Kulmbach
Schreibwettbewerb

Schreibwettbewerb: Ich brauche keine Alarmanlage

Die Bayerische Rundschau hat einen Schreibwettbewerb ausgelobt. Hier veröffentlichen wir die 21 Teilnehmer-Geschichten.
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Beim Schreibwettbewerb der Bayerischen Rundschau haben 21 Teilnehmer mitgemacht.Archiv/Ralf Ruppert
Beim Schreibwettbewerb der Bayerischen Rundschau haben 21 Teilnehmer mitgemacht.Archiv/Ralf Ruppert

Gabriele Träger, Kulmbach:

Gestern Abend saß ich gemütlich in eine Decke gekuschelt auf meinem alten Sofa. Ich hatte ein spannendes Buch in der Hand und auf dem Tisch neben mir stand ein heißer Kräutertee. Mein schwarz-weiß gefleckte Katze Filou lag zu meinen Füßen und schnurrte leise. Es war alles so friedlich und ich konnte mich von der Hektik des Tages erholen. Ich genoss diese kurze Auszeit, die ich mir seit langem mal wieder gönnen konnte. Nichts sollte mich stören. Deshalb hatte ich die Klingel abgestellt und das Telefon stumm geschaltet. Es war so himmlisch ruhig. Ich nahm einen Schluck Tee und vertiefte mich wieder in meinen Eberhofer-Krimi. Ich schmunzelte vor mich hin. Da würde ich bestimmt nicht ins Bett finden, bevor das Buch nicht zu Ende war. Wieder nur ein kurzer Schlaf! "Ach was solls, morgen ist Sonntag und ich kann ja ausschlafen!" dachte ich und vertiefte mich wieder in meine Lektüre. Plötzlich stockte mir der Atem. Was war das? Da schleicht doch jemand ums Haus! Ich schlich vorsichtig zum Fenster und lugte durch die geschlossene Gardine heraus. Aber da war nichts. Erleichtert lachte ich: "Mensch Filou, bin ich ein alter Angsthase! Wie kann man sich nur von ein bisschen Wind ins Bockshorn jagen lassen?"

Ich hatte mich gerade wieder in meine Decke gekuschelt, da sprang Filou auf, machte einen Buckel und fauchte. Meine gefleckte, vierbeinige "Alarmanlage" signalisierte mir damit "Gefahr"! Hatte ich mich vorhin doch nicht verhört? "Pst, Filou! Ruhig! Lass mich nachdenken!" flüsterte ich. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, meine Knie zitterten und mein Atem ging stoßweise. "Ich muss die Polizei rufen! Wo habe ich das dumme Telefon? Ach, es liegt in der Küche!" Schnell sprang ich auf und wollte in die Küche huschen. Aber da erschien ein riesiger Schatten an der Terrassentür. Jetzt war es zu spät, ich konnte nicht mehr ungesehen in die Küche gelangen!

Hektisch sah ich mich um - wo konnte ich mich verstecken? Außer dem Sofa und dem Fernsehtischchen stand nur noch der alte Sessel im Raum. Schnell kroch ich zu ihm und kauerte mich dahinter. Nun hatte bestimmt mein letztes Stündlein geschlagen! Aber vielleicht hatte ich Glück und der Einbrecher entdeckte mich nicht! Aber mein armer Filou! Ich linste vorsichtig um die Ecke. Da lag Filou gemütlich eingerollt auf dem Sofa und schnurrte. War der Einbrecher weg? Nein, der stand noch vor der Glastür. Jetzt klopfte er auch noch und schrie etwas. Ich dachte nach. Sollte ich mich aus meinem Versteck trauen? Ich reckte meinen Hals, um besser zu sehen. Aber das war doch...! Nun hörte ich auch, was die Gestalt rief: "Mensch Gabi, mach doch auf. Ich stehe schon eine halbe Ewigkeit vor der Tür und klingele wie wild! Ist deine Klingel kaputt?"

Ich kam hinter dem Sessel hervor und machte meiner Freundin erleichtert die Tür auf. Ich hatte ganz vergessen, dass wir zum Abendessen verabredet waren!

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