Kulmbach
Projekt

Schlaganfallhelfer: Start im März

Künftig sollen Betroffene und ihre Familien im Raum Kulmbach ehrenamtliche Begleiter an ihrer Seite haben. Alles Wichtige und ein Kommentar zum Thema.
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Illustration: peterschreiber.media/Fotolia
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Gestern topfit, heute ein Pflegefall! Ein Schlaganfall stellt das gewohnte Leben von einem Moment auf den anderen komplett auf den Kopf. Und es kann jeden treffen. Betroffene und ihre Angehörigen stehen dann vor allem in der ersten Zeit nach Klinik und Rehabilitation vor einem Berg von Problemen: Vieles muss neu und anders organisiert werden. Therapie, Pflege oder Unterstützung im Haushalt, die Beantragung von finanziellen Leistungen und Hilfsmitteln gehören dazu.

Gut geschult Hilfe leisten

Damit sie es künftig leichter haben, organisiert die Diakonie jetzt eine Ausbildung für ehrenamtliche Schlaganfallhelfer. Finanziell ermöglicht wird das durch eine Spende der Firma Saum & Viebahn in Höhe von 15 000 Euro an "Franken helfen Franken", den Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken, der das Geld zweckgebunden für die Unterstützung Schlaganfallbetroffener an die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit (KASA) weitergab.

Los geht's am Donnerstag, 7. März, um 15 Uhr im Café der Seniorenwohnanlage Mainpark mit der ersten Schulungseinheit. Elmar Stegmeier von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe führt in die Helfertätigkeit ein und vermittelt Basiswissen. Was sind die Aufgaben der Schlaganfallhelfer? Welche Kompetenzen haben sie? Dabei wird es auch um rechtliche Grundlagen der Tätigkeit im Ehrenamt gehen.

Und welche Voraussetzungen müssen Interessierte mitbringen, die die Ausbildung machen möchten? "Die Teilnehmer brauchen weder Vorkenntnisse noch medizinisches Fachwissen. Sie müssen nur den Willen haben, fachkundig helfen und Betroffenen beistehen zu wollen", sagt Projektleiterin Pia Schmidt von der KASA. Alle Kosten sind über die Spende abgedeckt.

Einige Interessierte haben sich bereits angemeldet. Eine von ihnen ist Heidi Pitroff. "Das ist eine wichtige Sache", sagt die Kulmbacherin. Warum sie dabei ist? "Ich möchte mir ein solides Wissen zu diesem Thema aneignen. Pitroff, die als Betreuungsassistentin bei den Johannitern tätig ist und unter anderem eine Demenzgruppe in Untersteinach leitet, ist in ihrem Beruf immer wieder auch mit den Folgen eines Schlaganfalls konfrontiert. "Mit Ende 50 erlebe ich aber inzwischen auch in meinem Bekannten- und Freundeskreis, wie schnell eine solche Situation entstehen kann. Ich möchte lernen, wie ich die Anzeichen eines Schlaganfalls erkennen kann und wie ich dann richtig handele."

Mindestens genauso wichtig sei es für sie, zu erfahren, wie man in der Folge mit der veränderten Lebenssituation umgehen kann und welche Angebote es gibt, sagt die Kulmbacherin. "Nur wenn ich mich selbst richtig gut auskenne und mich mit meinem Wissen sicher fühle, kann ich anderen weiterhelfen."

Pia Schmidt wünscht sich viele engagierte Menschen wie Heidi Pitroff, die sich für die Teilnahme an der Ausbildung entscheiden: "Die meisten Leute kennen die Netzwerke nicht, die ihnen weiterhelfen können. Sie sind von der Bürokratie überfordert. Aber unsere Schlaganfallhelfer wissen, an wen man sich wenden kann, wo und wofür man Anträge stellen kann. Sie werden für die Betroffenen eine große Hilfe sein."

Kommentar: Eine Idee mit Leben füllen

Das Projekt Schlaganfallhelfer ist ehrgeizig. Es kostet Zeit und Mühe, eine solche Ausbildung auf die Beine zu stellen, Inhalte zu erarbeiten, Dozenten zu gewinnen...

Doch der Aufwand lohnt sich! Dieses Projekt bietet die Chance, die Situation Schlaganfallbetroffener grundlegend zu verbessern und eine Lücke in ihrer Versorgung zu schließen. Die Gruppe, der diese Hilfe zugute kommen wird, ist alles andere als klein: allein in Kulmbach 500 stationäre Schlaganfallpatienten in 2018!

