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Kulmbach
Streit

Schuhgeschäft Sesselmann in Kulmbach "säuft" regelrecht ab

Eine jahrelange Diskussion gibt es zwischen dem Inhaber des Schuhhauses Sesselmann und der Stadt Kulmbach. Grund: Wassereinbrüche in Sesselmanns Anwesen.
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Das Schuhhaus Sesselmann hat oft reduzierte Preise. Der Grund: Seit der Sanierung der Tiefgarage dringt Wasser ins Innere des Gebäudes ein, das Kellergeschoss ist quasi nicht mehr nutzbar. Sonny Adam
Das Schuhhaus Sesselmann hat oft reduzierte Preise. Der Grund: Seit der Sanierung der Tiefgarage dringt Wasser ins Innere des Gebäudes ein, das Kellergeschoss ist quasi nicht mehr nutzbar. Sonny Adam
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Manfred Sesselmann ist ein Parade-Unternehmer: ein Mann, der Zeit seines Lebens immer die Ärmel hochgekrempelt hat. Orthopädieschuhe statt Urlaub.

Inzwischen aber liegen die Nerven des heute 78-Jährigen und die seiner Frau blank. Schuld ist sein Geschäftshaus in Kulmbachs schöner Mitte, direkt am Eku-Platz, das seit Jahren mit Wassereintritt zu kämpfen hat.

In den Zeiten, als der damalige Zentralparkplatz noch nicht saniert war, schoss immer wieder Wasser ins Geschäft. "Die Platzentwässerung hat damals nicht mehr einwandfrei funktioniert, so dass wir als Stadt auch in der Verantwortung standen. Wir haben deshalb unsere Versicherung um Regulierung gebeten", bestätigt Simon Ries von der Stadt Kulmbach.

Doch Sesselmann wollte seinerzeit nicht vorschnell sanieren. "Nur ein Idiot hätte saniert. Ich wusste ja, dass beim nächsten stärkeren Regen wieder Wasser kommen würde", sagte Sesselmann. "Oft war die Feuerwehr im Einsatz", erzählt Sesselmann. Außerdem habe er sich eine eigene Pumpe angeschafft, um das Schlimmste zu verhindern.

Der Ladeninhaber schwieg in der Öffentlichkeit, wollte kein Aufhebens. Er stand in regem Kontakt mit Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) und der Stadtverwaltung. Er sagt, er habe sich immer wieder vertrösten lassen - mit Blick auf die Sanierung. Nun sind die Ansprüche jetzt offiziell verjährt. "Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Hier ist jetzt eine Klage anhängig", sagt Sesselmann und bricht damit zum ersten Mal sein Schweigen.

Nach der millionenteueren Sanierung des Eku-Platzes sei alles noch schlimmer geworden, klagt er. Immer wieder sei Wasser durch das Mauerwerk eingedrungen. Sesselmann sieht die Ursache in einem Abluftschacht zur Tiefgarage und in den Bauarbeiten.

Die Stadt Kulmbach betont, dass "das Anwesen Sesselmann um einen Entlüftungsschacht der Tiefgarage herumgebaut worden war". Zahlreiche Schreiben, unterstreicht der Geschäftsmann, belegten das Gegenteil. Der Schacht sei in den Plänen anders angelegt gewesen. Dies sei wegen möglicher Schallübertragung aber nicht zulässig gewesen.

So wurde der Schacht L-förmig gebaut. Schon 1980 zweifelte der Architekt der Familie Sesselmann, dass der Schacht gas- und wasserdicht gebaut werde. Dann gab es Dissonanzen wegen der Kosten. Schließlich übernahm die Städtebau die Kosten des gesamten Fundaments und der Kellerwand, auch die Kosten für die gesamte Länge des waagrechten Zugluftschachts.

