Kulmbach
Burggeflüster

Sind die roten Streifen in Kulmbach überhaupt Radwege?

Radverkehrskonzept: Warum die Autofahrer umdenken und die Stadträte mehr Fahrrad fahren sollten.
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Radfahren in Kulmbach macht keinen Spaß. Wie soll man auf diesem roten Streifen fahren? Und die farbigen Fahrbahnflächen sind ohnehin keine Radwege. Foto: Archiv
Radfahren in Kulmbach macht keinen Spaß. Wie soll man auf diesem roten Streifen fahren? Und die farbigen Fahrbahnflächen sind ohnehin keine Radwege. Foto: Archiv

Neulich auf Kulmbachs Straßen. An der Ertl-Kreuzung: Ein Autofahrer hupt wie blöd, weil der Radfahrer in der Hardenbergstraße vom roten Streifen auf die linke Spur wechselt, um sich als Linksabbieger zum Kriegerdenkmal einzuordnen. Der Radler verzichtet darauf, den Mittelfinger auszupacken. Oder in der Wilhelm-Meußdoerffer-Straße/Nähe Schauer-Kreuzung: Dort wechselt der Radfahrer auf die Straße, weil der rote Streifen gleich endet und sich der Radler dann vielleicht in Luft auflösen müsste. "Das Rote ist der Radweg", ruft der ganz gescheite Beifahrer noch. Also: In Farbenlehre bekommt er eine Eins.

Wie Asphaltcowboys

So etwas erlebt man täglich als Radfahrer in Kulmbach. Aber nicht, wenn man als Stadtrat mit dem Auto in die Stadt fährt und im Rathaus rumsitzt, weil Stadtratssitzung ist. Kulmbach wurde, politisch gewollt, autogerecht gemacht, und so fühlen sich viele Asphaltcowboys eben als Chefs in der Autostadt: Die Straße gehört mir!

Damit kommen wir zu Pudels Kern (Goethe immerhin): Kulmbach braucht nicht nur ein Radwegekonzept, nachdem man wieder mal beim Test des Allgemeinden Deutschen Fahrradclubs (ADFC) schlechte Noten bekommen hat, sondern zu allererst zwei Dinge. Erstens: Es muss sich in den Autofahrerköpfen etwas bewegen - Schluss mit dem Mia-san-mia auf vier Rädern, runter vom Gas, mehr Rücksicht und mehr Respekt. Zweitens (und genauso wichtig): Stadträte müssen mit dem Rad zum Rathaus fahren. Denn es schadet nicht, wenn man auch weiß, was man künftig beschließen soll.

Endet im Nirwana

Und zum Beifahrer mit der oberlehrerhaften Attitüde sei gesagt: Die roten Streifen sind keineswegs Radwege im Sinne der Straßenverkehrsordnung, sondern sogenannte Schutzstreifen ohne Benutzungspflicht. In Kulmbach haben die farbigen Fahrbahnflächen zudem die Eigenschaft, dass sie mehr Verwirrung stiften und meistens im Nirwana enden.

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