Kulmbach

Showtime mit Sinatra

Beschwingt, humorvoll und auf höchstem Niveau präsentierte sichdie Stadtkapelle Kulmbach in der Dr.-Stammberger-Halle.
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Showtime bei der Stadtkapelle: Elke Höhn und Thomas Besand sangen zusammen den Sinatra-Hit "They can´t take that away from me".  Foto: Stephan Herbert Fuchs
Showtime bei der Stadtkapelle: Elke Höhn und Thomas Besand sangen zusammen den Sinatra-Hit "They can´t take that away from me". Foto: Stephan Herbert Fuchs
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Das Schönste am Jahreswechsel sind die Neujahrskonzerte. Für die Stadtkapelle Kulmbach unter ihrem langjährigen Dirigenten Thomas Besand ist es eine liebgewonnene Tradition, das neue Jahr musikalisch zu begrüßen und nicht nur Blasmusikfreunde aus nah und fern sorgen seit Jahrzehnten für eine ausverkaufte Stadthalle.

Diesmal präsentierten die gut 40 Musiker zwischen 17 und 70 Jahren einen Parforceritt durch sämtliche musikalische Stilrichtungen, von klassisch bis populär, von ernst bis heiter, es gibt bekanntes und unbekanntes, aber alles stets anspruchsvoll und auf höchstem Niveau. Ein Konzert, in dem ein Höhepunkt dem nächsten jagt, und das bereits zum 29. Mal unter der Leitung des wie immer auswendig dirigierenden Thomas Besand (53).

Untrennbar zu den Neujahrskonzerten dazu gehört die sachkundige, humorvolle und sympathische Moderation von Karl Heinrich Backert. Er sorgt damit zudem für die notwendigen Verschnaufpausen für alle Musiker zwischen den Stücken.

Was das Publikum bei Neujahrskonzerten geradezu erwartet, sind außergewöhnliche Einlagen, besondere Einfälle und herausragende musikalische Darbietungen. Beispielsweise wenn Elke Höhn und Thomas Besand zusammen den Sinatra-Hit "They can't take that away from me" aus der Feder von George Gershwin absolut gekonnt interpretieren. Oder wenn der Dirigent nicht nur zum Bandleader, sondern gleich zum fabelhaften Solisten wird und Sinatras "New York, New York" singt. Elke Höhn überzeugte schon im ersten Teil als Sopranistin in dem bekannten Filmtitel "Gabriellas Song" und zwar nicht nur auf Deutsch gesungen, sondern sogar auf Schwedisch.

Keinesfalls fehlen darf das Witzige. Wenn etwa die beiden Spitzenklassetrompeter Daniel Richter und Maximilian Schaller in riesigen Sombreros auf den Köpfen und vor einem Plastikkaktus das Solo "Zwei Mexikaner in Böhmen" von Mark Sven interpretieren, dann haben sie die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite. Absolut exakt spielen die beiden auf, routiniert und einfach professionell.

Natürlich gehören zum Neujahrskonzert die Klassiker. Diesmal hatte Dirigent Besand wieder einmal die Ouvertüre zur Operette "Banditenstreiche" von Franz von Suppe ins Programm genommen. Komplett neu einstudiert, mit neuen Übergängen und mit großem Engagement musiziert. Kein Neujahrskonzert ohne Johann Strauß. Mit seiner bekannten, beliebten und rasch ins Ohr gehenden Schnellpolka "Leichtes Blut" gab es ein populäres Werk des Komponisten, das die Stadtkapelle zum ersten Mal aufgelegt hatte. Auch der Tango "Ole Guapa" von Arie Malando, ebenfalls eine Premiere beim Neujahrskonzert, gehört in die Kategorie und die technisch nicht ganz einfache Polka "Von Freund zu Freund" vom Tiroler Viera-Blech-Bandleader Martin Scharnagl mit Wolfgang Diem am Flügelhorn und Werner Kurzhals am Tenorhorn. In der Hitliste ganz oben stehen die Brahms-Klassiker schlechthin: seine ungarischen Tänze Nummer 5 und 6, komplett neu einstudiert mit allen Raffinessen, Verzögerungen und Beschleunigungen und einfach perfekt gespielt.

Was wäre ein Blasmusikkonzert ohne die für diesen Klangkörper so typischen Marschkompositionen. Natürlich sitzen sie bei der Stadtkapelle: Julius Fuciks furioser Triumphmarsch "Salve Imperator", Lukas Bruckmeyers Konzertmarsch "In Vita Optimum" sowie die beiden Märsche "Heil Europa" von Franz von Plon und der unverwüstliche Blasmusikhit "Hoch Heidecksburg" von Rudolf Herzer.

So richtig zeigen können die Musiker, was sie drauf haben in zwei modernen Kompositionen: "Schmelzende Riesen" heißt das imposante Werk des Südtiroler Komponisten Armin Kofler, das vor allem durch seine Lautmalereien ein wenig an die Alpensinfonie von Richard Strauss erinnert. Die Komposition hat durchaus etwas Zeitgeist in sich, weist sie doch auf die schmelzenden Gletscher und damit auf den Klimawandel hin.

Für wahre Begeisterungsstürme sorgten schließlich die Highlights aus der spektakulären Tanzshow "Lord oft he dance" von Michae Flatley, komponiert von Ronan Hardiman. Nicht nur vom raschen Tempo her musiziert die Stadtkapelle nah am Original, wobei auch hier das bestens aufgelegte Schlagwerk sehr gefragt ist und die komplizierten Rhythmen ohne Schwierigkeiten meistert. Zwei Zugaben legte Besand seinen Musikern auf die Pulte: die "Alten Kameraden" und, wie beim großen Neujahrskonzert in Wien, den Radetzky-Marsch.

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