Freienfels
Geschichte

Schloss Freienfels: Ein Schnäppchen mit Charme

Eine Familie kauft das Schloss ihrer Vorfahren zurück und saniert es überwiegend in Eigenleistung. Freienfels soll ein Kulturzentrum werden.
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Der Hauptbau von Schloss Freienfels stammt aus der Barockzeit.Foto: Katrin Geyer
Der Hauptbau von Schloss Freienfels stammt aus der Barockzeit.Foto: Katrin Geyer
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Es gibt viele Hobbys, die zeitraubend sind und teuer. Stephanie Badenheuer-Weiss und ihr Mann Dominik Weiss haben sich ein besonders schönes ausgesucht: Sie haben sich ein Schloss gekauft.

Hoch über der jungen Wiesent steht es wuchtig auf einem nach Süden steil abfallenden Felssporn. Im Norden begrenzt ein Wehrgang mit zwei Rundtürmen das Gelände zum gleichnamigen Ort hin, der zur Stadt Hollfeld gehört: Schloss Freienfels.

Zeitweilig ein Kinderheim

Ritter Otto von Aufseß hat um das Jahr 1300 herum die ursprüngliche Burg gebaut. Die Gebäude wurden mehrfach um- und ausgebaut. Die wesentlichen Gebäudeteile der heutigen dreiflügeligen Schlossanlage stammen aus dem Barock. Über Jahrhunderte blieb Schloss Freienfels im Besitz derer von Aufseß. 1867 verkaufte die Familie Gebäude und Ländereien.

Fast 150 Jahre lang wechselten von da an immer wieder die Besitzer, zwischenzeitlich waren auch wieder einmal Nachfahren derer zu Aufseß die Schlossherren. Der stattliche Bau war Wohnhaus, Gauschule, Unterkunft für amerikanische Besatzungssoldaten und Kinderheim. Nun soll es ein kleines Kulturzentrum werden.

2013 haben Stephanie Badenheuer-Weiss und ihr Mann Dominik Weiss das Schloss gekauft. 300 000 Euro haben sie dafür bezahlt - samt sieben Hektar Grund mit einem verwilderten Park. Die Familie aus Buttenheim hat das Schloss damit gewissermaßen heimgeholt: Stephanie Badenheuer-Weiß ist eine Nachfahrin der Freiherren von Aufseß, und sie hat sich mit dem Kauf einen lang gehegten Wunsch erfüllt. "Wir hatten das Schloss immer im Fokus", sagt sie. "Aber es schien unerreichbar."

Zwei Millionen Euro sollte die Immobilie zeitweilig kosten. Nun: ein Schnäppchen. Eines mit Charme. Mit einem gut erhaltenen Rokoko-Saal, an dem in Jahrhunderten nichts verändert wurde. Mit einem Herrenzimmer, dunkel und schwer möbliert, das ebenso wie der Rokoko-Saal unter Denkmalschutz steht. Mit einem gewaltigen Dachboden, dessen Balken aus dem Winter 1694/95 stammen. Mit vier Meter hohen Räumen, bunt verglasten Fenstern, barocken Stuckdecken und Kachelöfen. Aber auch mit vielen Bausünden der Vorbesitzer, die die Familie Badenheuer-Weiss nun zu tilgen versucht. Stück für Stück, Raum für Raum, das meiste in Eigenleistung.

So eine Schloss-Sanierung erfordert viel Vorarbeit. Der Denkmalschutz muss ins Boot geholt werden, ein Statiker hat das ganze Gebäude untersucht. Stephanie Badenheuer-Weiss hat intensive Forschungen angestellt: Wie sahen die Räume früher aus, wann wurde was in der weitläufigen Anlage verändert? Wirklich planen lässt sich bei einem solchen Vorhaben wenig. "Ein Bau wie ein Überraschungs-Ei", sagt die Schlossherrin.

Möglichst originalgetreu sollen die Räume wieder hergestellt werden. Aber auch nutzbar sollen sie sein. Ein kleines Hochzeitszimmer ist schon fertig. In den Sommermonaten können sich Brautpaare auf Freienfels trauen lassen, und auch Räume zum Feiern sind da. Eine Halle mit mächtigen Steinpfeilern - ehemals ein Stall - wird für Ausstellungen genutzt. Der Rokoko-Saal soll bald Schauplatz kleiner, feiner Konzerte werden.

Am Ende der Sanierung soll auf Freienfels noch ein Kunstmuseum für christliche Kunst mit einer Sammlung von Grete Badenheuer entstehen. Sie war eine Verwandte der heutigen Besitzerin und gilt als eine der Meisterinnen der Paramentik (die Wissenschaft von der Gestaltung liturgischer Kleider und gottesdienstlicher Textilien).

Und irgendwann, in ein paar Jahren vielleicht, will die Familie Badenheuer-Weiß samt der drei Kinder in ihrem Schloss auch wohnen.

Grüne Wildnis statt Park

Ob das dann der Zeitpunkt ist, zu dem mit der Wiederherstellung des Parks begonnen werden kann, der vor den Schlossmauern liegt? Der ist verwildert und zugewachsen. Von einem ehemaligen Teepavillon, malerisch gelegen auf einem Felsvorsprung, stehen nur noch die Fundamente, und man muss schon genau hinschauen, will man in der grünen Wildnis die ehemaligen Sichtachsen einer Lindenallee noch erkennen.

Ein Riesenprojekt ist das alles. Eines, das wohl auf lange Frist Zeit kosten wird, Energie - und Geld. Manchen würde das vom Kauf abgehalten haben, auch wenn die Vorstelllung, Schlossbesitzer zu sein, reizvoll ist. Nicht so die Familie Badenheuer-Weiss, die sich mit dem Kauf von Schloss Freienfels einen Traum erfüllt hat. "Andere Leute haben andere Hobbys" sagt die Schlossherrin. "Ein Kollege meines Mannes ist Triathlet. Der investiert viel Zeit ins Training und viel Geld in Material und Flüge zu den Wettkämpfen. Wir wollen keinen Triathlon laufen. Unser Hobby ist unser Schloss."

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