Untersteinach
Auftritt

Schrill, schräg, unkorrekt: Kay Rays Auftritt im Kleinkunstbrettla

Entertainer, Kabarettist, Sänger, Comedian: Kay Ray präsentierte sich als Gesamtkunstwerk im KKB in Untersteinach
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Früher Paradiesvogel, heute gesetzter Künstler: Kay Ray im Untersteinacher KKB.Klaus Klaschka
Früher Paradiesvogel, heute gesetzter Künstler: Kay Ray im Untersteinacher KKB.Klaus Klaschka

Zwar schüttet er nicht mehr, wie vor fünf Jahren, Bier von der Galerie des Kulmbacher Kleinkunstbrettla und vertreibt damit Sparkassenangestellte. Und er lässt während seiner Show nicht mehr eine ganze Flasche Wodka oder Ouzo in sich laufen, sondern nuckelt jetzt am Mineralwässerchen. Aber seriös ist Kay Ray trotzdem nicht geworden.

Optisch vielleicht schon: Anzug, wenig Schminke. Und die Haare jetzt nicht mehr blondiert und gesträubt, sondern anmutig gelockt. "Alles verändert sich", behauptet er. Glauben muss man ihm das aber nicht generell. Er quasselt wie schon immer. Ohne Pause, sobald er Zuhörer hat. Und das von halb Acht fast bis Mitternacht. Genauer gesagt: Am Samstagabend im KKB bis 23.46 Uhr. Seine Ankündigung, dass er so lange Show macht, bis sie jedem gefällt, war also nicht nur eine leere Drohung.

Schrill und laut

Er ist Entertainer, Kabarettist, Sänger und Comedian. Lange wurde er als schriller Paradiesvogel bezeichnet. Schrill ist er weiterhin. Vielleicht nicht mehr so bunt und laut. Aber die Stimme verschlägt ihm auch mit 53 noch nicht. Er gibt sich weiter als "schwuler Edding", auch wenn er inzwischen Familienvater mit einer Tochter geworden ist. Was ihn nicht daran hindert, ältere Herren im Publikum anzumachen. Nicht bloß auf die lustige Tour. Schon direkt. Um nicht zu sagen: sehr direkt. Also mit eindeutigen Angeboten.

Seine frühere Tätigkeit als Friseur und Farbkasten bei der ältesten deutschen Travestieshow, dem Hamburger "Pulverfass", hat sich genetisch niedergeschlagen. Und daraus macht er auch keinen Hehl. "Alles verändert sich", behauptet Kay Ray. Eines bei ihm aber nicht: Die Dinge so zu benennen wie sie heißen. Political correctness liegt ihm nicht. Kay Ray liest viel. Vor allem Nachrichten - zerpflückt sie und entdeckt die "asymmetrischen Wahrheiten" dahinter: Die Renten gehen unter, die Schulen sind marode, wir haben gedopte Sportler und gebotoxte Künstler, "aber wir retten das Weltklima, sammeln Plastikhalme und sperren Straßen. Und die Renten werden erhöht, indem man das Dosenpfand teuerer macht". Kurzum: "Wir sind Weltmeister im Verkünden von Zielen."

Wie die Ewigkeitsbaustelle Stuttgart 21. "Warnse mal dort? Wenigstens schreckt sie Islamisten ab, die glauben: ,Ach, da waren wir ja schon." Wir regen uns über Sachen auf, die wir nicht ändern können, führt Kay Ray vor. Wir sind für ein Burkaverbot; die Burka sei frauenfeindlich. Dabei ist unser Mode frauenfeindlich, beweist er mit Videoclips, in denen Mannequins auf dem Laufsteg über die eigenen Füße aus kreativ gestylten Schuhen stürzen.

"Empörungsbeauftragte"

Und da geht er wie immer auf Claudia Roth los. Die "Empörungsbeauftragte" des Bundestags, gegen die er an sich nichts hat, zumindest nichts Wirksames. Und auf die diversen Gruppen, die für andere kämpfen. "Wir sind keine Gruppen, wir sind alle Individuen, brauchen aber keine Extra-Toiletten für Transgender oder einarmige Juden." Für ihn gibt es nur zwei Gruppen: Menschen und Arschlöcher. Und diese Erkenntnis feiert er mit einem Lied: "Unten am Fluss ziehen die Leichen meiner Feinde an mir vorüber."

Als "die Schrowange" ihre Haare nicht mehr färbte, wurde sie als mutig gefeiert. Dass über die grauen Haare seiner Großmutter, die zwei Weltkriege durchgestanden und sich ewig abgerackert hat, aber niemand redet, kotzt ihn an. Kay Ray entrüstet sich. Moralisiert aber nicht, sondern verbirgt das hinter Spaß. "Ich hoffe, ihr habt Spaß", hatte er schon zu Beginn seiner Show die Besucher im KKB gefragt. "Ich habe auch gelacht, als ich euch gesehen hab." Damit lenkt er vom Ernst der Umstände ab. Was kommt dabei heraus? Früher hat er kein Programm geschrieben, jetzt hat er eines, behauptet er.

Dass er eigentlich schon immer ein Programm gehabt hat, merkt man jetzt einfacher. Früher hätte man den Klamauk in seinen Shows erst übersehen oder den Zotenkasper anders verstehen sollen. Aber beides schier unmerkbar verbinden zu können, das ist etwas, das man tatsächlich "Kunst" nennen muss. Glückwunsch.



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