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Himmelkron
Prozess

Schlägerei an der Tanke in Oberfranken: Alle waren voll dabei - Frau soll Leberkäsebrötchen geworfen haben

Nach einer feucht-fröhlichen Diskonacht in Himmelkron flogen an der Tankstelle die Fetzen. Im Gerichtssaal endete das Verfahren mit einer Einstellung.
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Schlägerei
An einer Tankstelle in Himmelkron kam es zu einer Schlägerei - vor Gericht gestaltet sich die Wahrheitsfindung schwierig. Symbolfoto: Christopher Schulz

Die jungen Leute hatten eine anstrengende Diskonacht hinter sich. Es wurde gefeiert, als gäbe es kein Morgen. Und es gab auch kein Morgen im Halifax, weil die Diskothek wenig später für immer ihre Pforten schloss. Jedenfalls macht so eine feucht-fröhliche Party hungrig. Deshalb pilgerten vor zwei Jahren etliche junge Leute zur nahen Tankstelle, wo es etwas Essbares gab. Es war auch schon fast Frühstückzeit. Circa 4.50 Uhr, wie die Polizei später in ihrem Bericht festhielt.

Bis dahin gab es keine Probleme. Aber dann flogen die Fetzen. Ein Wort gab das andere. Die Kombattanten waren nicht fein in ihrer Wortwahl. Schließlich wurde gekratzt, gespuckt, geschlagen. Das Tohuwabohu in der Tankstelle wurde nun vor dem Amtsgericht Kulmbach auseinanderklamüsert. Die Wahrheitsfindung war schwierig. Angeklagt waren zwei Brüder, 30 und 28 Jahre alt.

Streit eskaliert: Schlägerei an Tankstelle in Himmelkron

Laut Staatsanwaltschaft soll sich Folgendes zugetragen haben: Die Angeklagten waren mit drei Freunden unterwegs und auf dem Heimweg. Einer der Kumpels kam an der Theke mit einer Frau (25) ins Gespräch - und die Abfahrt verzögerte sich. Deshalb ging zunächst der ältere Bruder in die Tankstelle, um die Plaudertasche zu holen. Dabei soll der Mann die Frau beleidigt ("Schlampe") und angespuckt haben. Als der 30-Jährige rausging, sei die Frau hinterhergelaufen. Draußen soll sie der jüngere Bruder gepackt und zu Boden gerissen haben, so dass sie Knie- und Schädelprellung erlitt. Strafbar als Beleidigung und als Körperverletzung.

Doch die Brüder stritten ab, dass der Morgen nach der Diskonacht so verlaufen sei. Er habe gar nichts gemacht, sagte der 30-Jährige. Er habe lediglich gesehen, wie die Frau auf seinen Bruder losgegangen sei. Sie habe ihn beleidigt, gekratzt, geschlagen, getreten und rumgeschrien.

Der Bruder habe schließlich ihre Arme gehalten und sie auf den Boden gesetzt. Die Frau sei betrunken und aggressiv gewesen. Schließlich sei deren Mutter mit dem Auto gekommen und habe hysterisch reagiert. Der 28-Jährige bestätigte die Angaben seines Bruders.

Mit Leberkäsebrötchen beworfen

Die Frau sei zuerst aggressiv geworden, habe ihn attackiert, "Hurensohn" genannt und angespuckt. "Da hab ich zurückgespuckt", so der Angeklagte.

Draußen habe sie weitergemacht und ein Leberkäsebrötchen nach ihm geworfen. Um sie abzuwehren, habe er sie zu Boden gedrückt. Die gerade angekommene Mutter habe aufgebracht gedroht: "Das werdet ihr noch bereuen."

Die Freunde der Angeklagten hatten nicht alles gesehen, wussten aber, dass die 25-Jährige betrunken und aggressiv gewesen sei. Sie habe sich aufgeregt, dass ihr Gespräch gestört wurde. "Darauf entstand eine Megadiskussion." Die Frau sei nicht zu beruhigen gewesen. Der ältere Bruder habe mit ihr nichts zu tun gehabt. Auch von dem Vorwurf, dass die 25-Jährige von einer Getränkedose am Kopf getroffen worden sei, wusste keiner etwas.

Lage vor Gericht unklar: Beteiligte waren betrunken

Eine Freundin der "Geschädigten" wollte aber den Büchsenwurf gesehen haben. Sie wusste nicht, warum die Situation eskalierte und gab an, dass man sich vorher im Halifax bereits getroffen habe. Sie bejahte die Frage von Verteidiger Wolfgang Schwemmer, ob ihre Freundin aufbrausend und impulsiv reagiere, wenn sie angetrunken ist.

Nun musste die 25-Jährige aussagen. Auf ihre Angaben stützte sich die Anklageschrift. Sie blieb als Einzige dabei, dass sie zunächst vom älteren Bruder beleidigt und angespuckt worden sei. Deshalb sei sie ihm nachgelaufen, um "es" zu klären, dass man so was mit einer Frau nicht macht.

Draußen habe sie der jüngere Bruder gepackt. Beim Handgemenge habe sie sich verletzt, habe an den Händen geblutet, Fingernägel seien eingerissen. Auf Fragen des Gerichts räumte die Zeugin ein, dass ziemlich viel Alkohol im Spiel gewesen sei: Sekt, Mischgetränke, Wodka-Red-Bull - es sei ihre Geburtstagsfeier gewesen. "Ich hab etwas mehr getrunken, aber ich hab mich net komplett ins Aus geschossen." Es sei auch ein Alkoholtest bei ihr gemacht worden. Zum Ergebnis - über 1,8 Promille - habe der Polizeibeamte gesagt, dass sie sich dafür noch gut artikulieren könne.

Keine Verurteilung möglich

Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall, hielt der Zeugin eine "selektive Erinnerung" vor. Und sein Kollege Schwemmer monierte, dass sie laut Aktenlage bei der Polizei von einem "Filmriss" gesprochen habe.

Mit der flapsigen Formulierung, so die Frau, habe sie nur ihre bruchstückhafte Erinnerung umschrieben. Nun hatten Gericht und Staatsanwaltschaft aber genug.

Mit Zustimmung der Angeklagten wurde das Verfahren eingestellt. Mit einer Belastungszeugin, die laut Polizei "nicht klar bei Sinnen" war, ließ sich keine Verurteilung begründen. Amtsrichterin Sieglinde Tettmann bezweifelte, "ob wir noch ausreichend aufhellen können, was passiert ist". Was das Gericht von dem Verfahren hielt, zeigte sich auch daran, dass sämtliche Kosten - die Honorare der Rechtsanwälte eingeschlossen - der Staatskasse auferlegt wurden. Eine Einstellung, die einem Freispruch gleichkam.