Akutversorgung und unmittelbar anschließende Behandlungen funktionieren bestens. Aber danach? Da sind die Patienten und ihre Familien oft auf sich allein gestellt.

Das zu ändern, war der Wunsch von Susanne Schicker-Westhoff, geschäftsführende Gesellschafterin von Saum & Viebahn, die mit ihrer Spende an "Franken helfen Franken" den Grundstein dafür legte, dass die Ausbildung der Helfer und ihre Einsätze kostenlos angeboten werden können.

Jetzt fehlt nur noch ein wichtiger Faktor: viele Menschen, die diese Ausbildung machen und damit die Idee mit Leben füllen. Dabei muss niemand fürchten, total vereinnahmt zu werden. Spätere ehrenamtliche Einsätze sind natürlich erwünscht, aber es gibt keinen Zwang. Jeder entscheidet selbst, was er leisten möchte. Wer eine sinnvolle Aufgabe mit überschaubaren Verpflichtungen sucht, ist hier genau richtig.

Lernen und helfen

Ausbildung Die Diakonie Kulmbach bietet in Kooperation mit der Deutschen Schlaganfallhilfe und dem Klinikum die Ausbildung für ehrenamtliche Schlaganfallhelfer an. Start des Lehrgangs ist am 7. März um 15 Uhr im Café der Seniorenwohnanlage Mainpark. Dabei werden die weiteren Termine vereinbart. Bis zum Sommer wird der Lehrgang beendet sein. Um das Zertifikat zu erwerben, müssen alle Kurseinheiten besucht werden.

Aufgaben Schlaganfall-Helfer sind speziell geschulte Ehrenamtliche, die persönlichen Kontakt zum Patienten aufnehmen, nachdem dieser aus der Klinik und der Rehabilitation entlassen worden ist. "Ziel ist die Begleitung des Patienten bei der Rückgewinnung von Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag", so Brigitte Mohn, Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Stiftung hat das Schulungskonzept entwickelt, das in Kulmbach umgesetzt wird.

Anmeldung Interessierte können sich noch bis unmittelbar vor Schulungsbeginn bei der Diakonie Kulmbach anmelden, Telefon 09221/9292-0 (Anrufbeantworter).

Kosten Für die Teilnehmer ist die Ausbildung kostenlos.

Die Unterstützung durch die Schlaganfallhilfe wird für die Betroffenen und deren Angehörige ebenfalls eine kostenfreie Leistung sein.

Tipps vom Chefarzt: Wie reagiere ich richtig?

SPD - diese drei Buchstaben stehen nicht nur für eine politische Partei, sondern für drei neurologische Krankheiten, die unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen: Schlaganfall, Parkinson, Demenz. Am Klinikum Kulmbach ist der leitende Arzt Christian Konhäuser für die Neurologie zuständig. "Die Fallzahlen werden steigen, weil wir immer älter werden", sagte er bei einer Informationsveranstaltung für Interessierte, die demnächst die Ausbildung zum Schlaganfallhelfer absolvieren möchten. Zur Vorbereitung darauf gab der Neurologe einen Überblick über das Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist ein Schlaganfall? Es handelt sich um eine Durchblutungsstörung im Gehirn. In 80 Prozent der Fälle ist der Verschluss eines Blutgefäßes die Ursache, in 20 Prozent hat ein Riss im Blutgefäß eine Hirnblutung zur Folge. Gefährlich: Im Gegensatz zum Herzinfarkt tut der Schlaganfall nicht weh und wird deshalb oft zu spät erkannt.

Das sind Alarmsignale: plötzliches unscharfes Sehen, Schwierigkeiten beim Sprechen, Drehschwindel, Gleichgewichtsstörungen, vorübergehende halbseitige Lähmung oder Muskelschwäche, extreme Kopfschmerzen.

"Ein Schlaganfall ist ein absoluter Notfall", so Konhäuser. "Besteht dieser Verdacht, muss der Patient sofort in ein Krankenhaus mit Stroke Unit." Die Chancen, die Schäden rückgängig zu machen, seien in den ersten vier Stunden am größten. Am Klinikum Kulmbach gibt es eine zertifizierte Stroke Unit.

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