Himmelkron
Himmelkroner Heime

Schloss Himmelkron so gut wie verkauft

Für das Ensemble hat sich ein Investor gefunden. Die Verträge sind unterschriftsreif.
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Den Namen ließen sich die drei hohen Vertreter der Diakonie Neuendettelsau nicht entlocken. Nur so viel: "Es handelt sich um einen Oberfranken", sagte Mathias Hartmann mit Blick auf den Investor, der das Himmelkroner Schloss kaufen will. Eigentlich hätte der Käufer bei der am Dienstag einberufenen Pressekonferenz in Himmelkron vorgestellt werden sollen. Doch der änderte kurzfristig seine Planung, erklärte Hartmann, der Vorstandsvorsitzender der Diakonie Neuendettelsau ist. "Er möchte vorerst noch anonym bleiben."

Vielleicht lag es daran, dass die Verträge über den Verkauf des Schlosses noch nicht notariell unterzeichnet sind. "In der letzten Woche hat unser Aufsichtsrat dem Verkauf zugestimmt, der damit von unserer Seite beschlossen ist", betonte Hartmann. Und weiter: "Wir gehen davon aus, dass die Unterschrift nur noch Formsache ist und vor der Sommerpause über die Bühne geht."

Was bedeutet der Verkauf für die Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung für Menschen mit Behinderung? Zunächst wird sich nichts ändern. Hartmann zufolge mietet die Diakonie das Gebäude nach dem Verkauf für voraussichtlich acht bis zehn Jahre wieder an. Die 154 Bewohner des Schlosses werden dort wohnen bleiben und nur Zug um Zug ausziehen.

In welchem Tempo das geschieht, hängt davon ab, wie schnell der Bau von dezentralen Wohneinheiten für je 24 Menschen mit Behinderung über die Bühne geht. Ein entscheidendes Kriterium ist dabei die Geschwindigkeit, mit der die Fördermittel (Förderquote 70 Prozent) fließen.

Insgesamt sieben dieser dezentralen Einrichtungen werden in der Region benötigt. Nach derzeitigem Stand kommen zwei nach Bayreuth und eine nach Wirsberg. Ist ein Gebäude, das zwischen fünf und sieben Millionen Euro kostet, fertiggestellt, ziehen die Bewohner aus Himmelkron dorthin um. Die freien Plätze im Schloss werden nicht nachbesetzt.

Der Verkauf umfasst neben dem Schloss und den dazugehörigen Liegenschaften auch das Gartenareal sowie die Werkstatt und die Förderstätte für Menschen mit Behinderung, die in Neuenmarkt neu errichtet werden soll.

Über den Kaufpreis des Schlosses wurde Stillschweigen vereinbart. Er liegt laut Diakonie jedoch unter den auf einem Immobilienportal geforderten 3,3 Millionen Euro.

Nicht betroffen vom Verkauf sind die weiteren Einrichtungen der Diakonie, die in in dem Ort weitere 250 Wohnplätze unterhält. "Himmelkron bleibt für uns ein großer und wichtiger Standort", versicherte Hartmann.

Auch bei der Käufersuche sei man sich der Verantwortung bewusst gewesen, die der Verkauf mit sich bringe. "Der Investor stammt aus Oberfranken, es handelt sich nicht um einen Hedgefonds", betonte Hartmann. Man habe Wert darauf gelegt, dass das Schloss, das seit 125 Jahren als Wohnheim für Menschen mit Behinderung genutzt wird, einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werde.

Das sei bei der Wahl des Investors mit entscheidend gewesen. "Es gab im Laufe der Jahre mehrere Interessenten, denen wir abgesagt haben, weil sie uns nicht seriös erschienen", so der Vorstandsvorsitzende weiter.

Wie kaufmännischer Vorstand Dietmar Motzer ergänzte, sei der Verkauf nicht aus finanzieller Not erfolgt.

Für die Gemeinde ist die weitere Entwicklung "sehr spannend", wie Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU) erklärte. "Das Schloss ist ein wichtiger Bereich im Ort. Wir sind gespannt, was auf uns zukommt", so Schneider, der nach eigenen Angaben auch nicht weiß, um wem es sich bei dem Investor handelt.

In der Behindertenarbeit gelten Großeinrichtungen wie das Himmelkroner Schloss nicht mehr als zeitgemäß. "Menschen mit Behinderung und ihre Familien haben heute klare Vorstellungen davon, wie sie wohnen wollen", betont Jürgen Zenker, Vorstand Dienste für Menschen bei der Diakonie. "Deshalb brauchen wir attraktive Wohnangebote, um im Wettbewerb bestehen zu können", begründet er die dezentralen Einheiten.

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