Schwarzach bei Kulmbach
Strahlung

Schwarzach: Mobilfunk-Kritik reißt nicht ab

Im Mainleuser Ortsteil rumort es nach den Protesten gegen den Handymast weiter. Einwohner kritisierten die Informationspolitik der Gemeinde.
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WLAN, Handystrahlung, Funkmasten, Hotspots: In Schwarzach brodelt es weiter. Foto: Inga Kjer, dpa
WLAN, Handystrahlung, Funkmasten, Hotspots: In Schwarzach brodelt es weiter. Foto: Inga Kjer, dpa

Der Anfang der Schwarzacher Bürgerversammlung war ein wenig wie das Schleichen der Katze um den heißen Brei. Es wurden erst relativ normale Themen angesprochen wie in vielen anderen Dörfern auch: ein verstopfter Bach, Müllablagerungen hinter der Mehrzweckhalle, selten geleerte Altkleidercontainer, der schmale Fußweg im Ort entlang des Zentbachs. Bis dann am Donnerstagabend im "Oberen Wirt" das Thema Mobilfunk aufkam.

Seit die Telekom mitten im Ort einen Mobilfunkmast aufstellen wollte und damit einen Proteststurm ausgelöst hatte, sind viele Schwarzacher auf der Hut und beobachten äußerst aufmerksam, was sich im Markt tut.

So wie Marco Oettinghaus. Er eröffnete die Debatte mit einer Kritik an der Ankündigung der jüngsten Gemeinderatssitzung. Denn unter dem Tagesordnungspunkt Bauanträge sei ein Antrag auf Aufstellung eines Funkmasts bei Eichberg versteckt gewesen. "Nach der Geschichte in Schwarzach sollte die Sensibilität da sein, das als separaten Punkt auszuweisen." Dann wäre wohl auch in der Sitzung am Montag mehr los gewesen.

Hier räumte Bürgermeister Bosch (CSU) fehlendes Fingerspitzengefühl ein. Allerdings sei es für ihn ein Unterschied, ob ein kommerzieller Mobilfunkbetreiber einen Mast errichten wolle oder Freistaat, der damit die Kommunikation der Rettungskräfte sicherstellen will. "Hier geht es um die Sicherheit der Bevölkerung."

Er erklärte auch, dass aus Gründen der Flexibilität die Bauanträge nicht einzeln aufgeführt werden: "Sonst müssten sie zwei Wochen vor der Sitzung eingereicht sein. Manchmal kommen welche aber erst einen Tag vor der Sitzung."

Für Oettinghaus ist es zudem nicht nachvollziehbar, dass die Gemeinde sogenannte Hotspots zum Internetsurfen an zentralen Stellen in den Dörfern installieren will. "Was wäre denn so schlimm, wenn es weiße Funkflecken gibt?"

Für den Bürgermeister ist das kein Argument: "Das mobile Internet hat sich durchgesetzt." Allerdings werde der Markt nirgendwo Hotspots gegen den Willen der Bevölkerung einrichten. Gemeinderat Sebastian Türk (CSU) ergänzte, dass Firmen auf das mobile Telefonnetz angewiesen sind. "Man muss erreichbar sein. Da hängen Jobs dran."

Nach Ansicht von Wolfgang Pöpperl geht es in der ganzen Diskussion um eine ideologische Frage. "Wir haben seit 30 Jahren Handys, und die Leute werden immer älter." Er schenke den kritischen Studien zum Mobilfunk wenig Glauben.

Das wiederum rief Kurt Sack auf den Plan: "Die Leute werden älter, aber werden sie gesund älter?", entgegnete er.

Zweifel an der Unbedenklichkeit der Mobilfunktechnik äußerte auch Alexander Kaiser. "Alle gepulsten Wellen erzeugen Stress und schädigen den Körper", sagte er. Kaiser verwies auf die Weltgesundheitsorganisation, die den Mobilfunk als möglicherweise krebserregend einstufe. Er forderte eine gründliche Aufklärung der Verbraucher.

Als ein Beispiel von früheren Fehleinschätzungen der Politik nannte er den Einsatz von Glyphosat, der einst befürwortet wurde und jetzt in der Kritik stehe. Da stimmte ihm Kurt Sack zu: "Wie oft wurde schon zurückgerudert."

"Wir werden die Entwicklung nicht aufhalten. Das ist die Zukunft, unsere Kinder wachsen mit der Technik auf", meinte dagegen Björn Valita.

Michael Passing erklärte, als Wasserwart müsse er bei Schäden ständig erreichbar sein. "Und wie würde das ohne Handy gehen?", fragte er. Außerdem störte ihn nach über zwei Stunden Diskussion: "Ist das eine Bürgerversammlung - oder wird hier nur übers Handy geredet?"

Die Debatte bezeichnete Bürgermeister Bosch als "guten Vorgeschmack" auf den 16. Juli. An diesem Tag findet um 19 Uhr im "Fränkischen Hof" in Mainleus ein öffentliches Treffen mit der Schwarzacher Initiative Mobilfunk statt.

Kritik gab es auch an Ortssprecherin Bettina Seliger. "Sie macht sich sehr rar und war auch bei der Funkturmdebatte nicht gesehen", bemängelte VdK-Vorsitzender Dieter Seuß. Doch das ließ Bürgermeister Bosch nicht gelten: "Bei der Funkmast-Diskussion stand sie in regem Austausch mit mir und hat sich für die Anliegen der Schwarzacher eingesetzt."

"Hier stehe ich Rede und Antwort"

Sollte es Probleme geben, bat er darum, das Gespräch mit Bettina Seliger zu suchen. Dazu sei die Bürgerversammlung aber nicht der richtige Ort. "Hier stehe ich Rede und Antwort", so Bosch.

Dieter Seuß forderte zudem, die Protokolle der Gemeinderatssitzungen auf der Homepage des Marktes zu veröffentlichen.

Robert Bosch erklärte, dass die Protokolle im Rathaus eingesehen werden können. Noch besser wäre es, wenn Interessenten die Sitzung besuchen würden. Das sah Wolfgang Meißinger anders: "Es ist bürgerliches Recht, zu wissen, was besprochen wird. Extra dafür ins Rathaus zu müssen, ist eine zu große Hürde."

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