Kulmbach
Interview

Schweigemarsch in Kulmbach gegen Rechts geplant

Nach Chemnitz: Matthias Hahn ruft zu Schweigemarsch gegen Hass, Hetze und Hitlergruß auf. Dabei ist aber nicht jeder erwünscht.
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Gegen Hass, Hetze und Hitlergruß: Matthias Hahn - hier bei einer DGB-Demonstration in Nürnberg - ruft zu einem Schweigemarsch am Montag in Kulmbach auf. Foto: privat
Gegen Hass, Hetze und Hitlergruß: Matthias Hahn - hier bei einer DGB-Demonstration in Nürnberg - ruft zu einem Schweigemarsch am Montag in Kulmbach auf. Foto: privat

Die Ereignisse von Chemnitz beherrschen die Debatte in Deutschland. Nachdem beim dortigen Stadtfest ein Mann erstochen worden war - tatverdächtig sind drei Migranten - , herrschte Aufruhr in der Stadt. Rechte Gruppierungen und Parteien instrumentalisierten den Toten für ihre Ziele. Es gab Gewalt auf den Straßen - gegen unschuldige Menschen mit ausländischem Aussehen, Journalisten oder SPD-Mitglieder.

Für Matthias Hahn der Anlass, um etwas zu tun. "Ich bin schon immer gegen Rechts", sagt der 52-Jährige, der auch bei keiner Demo in Schwarzach gegen die NPD-Sommerfeste fehlte. Er will in Kulmbach ein Zeichen setzen gegen Hass, Hetze und Hitlergruß. Deshalb ruft er zu einem Schweigemarsch für Demokratie und Toleranz auf. Treffpunkt ist am Montag um 18.30 Uhr in der Fritz-Hornschuch-Straße/Ecke Kressenstein. Wir haben mit dem SPD- und Gewerkschaftsmitglied gesprochen.

Warum ist es nach den Ereignisse von Chemnitz notwendig, dass man in Kulmbach auf die Straße geht?

Matthias Hahn: Weil der braune Mob wieder - siehe Chemnitz - ungeniert durch die Straßen läuft. Und weil die Hemmschwelle gefallen ist, Gewalt auszuüben gegen ausländische Mitbürger oder Journalisten. Aus meiner Sicht ist die Entwicklung so brisant, dass die Demokratie gefährdet

ist.

Welches Zeichen wollen Sie mit Ihrem Schweigemarsch setzen?

Wir gehen für Demokratie und Toleranz auf die Straße. Es soll ein Zeichen sein gegen den Hass, die Hetze und die Menschenfeindlichkeit der AfD und der anderen Rechten. Weil auf beiden Seiten die Stimmung so aufgeheizt ist, soll es bewusst ein Schweigemarsch sein. Geschrien und gehetzt wird zurzeit genug, da machen wir nicht mit.

Am Schluss werden Sie in der Oberen Stadt Kerzen anzünden ...

Ja, wir wollen uns mit der türkischen Gemeinde solidarisieren. Sie brauchen unsere Solidarität, weil von den Rechten alle - ausländische Mitbürger, Flüchtlinge und Migranten - in einen Topf geschmissen und diffamiert werden.

Treten Sie als privater Veranstalter auf oder werden Sie von Kirchen, Gewerkschaften, Parteien oder anderen Organisationen unterstützt?

Nein, ich bin privater Veranstalter. Aber alle demokratischen politischen Parteien haben ihre Teilnahme zugesagt. Ich hoffe, dass ein buntes Bündnis zustandekommt - auch mit Kirchen, Gewerkschaften und allen Menschen, die an Menschlichkeit in unserem Land

interessiert sind.

Gibt es Auflagen von Landratsamt oder Polizei für den Schweigemarsch?

Nein, keine besonderen. Die Standardvorschriften sind immer einzuhalten. Wir haben ja auch keine Reden oder Kundgebung geplant, sondern wollen still gegen Hass und Hetze protestieren.

Darf jeder an der Demonstration teilnehmen?

Jeder aufrechte Demokrat und friedliebende Bürger ist willkommen. Nicht erwünscht sind dagegen Mitglieder der AfD, der NPD und andere rechter Gruppierungen. Denn sie sind es, die den Unfrieden ins Land bringen. Leute, die in Chemnitz Seit an Seit mit Pegida, Neonazis und Hooligans marschiert sind, haben bei meiner Demonstration nichts zu suchen.



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