Mainleus

Schulschließung Mainroth erwischt Mainleus eiskalt

In der vergangenen Woche hat der Burgkunstadter Stadtrat das Aus der Grundschule Mainroth besiegelt. Das Aus der Mainrother Einrichtung stellt die Gemeinde Mainleus jetzt vor eine unerwartete Situation.
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Die Eltern und Kinder, die für den Erhalt des Schulstandorts in Mainroth kämpften, hatten vor dem Burgkunstadter Rathaus demonstriert - vergeblich. Foto: Gerda Völk
Die Eltern und Kinder, die für den Erhalt des Schulstandorts in Mainroth kämpften, hatten vor dem Burgkunstadter Rathaus demonstriert - vergeblich. Foto: Gerda Völk
Die Gemeinde Mainleus hat von der Entscheidung ihrer Nachbarn erst aus der Presse erfahren: "Wir waren sehr überrascht", erklärte Dritter Bürgermeister Jürgen Karg (SPD) zu dem Entschluss des Burgkunstadter Stadtrats, die Mainrother Grundschule zu schließen.

Überrascht nicht nur von der Entscheidung, sondern auch vom Zeitpunkt, an dem sie gefällt worden ist. Denn das Burgkunstadter Gremium beriet erst in der vergangenen Woche über das Schicksal der Einrichtung.

Alle im Urlaub

"Es wäre besser gewesen, wenn das im Mai oder Juni passiert wäre. Dann hätte man besser reagieren können", betont Karg. Denn derzeit seien Rektorin Doris Hörath und Bürgermeister Dieter Adam im Urlaub. "Jetzt müssen wir mit dem organisatorischen Ablauf und der Klasseneinteilung abwarten, bis die Schulleitung wieder da ist", sagt er mit Blick auf den Kalender.
Denn in wenigen Wochen, am 16. September, sind die Ferien zu Ende.

Acht Kinder aus dem Gemeindebereich trifft die Schulschließung, weiß Jürgen Karg. Für drei von ihnen sei bereits erfolgreich ein Gastschulantrag für Mainleus gestellt worden. Ein Info-Gespräch mit den Eltern ist Karg zufolge geplant, in der kommenden Woche sollen die Einladungen verschickt werden.

Auch an die Regierung von Oberfranken habe man schon geschrieben, berichtet Karg, der über den Inhalt des Schreibens aber keine Auskunft geben mag. "Der Brief befindet sich noch auf dem Weg, da will ich nicht vorgreifen."

Bei den Eltern, deren Kinder die Schule in Mainroth besucht haben, herrscht nach den jüngsten Entwicklungen Unsicherheit, erklärt Romina Eichner, zuständig für Schulangelegenheiten in der Mainleuser Verwaltung. "Hier ist zu kurzfristig entschieden worden. Die Eltern wissen jetzt nicht, wo ihr Kind in ein paar Wochen zur Schule geht." Sie kann auch das Vorgehen des Burgkunstadter Stadtrats nicht nachvollziehen. "Die ganze Zeit hat man geschaut, dass der Standort erhalten werden kann. Jetzt wird er kurzfristig aufgrund der finanziellen Lage geschlossen. Die ist aber schon länger bekannt."

Auch für Schulrat Mario Schmidt vom staatlichen Schulamt Kulmbach kam die Nachricht von der Schließung "in der Schnelligkeit doch etwas überraschend, nachdem jahrelang darüber diskutiert wurde".

Kein Mitspracherecht

Das staatliche Schulamt Kulmbach habe kein Mitspracherecht bei der Schule Mainroth, die sich auf Lichtenfelser Landkreisgebiet befindet, stellt Schmidt klar. Wie sich der Schulsprengel künftig gestaltet ("In der Regel entspricht das Gemeindegebiet dem Schulsprengel"), müsse mit der Regierung geklärt werden. "Das ist eine Grundsatzentscheidung."

Der Einzugsbereich der Mainrother Schule umfasst auf Mainleuser Seite bisher Rothwind, Fassoldshof, Schwarzholz und Eichberg. Bis der Sprengel geändert ist, müssen Eltern aus diesem Bereich, die wollen, dass ihre Kinder die Mainleuser Schule besuchen, einen Gastschulantrag in der Gemeindeverwaltung Mainleus stellen.

Der Standort Mainroth ist seit vielen Jahren ein Politikum. Dem Markt Mainleus war der Schulsprengel, der noch aus der Gebietsreform in den siebziger Jahren resultiert, schon lange ein Dorn im Auge. 2006 hatte Mainleus vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth sogar auf eine Änderung des Schulsprengels geklagt, weil die Grund- und Hauptschule Mainleus damals freie Plätze hatte und sich der Markt die rund 40 000 Euro für Gastschulbeiträge und Schülerbeförderung sparen wollte. Die Gemeinde verlor den Prozess.

Ebenfalls vor Gericht abgeblitzt waren vier Jahre später Mainleuser Eltern, die ihre Kinder wegen der gebundenen Ganztagsklasse lieber an der Volksschule Mainleus einschulen wollten statt an der Mainrother Sprengelschule.

Das sagt die Burgkunstadter Bürgermeisterin


In der vergangenen Woche hat der Burgkunstadter Stadtrat das Aus der Grundschule Mainroth besiegelt. Hintergrund war ein Antrag der Freien Wähler, die auf die knappen Kassen der Stadt verwiesen. Ab Herbst muss damit auch die letzte Klasse aus Mainroth nach Burgkunstadt umziehen.

Nach Angabe der Burgkunstadter Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) geht dem FW-Antrag die Entscheidung der Burgkunstadter Schulleitung voraus, die kommenden Mainrother Erstklässler in Burgkunstadt einzuschulen. "Damit hätte es nur noch eine Klasse in Mainroth gegeben." Das sei immer anders geplant gewesen. "Deshalb konnte der Antrag der Freien Wähler und der Beschluss über die Schulschließung nicht eher erfolgen."

Die Regierung ist jetzt gefragt

Die Bürgermeisterin geht davon aus, dass nun wohl der Schulsprengel geändert werden muss. Da sei die Regierung gefragt. Es sei inzwischen die Tendenz zu erkennen, dass "Kinder nach Mainleus geschickt werden".

Eine Mutter habe ihr vorgeworfen, ihr Wahlversprechen nicht eingehalten zu haben, sich für den Erhalt des Schulstandorts einzusetzen. Doch dass die erste Klasse nun in Burgkunstadt eingeschult werde, sei eine fundamentale Änderung der Voraussetzungen. "Es gibt Eltern, die wollen die Fakten nicht sehen."

Zudem verweist Christine Frieß darauf, dass es nur eine Lehrkraft in Mainroth gegeben habe, die durch Pausen-, Früh- und Busaufsicht überdurchschnittlich belastet sei und dennoch einen sicheren Schulbetrieb gewährleisten musste.

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