Ködnitz
Projekt

Scheitert das Großvorhaben? Hupfer-Deal steht auf der Kippe

Die Pläne waren schon fertig: Die Gemeinde Ködnitz entwickelt das Hupfer-Areal. Es kommt offenbar anders.
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Der Hupfer-Saal (links) sollte renoviert, das ehemalige Gasthaus mit den Wohnungen (rechts) abgerissen werden.Jochen Nützel
Der Hupfer-Saal (links) sollte renoviert, das ehemalige Gasthaus mit den Wohnungen (rechts) abgerissen werden.Jochen Nützel

"Satz mit x, war wohl nix." Womöglich gilt der Spruch aus dem Roman "Die kunstvolle Arbeit der Verführung" von Ernst Alexander Rauter für das Hupfer-Areal in Ködnitz - und zwar vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde nicht den Zuschlag bekommt. Denn, so hat die BR erfahren: Das Gelände soll an einen privaten Investor verkauft werden (oder bereits veräußert worden sein). Mit Betonung auf "soll". Nix wäre es demnach mit der vom Gemeinderat mehrheitlich beschlossenen Variante, das Ensemble im Kernort neu zu gestalten. Die von den Mandatsträgern favorisierte Variante sah vor: das ehemalige Gast- und Wohnhaus abreißen, den alten Saal revitalisieren sowie eine Mehrzweckhalle errichten. Veranschlagte Kosten: rund 1,8 Millionen Euro, gefördert mit bis zu 90 Prozent.

Das war die Beschlusslage noch im März gewesen. Wie aber kam es zu den jüngsten Entwicklungen? Hier verweben sich Fakten mit Spekulationen, denn die Personen, die über den Sachverhalt aufklären könnten, hüllen sich in Schweigen. Bürgermeister Stephan Heckel-Michel (CSU) bat gestern gegenüber der BR um Verständnis, dass er sich aktuell zum Thema nicht äußern will. Die Eigentümerfamilie wiederum meldete sich auf mehrfache BR-Nachfrage nicht.

Plötzlich wieder im Angebot

Verwunderung kam auf, als das Hupfer-Areal vor einiger Zeit plötzlich wieder im Aushang eines Kulmbacher Immobilienmaklers auftauchte. Damals fragten sich viele warum, musste man doch davon ausgehen, dass sich Gemeinde und Eigentümer zu jenem Zeitpunkt handelsei nig waren. Das war offenbar nicht der Fall. Aufgrund der An nonce hätten sich mehrere Interessenten beim Makler gemeldet, einer habe den Zuschlag erhalten, heißt es. Eine Bestätigung dafür gibt es wohlgemerkt nicht.

Im Rahmen des "Kleinen Bierfestes" im August waren beim geselligen Beisammensein am Feuerwehrhaus Mutmaßungen kolportiert worden, wonach es nichts werde mit einer gemeindlichen Nutzung. Hellhörig geworden sind da unter anderem die Theaterleute der "Buschklopfer". Sie waren bereits vor Jahren Nutzer des Saales gewesen und hatten dort ihre Theateraufführungen veranstaltet.

Wenn das Projekt platzt: Was geschieht mit den avisierten Zuschüssen? Beim Amt für Ländliche Entwicklung in Bamberg ließ man die BR wissen: Über den Sachstand zur Förderung könne man keine Auskunft geben, dafür müsste man sich an die Gemeinde wenden. Aha. Heckel-Michel hatte im März bet ont: "Aufgrund der Fördermöglichkeit, des Engagements der Dorfgemeinschaft und der sich abzeichnenden Nutzungsmöglichkeiten plädiere ich dafür, einen Förderantrag zu stellen." Oder standen hinter dem Projekt doch größere Fragezeichen, die ihn bewogen haben zu warten? Vielleicht zu lange aus Sicht der Eigentümer, die nicht länger vertröstet werden wollten?