"Inwiefern die Stadt Kulmbach an dieser zum Zeitpunkt des Bau des Zentralparkplatzes und beinahe gleichzeitig damit gebauten Gebäude des Herrn Sesselmann geschaffenen Sachlage ein Verschulden trifft bzw. die Stadt Kulmbach hierfür in Haftung genommen werden könnte, konnte aufgrund der Aktenlage und mehrerer eingeholter Gutachten bisher nicht eindeutig geklärt werden", kommentiert Simon Ries von der Stadt die Sachlage.

Die Stadt Kulmbach hat der Familie Sesselmann jetzt angeboten, die Hälfte der Kosten des vom Gutachter geratenen Sanierungsvorschlags zu begleichen.

Sesselmann betont, dass sich die Situation deshalb so verschärft habe, weil "der feste schwarze Sand vom Steinbruch ausgebaggert und mit Kies und Schotter aufgefüllt worden ist. Dadurch fließt das Wasser schneller und vor allem mehr bis zur Rückseite an der Webergasse. Hier ist das Wasser durch lauter Mauern eingekesselt und steigt schnell an. Es ist dann logisch, dass es durch undichte Wände den Ablauf findet", so Sesselmann.

Dem allerdings kann Alois Dechant, dessen Bauunternehmen den Eku-Platz saniert hat, nicht folgen. "Das Problem sind die Wände. Wenn sie nicht dicht sind, dann kommt Wasser durch", kommentiert er.

"Um eine kostenintensiven Rechtsstreit zu vermeiden und die Sache gütlich zu beenden, hat die Stadt Kulmbach der Familie Sesselmann jetzt auf deren mit knapp 120.000 Euro bezifferten Forderung mittlerweile nach Rücksprache mit dem zuständigen Haftpflichtversicherer angeboten, den vom Gutachter bezifferten, vollständigen Sachschaden in Höhe von rund 30.000 Euro, wie von der Familie Sesselmann ursprünglich gefordert, zu bezahlen sowie sich hälftig an den Kosten der Beseitigung der Schadensursache, mithin mit 21.000 Euro, zu beteiligen. Eine Antwort hierzu steht seitens der Familie Sesselmann bzw. deren neuem rechtlichem Vertreter noch aus", so Ries.

Die Familie Sesselmann ist von der Höhe der Summe geschockt. Denn der tatsächliche Schaden sei viel höher, so Sesselmann. "Der Estrich, die Heizung, die Elektrik, die Fußböden und die Ausstattung des Ladens müssten erneuert werden", sagt der Geschäftsinhaber. Ob er dem Angebot der Stadt nachkommt oder ob noch nachverhandelt wird, möchte der 78-Jährige nicht kommentieren.

Seitens des Landratsamtes als Überwachungsbehörde kann der Kulmbacher Geschäftsmann jedenfalls nicht mit Schützenhilfe rechnen. "Nach unserer Einschätzung der Sachlage handelt es sich hier nicht um eine öffentlich-rechtliche, sondern um eine Frage, die im Privatrecht geklärt werden muss", kommentierte der Pressesprecher David Buchwald den Vorgang.

Inzwischen sind zwei Anwälte - ein Anwalt für das alte Oberflächenwasser, ein Anwalt für das neue Wasserproblem - und mehrere Gutachter mit der Angelegenheit befasst.

Übrigens hat auch Sesselmanns Nachbar Probleme: Das Regenwasser, das auf dem Eku-Platz niedergeht, läuft entweder über die Entwässerungsrinnen ab oder versickert über die offenen Pflasterfugen der Betonflächen. Auf der geneigten Abdichtung der Tiefgaragendecke läuft dann das versickerte Regenwasser in Richtung Häuserzeile Webergasse. Vor den Gebäuden soll das Regenwasser künftig über eine Drainageleitung abgeleitet und zur Versickerung gebracht werden. "Diese Probleme zu beheben, liegt in der Verantwortung der Stadt Kulmbach. Wir haben einen Vorschlag zur Umsetzung erarbeitet. Dieser wird jetzt mit dem Eigentümer abgestimmt und dann zeitnah umgesetzt", erklärt Stadtsprecher Ries und betont, dass die Stadt bemüht ist, alles zu einem guten Ende zu bringen.

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