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Schreibwettbewerb

Schreibwettbewerb: Geburtstagsüberraschung

Die Bayerische Rundschau hat einen Schreibwettbewerb ausgelobt. Hier veröffentlichen wir die 21 Teilnehmer-Geschichten.
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Beim Schreibwettbewerb der Bayerischen Rundschau haben 21 Teilnehmer mitgemacht.Archiv/Ralf Ruppert
Beim Schreibwettbewerb der Bayerischen Rundschau haben 21 Teilnehmer mitgemacht.Archiv/Ralf Ruppert

Frank Preußners, Rugendorf:

Eine schrecklich schöne Geburtstagsüberraschung

Jeff hatte an diesem Dienstag die Arbeit für seinen Kollegen Fred im städtischen

Museum mit übernommen. Er ist dort genauso wie Fred als Nachtwächter angestellt.

Jeff muss sich immer um den kompletten Südflügel und Fred um den Nordflügel des

Museums kümmern. Und heute hatte eben Jeff die komplette Verantwortung.

Ausgerechnet an seinem 40. Geburtstag. Nun ja, er war sowieso alleine, hatte keine

Familie zuhause. Also war es ihm egal, ob er daheim oder auf der Arbeit seinen

Ehrentag feierte. Doch dieser Tag sollte ihm noch lange in Erinnerung bleiben. Jeff

kontrollierte im Museum immer alles ganz gewissenhaft. Ob alle Türen und Fenster

gut verschlossen sind, sämtliche Lichter auch aus waren und natürlich und ob die

Alarmanlage funktioniert, die an einem wertvollem Gemälde angebracht ist. Als er

soweit seinen ersten Rundgang absolviert hatte, ging er wieder in seinen kleinen

Dienstraum zurück und gönnte sich erst einmal einen kleinen Imbiss und etwas zu

trinken. Es vergingen aber nicht einmal zehn Minuten, da blieb ihm bald das

Sandwich im Hals stecken. Alarm aus Raum 12 leuchtete auf seinem PC auf. Aus

Raum 12 im Nordflügel? Ausgerechnet in diesem Zimmer, das seit ein paar Tagen

leer steht und renoviert werden sollte? Jeff rannte sofort die Treppen wieder hoch.

Mit klopfendem Herzen und völlig außer Atem näherte er sich diesen Raum. Die

Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, als er Vorsichtig die Tür öffnete und fragte,

ob da jemand drin sei. Doch er bekam keine Antwort. Jeff schaltete zitternd seine

Taschenlampe ein und leuchtete ins Zimmer, konnte aber auch nichts erkennen. Dann

machte er den Lichtschalter an und was er dann sah, ließ ihn vor Schreck erstarren.

An der einen Wandseite war Blut. Die Wand war durch den Spritzern regelrecht

gefleckt. Du meine Güte, was ist denn hier passiert, dachte sich Jeff, der kreidebleich

da stand. Doch zum Nachdenken war jetzt keine Zeit. Er wollte gerade wieder in

sein Dienstzimmer runter laufen und die Polizei rufen, als er aus dem Zimmer

gegenüber Geräusche hörte. Es war ein lautes Gelächter zu hören. Blitzschnell und

ohne zögern öffnete er die Tür. Da standen vor ihm ein paar Mitarbeiter des

städtischen Museums und..... Fred. Und sie lachten noch lauter, als sie ihn so verdutzt

in der Tür stehen sahen. "Alles Gute zum Geburtstag, Jeff", wünschten sie ihn mit

einer Flasche Sekt. "Wir wollten Dich an Deinem runden Geburtstag ein wenig

überraschen". Jeff, der immer noch perplex und recht blass um die Nase war, wollte

aber trotz allem wissen wie das Blut an die Wand kam. "Alles halb so schlimm, ist

nur rote Farbe. Die Räume in diesem Raum werden doch eh Rot gestrichen",

beruhigte ihn Fred und reichte ihm ein Glas Sekt: "Hier, für Deinen Kreislauf. Damit

auch Du wieder etwas Farbe bekommst. Natürlich alkoholfrei. Du musst ja noch

arbeiten. Ich hoffe, wir haben dich nicht zu sehr erschreckt", lachte er. Jeff atmete erst

einmal tief durch, schüttelte den Kopf, grinste dann aber und stieß mit seinen

Kollegen an. Was für eine schrecklich, schöne Geburtstagsüberraschung.

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