Kulmbach
Gericht

Schläge und Beleidigungen bringen Mann hinter Gitter

Ein 23-Jähriger steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Nun muss er ins Gefängnis.
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Amtsgericht KulmlbachSymbolbild: BR-Archiv
Amtsgericht KulmlbachSymbolbild: BR-Archiv

Zwölf Einträge hatte ein 23-jähriger Kulmbacher auf seinem Strafkonto schon gesammelt. Jetzt musste er sich, obwohl er unter Bewährung stand, wieder vor dem Amtsgericht in Kulmbach verantworten, und zwar nicht nur wegen eines Verfahrens, sondern gleich wegen mehrerer Delikte.

Die Vertreter der Staatsanwaltschaft - Julius Klug und Alexander Loehr - hatten bei der Verlesung der Anklageschrift alle Hände voll zu tun. Alles begann im Juli 2018. Damals stritt sich der Angeklagte mit seiner Freundin. Sie war mit anderen aus, hatte gefeiert. Als sie dann nach Hause kam, gab es Streit. "Es hat mich genervt, dass sie vom gemeinsamen Geld gefeiert hat." Es kam zu einem Wortwechsel, an dessen Ende der Angeklagte seiner Freundin eine Ohrfeige verpasste.

"Schlampe, blöde Kuh"

Diese Entgleisung war offenbar der Anfang vom Ende der Beziehung. Nun häuften sich die Ausraster. Der Angeklagte trat seine Ex-Freundin mit dem Fuß gegen das Schienbein. Er beleidigt die Mutter der Ex mehrfach und bezeichnete sie als "Schlampe, blöde Kuh und Fotze". Auch gegen eine Nachbarin wurde er ausfällig.Nur einen Tag später, als der Angeklagte noch einige Dinge aus der gemeinsamen Wohnung holen wollte, beschimpfte er zwei Nachbarinnen und die Mutter seiner Ex auf unflätigste Weise.All diese Taten gab der Angeklagte zu.

Doch die emotional aufgeheizte Situation beim Auszug war nicht das einzige Delikt, wegen dem der 23-Jährige vor dem Kadi stand. Am 16. Dezember 2018 wurde er bei einer Kontrolle am Bahnhof in Kulmbach mit 0,15 Gramm Marihuana erwischt. Der Angeklagte gab an, dass er die Drogen nur für einen Freund verwahrt habe.

Außerdem wurde dem Angeklagten Fahren ohne Fahrerlaubnis vorgeworfen. Sein Vater hatte ein Motorrad gekauft und dieses angeblich gedrosselt, damit auch der Sohn damit fahren könne. Das tat der auch - nachdem er an die unversicherte Maschine die Kennzeichen eines früheren Motorrads angeschraubt hatte. Bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle fiel der Schwindel auf.

Der Vorwurf, dass der 23-Jährige ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs gewesen wäre, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Die Vorwürfe der Urkundenfälschung und der Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetzt allerdings blieben und erhärteten sich.

Kind beschimpft

Und schließlich gab es noch einen weiteren Vorfall: Am 4. Juli - also erst vor wenigen Wochen - hat der Angeklagte eine für ihn völlig fremde Frau und deren dunkelhäutige zwölfjährige Tochter als "Niggerhure" beschimpft. Auslöser für diesen erneuten Ausraster war ein zufälliges Zusammentreffen. Die Mutter des Angeklagten wollte rückwärts einparken; der junge Mann saß auf dem Beifahrersitz.

Die Fahrerin des anderen Autos fuhr hinter de Wagen der Mutter des Angeklagten, schüttelte den Kopf und brabbelte vor sich hin. So jedenfalls schilderte sie die Situation. Daraufhin habe der 23-Jährige die Frau und ihre Tochter beschimpft. "Wegen mir hätte ich keine Anzeige erstattet. Aber dass er meine Tochter beschimpft hat, das konnte ich nicht durchgehen lassen", sagte die Autofahrerin im Zeugenstand. Der Angeklagte indes bestritt die Beschimpfungen gegenüber der Tochter. "Bei einem Kind hört der Spaß auf", sagte er selbst. Dass er der Frau gegenüber ausgerastet sei, gab er allerdings offen zu und konnte sich ein Grinsen - über seine derben Sprüche nicht verkneifen.

Einen ganzen Vormittag vernahm Richterin Tettmann Zeugen zu den einzelnen Tatbeständen. Immer wieder titulierte der Angeklagte andere auf ehrabschneidende Weise. Schließlich versuchte Verteidiger Andreas Wiese, die Verfahren wegen Beleidigung und wegen Besitzes von Betäubungsmitteln (wegen der geringen Menge) einzustellen.

"Wir haben hier einen vielfach vorbestraften Straftäter", betonten jedoch die Vertreter der Staatsanwaltschaft Julius Klug und Alexander Loehr.

Am Ende beantragte die Staatsanwaltschaft eine Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und sechs Monaten. Verteidiger Andreas Wiese plädierte für eine letzte Bewährungschance und schlug eine Gesamtstrafe von sechs Monaten vor.

"Unbeherrschtheit"

Richterin Sieglinde Tettmann konnte jedoch keine Chance, dass sich der Angeklagte positiv entwickeln würde, erkennen. Sie verurteilte den 23-Jährigen zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Diese könne nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. "Jeder hat eine Chance verdient. Aber es ändert sich ja nichts. Es liegt hier eine Unbeherrschtheit vor, immer wieder neue Straftaten zu begehen", sagte Tettmann.

Die Palette der Vorahndungen in der Vergangenheit reicht von Körperverletzungsdelikten über vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis bis hin zu Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigungen, Umgang mit explosiven Gegenständen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Hausfriedensbruch.

Auch wegen Sexualdelikten und des Gebrauchs von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen musste sich der Angeklagte schon mehrmals vor dem Gericht verantworten. Zudem wurde er schon wegen Drogendelikten, Erschleichung von Leistungen und anderen Vergehen verurteilt. Jugendstrafen, Arreste, Geldstrafen, Bewährung - alles hat an seinem Verhalten bisher nichts verändern können.

Außerdem wurde bei den routinemäßigen Drogenkontrollen in diesem Jahr schon wieder ein Verstoß festgestellt. "Ich sehe einfach keinen Ansatzpunkt, dass sich was ändern könnte", bedauerte Richterin Sieglinde Tettmann.

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