Regierung von Oberfranken sollen bislang schon 3000 Auszahlungen getätigt worden sein.

Wo kann man sich über Details zu den Ausgangsbeschränkungen und über gesundheitliche Fragen informieren? Informationen über die Ausgangsbeschränkungen gibt es beim Landratsamt Kulmbach unter der Hotline 09221/707-290 oder per Mail unter ausgangsbeschraenkungen@landkreis-kulmbach.de. In medizinischen Fragen kann man sich bei der Hotline des Gesundheitsamtes unter der Nummer 09221/707-600 Rat holen. Eine Sammlung von Informationen zum Thema Corona-Virus gibt es auf der Internet-Leite des Landkreises unter www.landkreis-kulmbach.de. Die Wirtschaftsförderung ist unter der Nummer 09221/707-160 bzw. -124 erreichbar.

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