Kulmbach
Jagd

Schwarzwild verursacht im Landkreis Kulmbach hohe Schäden

Die Schäden durch Schwarzwild im Kreis Kulmbach werden einer aktuellen Erhebung zufolge auf weit über 300 000 Euro beziffert.
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Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV, Burkhard Hartmann (links). bedankte sich beim neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach, Michael Schmidt, für die Vorstellung des Verbissgutachtens. Foto: Stephan Herbert Fuchs
Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im BBV, Burkhard Hartmann (links). bedankte sich beim neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach, Michael Schmidt, für die Vorstellung des Verbissgutachtens. Foto: Stephan Herbert Fuchs

Diese Zahl hat Burkhard Hartmann aus Lindau, Kreisvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bauernverband, genannt. Bei der Jahresversammlung sprach er von exakt 1753 Wildschweinen, die im Jagdjahr 2017/2018 erlegt worden seien. Das sei fast ein Drittel mehr als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

Jagdschutzgesetz geändert

Der Großteil der Schäden sei dabei nicht beglichen worden. Nur gut 41 000 Euro seien amtlich bestätigt, das heißt durch einen Gutachter festgestellt worden. Schäden von rund 76 000 seien durch eine gütliche Einigung zwischen Jäger und Landwirt beglichen worden. Auf den restlichen Schäden seien die Bauern sitzengeblieben.

Der Vorsitzende begrüßte die vor knapp eine Jahr in Kraft getretene Änderung des Jagdschutzgesetzes, nach der Schwarzwild ganzjährig bejagt werden darf. Lediglich führende Bachen seien zu schonen.

Schweinpest kommt näher

Hintergrund für die Gesetzesänderung sei das massive Auftreten der afrikanischen Schweinepest in einigen europäischen Ländern gewesen. Nach dem aktuellen Vorkommen in Belgien gingen Fachleute mittlerweile davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch in Deutschland der erste Fall auftritt.

Trotz der Gesetzesänderung sei allerdings eine Trendwende bei der massiven Zunahme von Wildschweinen noch nicht in Sicht, so der Experte.

In Mittelpunkt der Jahresversammlung stand die Vorstellung des forstlichen Gutachtens zur Situation der Waldverjüngung im Landkreis durch Michael Schmidt, den neuen Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft in Kulmbach. Dieses sogenannte Wildverbissgutachten wird alle drei Jahre mit großem Aufwand neu erstellt, um einen Abschussplan festzulegen und die Situation der Waldverjüngung zu erfassen. Im Landkreis Kulmbach wurden dazu 226 Verjüngungsflächen mit über 17 000 Pflanzen genauer unter die Lupe genommen.

Wald ist auf einem guten Weg

Als ein Ergebnis hielt Schmidt fest, dass sich der Wald im Landkreis ähnlich wie in ganz Bayern auf einem guten Weg hin zu stabilen Mischkulturen befindet. "Wir können zuversichtlich in die Zukunft blicken, wenn die Abschusszahlen weiterhin so eingehalten werden", sagte er.

Dennoch gibt es auch im Landkreis einige Probleme. In den beiden Hegegemeinschaften Roter Main und Trebgast hatte sich die Verbisssituation derart verschlechtert, dass die Abschussempfehlung nach oben geschraubt werden musste. Besonders in den 18 Revieren der Hegegemeinschaft Roter Main hätten die Pflanzen mit Verbissschäden den höchsten Wert im Landkreis. Schmidt gab zu bedenken, dass bei einem Verbisswert von 50 Prozent jede Pflanze binnen drei Jahren theoretisch einmal angeknabbert wird.

Bürokratiemonster Datenschutz

Neben der Schwarzwildproblematik und dem Verbissgutachten beschäftigt die Jagdgenossenschaften derzeit auch das Bürokratiemonster Datenschutzgrundverordnung. Obwohl für Facebook, Google oder Amazon gedacht, müssten sich auch die Jagdgenossenschaften damit herumschlagen, so Harald Köppel, BBV-Geschäftsführer für Bayreuth, Kulmbach und Kronach.

Entwarnung konnte er zumindest in einem Punkt geben: Da die Jagdgenossenschaften in der Regel zur Führung eines Jagdkatasters verpflichtet sind, ist keine extra Einwilligung für die vertraglich erfasste Datenverarbeitung erforderlich. Allerdings müssten alle Jagdgenossenschaften künftig einen Datenschutzbeauftragten benennen, der nicht dem engeren Vorstand angehören dürfe. Da werde es schwierig, jemanden für dieses Amt zu finden, zumal einige Genossenschaften schon Schwierigkeiten hätten, überhaupt den Vorstandsposten zu besetzen.

Köppel riet allen Beteiligten, das Thema Datenschutzgrundverordnung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Allerdings werde wohl nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Beim Verband gebe es Mustervorlagen. Köppel: "Lediglich der Papierkrieg wird bei der ganzen Geschichte immer mehr."



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