Kulmbach
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Schlaue Kulmbacher bauten vor: doppelt gemauert hält besser

Am Kirchwehr sorgte einst eine zweifache Stadtmauer für den Schutz der Stadt Kulmbach. Was ist von ihr geblieben?
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Blick auf die Kirchhofmauer stadtauswärtsErich Olbrich
Blick auf die Kirchhofmauer stadtauswärtsErich Olbrich
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Über die Entstehung der Stadt Kulmbach sind nur wenige urkundliche Belege vorhanden. Die heutige Betrachtung des Kirchwehrs mit seiner doppelten Stadtmauer beruht zum Teil auf Nachforschungen, die der einstige Kulturreferent Hans Stößlein und der ebenfalls bereits verstorbene Stadtarchivar Richard Lenker anstellten. Grundlage für ihre Erklärungen ist ein Stadtplan von 1853. Auf späteren Plänen ist zum Beispiel der Löschweiher bereits zugefüllt und wird als Turnplatz genutzt.

Kirche als Zufluchtsort

Eines der bemerkenswertesten Bauwerke Kulmbachs ist die Petrikirche. Ihre dominierende Lage auf einem Vorsprung des Burgbergs ist charakteristisch für eine Kirchenburganlage. Solche befestigten Gotteshäuser sind die ältesten Zufluchtsorte für die Bevölkerung.

Das Gebiet zwischen Kirchwehr und Weiherdamm am Fuße des Burgberges wurde in Zuge der Erweiterung der Kirchenburg angelegt. Das oder richtiger die Kirchwehr bildet rings um die Petrikirche, neben den Urzellen in Grünwehr und Spiegel, eine der ältesten Befestigungsanlagen Kulmbachs.

Nachdem die Stadt um 1231 von den Meraniern die Stadtrechte erhielt, wurde sie auch befestigt. Ursprünglich bestand diese Befestigung wohl nur aus einem aus festen Eichenpfählen zusammengefügten Zaun, der erst später durch eine steinerne Mauer mit Türmen und Toren ersetzt wurde.

Löschteiche längst verfüllt

Neben der auch heute noch erkennbaren inneren Verteidigungsmauer zur Petrikirche gab es aber noch einen zweiten Mauerring. Zwischen diesem und dem Markgraf-Georg-Friedrich- Gymnasium, befanden sich zwei Feuerlöschweiher, die vom Kohlenbach beziehungsweise dem Kulmbach gespeist wurden. Heute befinden sich dort der Pausenhof der Oberen Schule, ein Bolzplatz und ein Parkplatz.

Die schmale Gasse, die südlich zum Kirchwehr verläuft, ist bebaut mit bürgerlichen Häusern. Diese Bebauung in Richtung Weiherdamm erfolgte mit Sicherheit erst nach Aufgabe der Verteidigungsanlagen. Außerhalb der zweiten Mauerlinie lagen ursprünglich noch die Hausgärten, heute sind diese aber mit Nebengebäuden überbaut.

Die Kirchwehr wird in westöstlicher Richtung von der Altstraße nach Trebgast durchquert, die nach wie vor direkt unterhalb der Kirchhofmauer verläuft. An der Engstelle vor dem Röhrenplatz befand sich noch bis 1893 das Wolfskehler Tor. Dieses wurde vom Heidenturm flankiert.

Die Sache mit den Toren

Ein Besucher, der aus der Wolfskehle kommend in die Stadt wollte, musste zuerst dieses Tor passieren und nach wenigen Metern auch noch das Kanzleitor - zwischen Prinzessinhaus und Kanzlei.

Beziehen wir nun noch das Schul- und Kanzleitor, auch Mangersreuther Pforte genannt, in Richtung Schießgraben mit ein, war hier ein richtiger Verkehrsknotenpunkt unserer Stadt. Aber auch bergauf zur Plassenburg war die Kirchwehr durch ein Tor gesichert, und zwar durch das Kirchnerstor. Das Staatsarchiv Bamberg verwahrt eine Tuschezeichnung mit der Bezeichnung "Thor am Kirchners Gebäude in Kulmbach". Diese Zeichnung fertigte 1878 der Bauassistent Josef Rottler vom königlichen Landbauamt Bayreuth. Auf dem "Lageplan der Stadt Culmbach" von 1851 lassen sich die Ansätze des Tores erkennen.

Heute noch erkennbar

Der Standort des ehemaligen Wolfskehler Tores ist, wenn wir den Lageplan betrachten, zwischen den Gebäuden Kirchwehr 5 und 28 auch heute noch erkennbar. Der Heidenturm stand auf der Parzelle Kirchwehr 5, die im Gegensatz zu den umliegenden deshalb wesentlich kleiner ist. Von den ehemaligen Befestigungsmauern, die entlang der südlichen Häuserlinie verliefen, sind allerdings nur noch Reste in den Grundmauern der heutigen Gebäude zu vermuten. Ein niedriges Mauerstück befindet sich am Gebäude Kirchwehr 22, an der Grenze zum südlich anschließenden Flurstück 225.

Vor den Stadtmauern liegt der schöne Röhrenplatz. Über eine Brücke am Kohlenbach und vorbei am Amtsgericht, führte entlang des Steinernen Gässchens die Altstraße hinaus aus der Stadt nach Trebgast. Vor dem Anstieg befand sich der Näpfleinsbrunnen. Hier soll es das beste Trinkwasser gegeben haben, viele Bürger aus der Stadt versorgten sich dort mit dem köstlichen Nass.



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