Kulmbach
Theater

So lustig kann ein "Grippenspiel" sein

Was tun, wenn alle 27 Darsteller krank sind? Antwort: Ein Paar mimt alle Rollen. Was das heißt, war im Theater Baumann zu erleben.
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Auch Kaiser Augustus und einen Soldaten spielen  Georg Mädl (links) und Rüdiger Baumann selber.Adam
Auch Kaiser Augustus und einen Soldaten spielen Georg Mädl (links) und Rüdiger Baumann selber.Adam
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Optimismus und Zuversicht können das ganze Leben zum Positiven verändern. Das war die "ernste" Botschaft, die Rüdiger Baumann, in seine Komödie "Das Grippenspiel" eingebaut hatte. Doch ansonsten sorgte das Stück für Lacher ohne Ende. Nicht nur wegen der gelungenen Geschichte, sondern auch wegen des urtümlich-fränkischen Dialektes und wegen grandioser Schauspielleistungen von Georg Mädl und Rüdiger Baumann.

Georg Mädl spielte den hektischen Mitarbeiter des Bischofs. Er hatte "seiner Exzellenz" empfohlen, sich das legendäre Krippenspiel des Heimatvereines "Harmonie" als Einstimmung auf Weihnachten anzuschauen. Das Krippenspiel hat seit 50 Jahren Tradition. 27 Mitwirkende legen ihr Herzblut in die Darstellung der biblischen Geschichte.

Und vielleicht ist der gelungene Abend, wenn er dem Bischof gefällt, auch eine Chance für ihn persönlich, hat sich Georg Mädl erhofft. Denn er hatte Burnout, macht eigentlich nur ein Praktikum im Ordinariat. Vielleicht ist da Praktikum der Einstieg in die Rückkehr ins Berufsleben? Seine Frau hat von der Erfolglosigkeit und Perspektivlosigkeit auch schon genug. Doch weder die Vorsitzende des Heimatvereins erwartete den Bischof, noch erschien auch nur einer der 27 Mitwirkenden. "Des wird scho", tröstete Thekendienstler Rüdiger Baumann den hektischen Praktikanten. Schließlich hatte Rüdiger Baumann Schauspielerfahrung. "Ich habe früher den Esel gespielt, aber jetzt macht das ein echter Esel."

Eine Sternstunde

Das Krippenspiel sollte zu einer Sternstunde für beide werden. Mit Kompromissen. Gott trat in gestreiften Unterhosen auf, die Texte wurden abgelesen. Als Engel flog nicht der Praktikant herein, sondern Baumann. Maria und Josef, die Hirten, die Könige, Kaiser Augustus und die Soldaten - all die Rollen verkörperten die beiden. Zwischendurch haderten sie noch mit der Geschichtet: "Warum war Gott nicht Manns genug, dem Josef zu sagen, dass seine Frau schwanger ist. Dem Josef hätte er den Engel schicken müssen, nicht der Maria", entschied Baumann und improvisierte.

Das Publikum unterstützte als Engel-Chor und Hintergrund-Volk und hatte sichtlich Spaß dabei. Und am Ende wurden zwei Außenseiter zu Erfolgs-Menschen, die ihre ganz persönliche Sternstunde erlebt hatten. "Es wird scho", waren sich alle einig.

Rüdiger Baumann hat sich mit seiner ganz besonderen Art des Grippenspiels persönlich übertroffen. Denn er baute 1001 Gags in die Geschichte ein. Niemand im Saal konnte sich diesem Humor entziehen - zumal Baumann nicht nur auf Klamauk setzte, sondern auch auf Hintersinn. Tolle schauspielerische Leistungen machten das Spiel zu einem Paradestück mit Kultcharakter.

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