Neuenmarkt
Verkehr

Schulweghelfer passen auf und spenden Trost

Jeden Morgen leisten Männer und Frauen wertvolle Hilfe, damit Kinder sicher zur Schule kommen. "Es sind so viele wie noch nie", freut sich die Polizei.
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Die Schulweghelfer achten auch darauf, dass es beim Einsteigen in den Schulbus geordnet zugeht.Jürgen Gärtner
Die Schulweghelfer achten auch darauf, dass es beim Einsteigen in den Schulbus geordnet zugeht.Jürgen Gärtner
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Mit ihren 37 Jahren gehört Ivonne Popp noch zu den Youngstern unter den Schulweghelfern aus Hegnabrunn. Als ihre Tochter Lena in die erste Klasse kam, hat man sie zu dem ehrenamtlichen Dienst überredet. "Ich habe mich von den Alten anwerben lassen. Normalerweise bin ich einmal pro Woche dran - wenn ich mal frei habe, lasse ich mich auch mal öfters einteilen", sagt sie.

Ivonne Popp ist Krankenschwester. Aber für sie ist die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf keine große Sache.

In Hegnabrunn und See gibt es aktuell zehn Schulweghelfer. Auch Frauen, die schon lange keine kleinen Kinder mehr haben, leisten allmorgendlich ihren Dienst. "Mein Sohn ist schon seit fünf Jahren in der Realschule. Er macht dieses Jahr seinen Abschluss, trotzdem bin ich in Neuenmarkt noch dabei", lacht Martina Pietsch (46). Sie steht immer montags und donnerstags an der Bushaltestelle und schaut nach dem Rechten.


Keine große Sache


Fast immer ist Sandra Lehnert (45) dabei. "Wir dürfen ja keine Autos anhalten. Aber wir können schauen, dass die Kinder nicht auf die Straße rennen. Das passiert auch bei den Älteren", kennt Pietsch das Dilemma.

"Schulweghelfer kann eigentlich jeder werden. Das ist keine große Sache - man bekommt eine Einweisung von der Polizei. Und je mehr Schulweghelfer es gibt, desto weniger steht man selbst auf der Straße", sagt Pietsch. Sie ist übrigens keine Hausfrau. Auch sie schafft es spielend, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen.

Einhellig erzählen die drei Schulweghelferinnen, dass sie nicht nur aufpassen, dass die Kinder ordnungsgemäß in den Bus steigen. Sie trösten auch so manchen Schüler, hören sich Kummer und Sorgen an. "Die Kinder verlassen sich auf uns. Einmal ist meine Tochter wieder nach Hause gekommen, weil kein Helfer da war. Sie wäre fast zu spät in die Schule gekommen", erzählt Ivonne Popp.


Polizei hilft und bildet aus


Unterstützt werden die Schulweghelfer von Ralf Maisel, Beamter der Polizeiinspektion Stadtsteinach. "Mein Vorgänger Hermann Dörfler hat mit drei oder vier Schulweghelfern angefangen. Inzwischen gibt es im östlichen Landkreis, für den ich zuständig bin, 138. Die meisten, etwa 70 Prozent , sind Frauen", so Maisel. Oft stünden auch Omas und Opas an der Straße und schauten nach dem Rechten. "Die Situation in Hegnabrunn ist vorbildlich", sagt Maisel.

Die Helfer koordinieren ihre Dienste über Whatsapp. Wenn einer verhindert ist, wird der nächste verpflichtet. Meistens üben sie zu zweit ihre Dienste aus. In Neuenmarkt führt der Schulweg über den Oberen Anger. "Eigentlich queren die wenigsten Kinder die Hauptverkehrsstraße beim Edeka-Markt, höchstens die älteren, die sich noch schnell beim Bäcker etwas kaufen", kennt Maisel jede Stelle. Auch wenn es in Neuenmarkt selbst aktuell keine Schulweghelfer gebe, sei die Situation deshalb nicht gefährlich.

Komplizierter und unübersichtlicher ist die Situation schon am Wendeplatz. Denn allzu oft nutzen ihn Eltern, um ihre Kinder aus dem Auto aussteigen zu lassen. Der Polizist hat dies bereits angeprangert und den nahegelegenen Parkplatz vor einem Computergeschäft als Ein- und Aussteigplatz vorgeschlagen. Immer mehr Eltern beherzigen inzwischen den Ratschlag.


Meist freiwillig


Aktuell gibt es Schulweghelfer in Ködnitz, Fölschnitz, Kauerndorf, Ebersbach, Trebgast, Harsdorf, Triebenreuth und Rugendorf. "In Rugendorf haben wir neuerdings Schulbusbegleiter, weil die Kinder zweimal pro Woche nach Stadtsteinach müssen", erklärt Maisel. "In Rugendorf machen 18 Eltern mit - da kommt jeder nur einmal in sechs Monaten dran. Das ist wirklich ein hoher Anteil", so der Polizist. Auch in Himmelkron und Lanzendorf, in Marktschorgast, Marktleugast, Neuensorg, Hohenberg, Tannenwirtshaus, Draindorf, Marienweiher und Presseck engagierten sich viele Menschen ehrenamtlich.

"Wir haben aber auch Gemeinden, in denen es keine Schulweghelfer gibt. Manche Kommunen leisten sich bezahlte Schulbusbegleiter", sagt Ralf Maisel.

Der Polizist übernimmt die Einweisung der Schulweghelfer, klärt über Rechte und Pflichten auf. Natürlich werden sie mit Warnwesten ausgestattet. Und einmal im Jahr gibt es ein Dankeschön-Essen - meistens gegen Ende des Schuljahres.

Übrigens: Wer Interesse daran hat, Schulweghelfer zu werden, kann sich an den Schulen oder bei der Polizei melden.
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