Kulmbach

So klangen die 80er: Als Canon die Säle eroberte

In den Achtzigern wird aus Tin, Skin & Wire die Band Canon. Zwei Gründer erinnern sich.
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Bei Falcos "Kommissar" schlägt für Rüdiger Schoberth, den seit Urzeiten alle "Roger" rufen, die große Stunde: Gewandet im Trenchcoat und bewaffnet mit XXL-Lupe, entert der Saxofonist die Bühne und mimt den Detektiv, während seine Bandkollegen den Welthit in die Tasten/Trommeln/Saiten hämmern. Eine besondere Showeinlage, mit der die Mitglieder der Formation ihre Auftritte gerne würzen.

Klassische Achtziger-Mucke ist das Steckenpferd der achtköpfigen Gruppe - von Neuer Deutscher Welle der Marke Markus ("Ich will Spaß") und Trios "Dadada" bis hin zu rockigen Balladen a` la REO Speedwagon ("Keep on loving you"). Doch ihre Liebe zu Funk und Soul: Die können Roger Schoberth und sein Bläser-Zwilling Erich Wochele nie verhehlen. "Das war klar, dass wir auch Kool & The Gang mit ,Celebrate' unbedingt im Repertoire haben mussten", sagt Wochele, der wie sein Kompagnon die musikalischen Basics bei der Kulmbacher Knabenkapelle erlernte.

Die Bläser-Fraktion ist es, die schon beim Vorgänger Tin, Skin & Wire den Unterschied macht zu vielen anderen Gruppen jener Ära. Roger und Erich, den Mitbegründern dieser Formation, ist klar: Wenn es eine Nachfolgeformation gibt, dann nur im Duo und mit den anderen Haudegen Peter Lubig (Gitarre) und Werner Haberstumpf (Bass). Dazu gesellen sich Joachim Schmidt (Keyboards), Jürgen Detzel (Schlagzeug) und schließlich die Brüder Kalamala: Joachim (Gitarre/Gesang) und Harald (Gitarre). Die beiden Wilhelmsthaler haben 1981 die Verbindungen zu den großen Veranstaltern jener Zeit - und so ist Canon eine gern gebuchte Band und grast die Tanzsäle ab. "Vor allem in Unterfranken ging damals richtig was, Zellingen und Rothausen waren Hotspots", sagt Roger Schoberth. In Trockau stehen die Leute so nahe an der Bühne, dass die Tänzer den Musikern in die Noten gucken können.

Schwerstarbeit für die Bläser-Fraktion

Für die Bläser sind einige der Nummern von damals Schwerstarbeit. Roger erinnert sich, wie er das Saxofon-Solo in Foreigners "Urgent" originalgetreu nachspielen wollte. "Diese vermaledeiten Übertöne habe ich einfach nicht hinbekommen, die sind absolut gemein. Ich habe es irgendwann aufgegeben." Noch heute schwärmt er vom Können der damaligen Musikkollegen. "Das waren absolute Profis."

Die Auftritte zieht sich anfangs die Band selber an Land - bis man einen Manager sucht. Einen, der damals Rang und Namen hat: Viktor Haschke. Nachträglich betrachtet, ist es das Ende von Canon. Wie das? "Gut war, dass er uns in die angesagten Locations reingebracht hat", sagt Erich Wochele. Ein Höhepunkt: der Auftritt in der Carl-Diem-Halle in Würzburg vor 4000 Leuten.

"Zwei Wochen später sind dort Queen mit Freddy Mercury aufgetreten - wir waren quasi die Vorgruppe", sagt Roger lächelnd.

Ein jähes Ende

Haschke hatte jedoch weitere Projekte am Start. Und merkte: Den Bassisten und den Schlagzeuger von Canon, die könnte er gut gebrauchen für seine neue Gruppe Joker. So stellte er etliche Formationen neu zusammen, "Das war wie Band-Lotto", sagt Erich. "Jürgen und besonders Werner waren die tragenden Säulen und nicht zu ersetzen." Und so war nach nicht einmal zwei Jahren Canon bereits Geschichte.

Roger legte familiär bedingt erst mal eine Pause ein. Doch es juckt die beiden viel zu sehr in den Fingern - und so folgen bald die nächsten Formationen Airport und Gangway. Mit Letzterer lassen sie es richtig krachen: Beim Song "BMW" der Spider Murphy Gang kommt eine echte 750er BMW auf die Bühne gefahren.

Neues Kapitel

Ab 1986 schlagen die beiden mit der Showband Les Clochards ein ganz neues musikalisches Kapitel auf: Internationale Tanzmusik mit professionellen Showeinlagen führen sie vom CCH in Hamburg bis zum "Löwenbräukeller" in München, ins Fernsehen von Gerd Rubenbauers "Bayern Champions" bis zum "BMW Nightclub" in Dingolfing. Mit im Septett: Peter Lubig, Weggefährte der ersten Stunde. Ihm ist es zu verdanken, dass eine angehende Tierärztin zu den "Clochards" stößt: Christine Kammerer. 1993 schreibt sie gerade an ihrer Doktorarbeit. "Ich war schon als Kind sängerisch aktiv, zum Beispiel im Schwarzacher Gospelchor und später in der Schulband der Berufsschule." Dort spielt auch Peter Lubig. So kommt sie über Umwege zu den Chlochards.

Bei den Proben hinterlässt Christine Kammerer offenbar bleibenden Eindruck. "Wir waren sofort angetan von ihrer Stimme", lobt Roger. An Songs heißt es für die Ärztin in spe: Mireille Mathieu und Stefanie Hertel pauken. "Okay, das war nicht ganz so mein Ding", sagt die Mainleuserin schmunzelnd. Aber es gibt zum Glück noch anderes Liedgut. "Nathalie Imbruglia habe ich wahnsinnig gern gesungen, und die Sachen von Sade." Marianne Rosenbergs Ohrwurm "Er gehört zu mir" ist der Renner vor allem bei der Limmersdorfer Kirchweih.

Bis zum Jahr 1999 bleibt Christine Kammerer dabei. Stimmlich sei sie mittlerweile "vom Sopran etwas tiefer gerutscht". "Jetzt, im Alter von 53, könnte ich eher die Bluesnummern singen." Auch mit ihren Musikerkollegen von einst? "Ja, ich kann mir vorstellen, das mal wieder aufleben zu lassen. Ich hätte Lust, für einen Revival-Gig als Frontfrau zu agieren - natürlich nur, wenn die Jungs das auch wollen."

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