Kulmbach
Initiative

Schlaganfall: Hilfe endet nicht mit der Therapie

Am Klinikum Kulmbach werden jedes Jahr rund 400 Schlaganfall-Patienten versorgt. Damit Betroffene mit ihren Problemen nicht allein gelassen werden, möchte Chefarzt Christian Konhäuser am 3. Dezember eine Selbsthilfegruppe gründen.
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Chef-Neurologe Christian Konhäuser ist zufrieden mit der Entwicklung seines Patienten Klemens Daum. Der 56-Jährige konnte nach einem Schlaganfall sofort optimal behandelt werden. Foto: Dagmar Besand
Chef-Neurologe Christian Konhäuser ist zufrieden mit der Entwicklung seines Patienten Klemens Daum. Der 56-Jährige konnte nach einem Schlaganfall sofort optimal behandelt werden. Foto: Dagmar Besand
Als Klemens Daum plötzlich seine linke Körperhälfte nicht mehr spürt, ist er geschockt, reagiert aber dennoch schnell. "Ich bin früher für die Malteser und das Rote Kreuz Rettungsdienst gefahren und habe viele Schlaganfall-Patienten erlebt. Jetzt hat es mich plötzlich selbst getroffen", erzählt der 56-Jährige aus Teuschnitz. Er rief seinen Hausarzt an, der schnell reagierte und sofort die Rettungsleitstelle informierte. "Ein paar Minuten später war der Hubschrauber da und flog mich nach Kulmbach."

Am Kulmbacher Klinikum gibt es eine Schlaganfalleinheit - für Patient Daum war es die nächstgelegene. "Wir waren bereits informiert und konnten alles für die Behandlung vorbereiten", so Christian Konhäuser, Leiter der Klinik für Neurologie.
Dank schneller und optimaler Therapie kann Klemens Daum hoffen, dass der Schlaganfall bei ihm keine bleibenden Schäden hinterlässt.


Oft bleibt schwere Behinderung

So viel Glück haben leider nur wenige Patienten. Täglich erleiden rund 500 Deutsche einen Schlaganfall, etwa 250 sterben jeden Tag an den Folgen. Von den Überlebenden trägt ein großer Teil schwere Behinderungen davon: Lähmungen, Sprach- und Schluckstörungen, Depressionen und manch andere Beeinträchtigungen. "Beim Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Je mehr Zeit bis zur Behandlung in der Klinik vergeht, desto schlechter die Prognose für den Patienten."

Rund 400 Schlaganfall-Patienten werden in Kulmbach jährlich versorgt. "Es kann jeden treffen", sagt Christian Konhäuser. "Als Neurologen sehen wir, dass viele unserer Schlaganfall-Patienten nach Krankenhaus und Rehabilitation mit ihren Problemen allein dastehen", bedauert der Chefarzt. Er möchte dagegen etwas tun und am Klinikum Kulmbach eine Selbsthilfegruppe für Schlaganfall-Patienten gründen.


Bayreuth gibt Starthilfe

Vorbild für die Initiative ist die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Bayreuth. Deren Vorsitzende Brigitte Hohlbach-Jenzen wird beim Gründungstreffen am 3. Dezember im Klinikum Kulmbach von ihren Erfahrungen berichten und von den Möglichkeiten, die die Selbsthilfegruppe ihren Mitgliedern bietet.


Mehr Therapie und viel Kultur

Dazu gehören neben regelmäßigen Treffen zur Kontaktpflege, Fachvorträgen, Ausflügen, Theater- und Konzertbesuchen auch zusätzliche therapeutische Angebote und Unterstützung bei rechtlichen Fragen. "Wir haben zum Beispiel Verträge mit den Krankenkassen ausgehandelt, die mehr Physiotherapie, Rehabilitationssport und auch Extra-Aktivitäten wie Aqua Qi Gong ermöglichen", so Hohlbach-Jenzen. "Wir haben darüber hinaus auch guten Kontakt zu den Versorgungsämtern und anderen Behörden und unterstützen unsere Mitglieder bei allem, was zur Bewältigung ihres Alltags notwendig ist.

Die Selbsthilfegruppe tut auch der Seele gut, weiß die Vorsitzende, die die Initiative vor elf Jahren gegründet hat, nachdem ihr Mann einen Schlaganfall erlitten hatte. "Ich habe alle Phasen der Krankheit von A bis Z erlebt und erfahren, wo Hilfe nötig wäre, aber schwer zu finden ist. Diese Lücke haben wir mit der Gruppe geschlossen." Die Bayreuther beschäftigen sich bei ihren Treffen nicht nur mit der Krankheit, sondern auch mit Kunst und Kultur und werden in Workshops selbst kreativ.

Christian Konhäuser findet diese Angebote vorbildlich: "Wir möchten in Kulmbach gerne etwas Ähnliches auf die Beine stellen und hoffen auf viele Interessierte bei unserer Gründungsveranstaltung."


Gründungstreffen

Wer? Von Schlaganfall betroffene Patienten, Angehörige und Interessierte

Wann? Mittwoch, 3. Dezember, 18 Uhr.

Wo? Klinikum Kulmbach, Sitzungszimmer im ersten Untergeschoss

Was? Medizinische Einführung durch die Neurologen Christian Konhäuser und Traugott Holmer, Vorstellung der Selbsthilfegruppe Bayreuth durch Vorsitzende Brigitte Hohlbach-Jenzen, anschließend Gründung der Kulmbacher Gruppe. db


Weitere Informationen

Weitere Infos über die Möglichkeiten einer Selbsthilfegruppe am Beispiel der Selbsthilfegruppe Bayreuth gibt es auf der Hompage des Vereins.

Zur Initiative "Bayern gegen den Schlaganfall" geht's hier.

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