Bewegte Vergangenheit

Der Saal jedenfalls hat eine bewegte Vergangenheit. Faschingsfeten fanden hier statt, bunte Nachmittage, Liederabende des Gesangvereins sowie diverse Weihnachtsfeiern. Die Galerie war dabei immer ein besonders beliebter Platz. Doch der Zahn der Zeit, er kaute regelrecht am Gebäude. Wenn es erhalten und dauerhaft genutzt werden soll, muss viel Geld in die Hand genommen werden. Dann hätten wieder, wie früher, Veranstaltungen von Gemeinde, Kirche, Parteien und Vereinen dort stattfinden können.

Klotz am Bein

"Hätte, hätte, Fahrradkette", wie SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück einst reimte. Der Vorgang freilich wirft weitere Fragen auf. Fragen zur Förderung, aber auch, was die Eigentümer bewogen hat, die Immobilie offenbar nicht an die Gemeinde zu verkaufen. Es wird munter spekuliert im Ort. War das Preisangebot des Investors besser als das der Kommune? Mancher äußert Verständnis, dass die Familie den Klotz am Bein weg haben wollte. Oder war es vielmehr so, dass die Entscheidungsträger das Projekt "verschliefen", wie geunkt wird? Womöglich gar absichtlich verschleppt - aus Angst vor den Unterhaltskosten, die die Gemeinde hätte tragen müssen?

Wobei CSU-Gemeinderat und Dritter Bürgermeister Heinz Mösch im März noch folgende Rechnung aufgemacht hatte: Erklärtes Ziel sei "die kostendeckende Bewirtschaftung" des Hupfer-Saales. Ausgehend von 52 Veranstaltungen im Jahr - mit einer Saalmiete von 116 Euro - wären die jährlichen Unkosten von rund 6000 Euro gedeckt.

Wie bereits erwähnt: Diejenigen, die diese Fragen beantworten könnten, schweigen. Anrufe bei Gemeinderatsmitgliedern ergeben unisono: Man dürfe über die Causa Hupfer nicht sprechen. Die Angelegenheit sei derzeit als nichtöffentlich zu betrachten. Bleibt abzuwarten, ob - und wenn ja wie - der Bürgermeister am Montag in der Gemeinderatssitzung das Thema zur Sprache bringen wird.

Die Räte hatten sich am Samstag zu einer außerordentlichen Sitzung getroffen. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, worüber beratschlagt worden ist. Vielleicht eine Art Rettungsmission. Was der mögliche Käufer aus dem Ensemble macht? Die Spekulationen werden vorerst nicht abreißen. Von Studentenwohnungen ist die Rede, die belegt werden, sobald der Uni-Campus in Kulmbach seinen Betrieb aufnimmt. Eine Bürgerin stellt dabei eine provokante Frage: "Wer sollte denn von diesen Studenten freiwillig nach Kengst wollen?"

Theaterleute sind enttäuscht

Die Vereinsvorsitzende der "Buschklopfer", Carolin Wagner, verfolgt gespannt die Entwicklung zum Hupfer-Areal. "Wir sind derzeit wunderbar im Kleinkunstbrettla in Untersteinach untergebracht. Wir haben uns damals in Ködnitz sehr wohlgefühlt und verbinden schöne Erinnerungen mit unseren Aufführungen dort."

Wenn es mit der Revitalisierung des Saales geklappt hätte, hätten die "Buschklopfer" den Saal gerne mit neuem Leben erfüllt. "Wir haben die Pläne zum Umbau begrüßt. Diese Örtlichkeit wäre klasse für jeden Künstler. Wenn sich das nun aber alles in Luft auflöst, wäre es sehr schade." Wagner hätte sich sehr gefreut, wenn der Gemeinderat die vorgestellte Variante auch umgesetzt hätte. Zumal in Aussicht gestellt war, dass 90 Prozent der Kosten durch Zuschüsse gedeckt seien. "Wir hatten auch immer das Gefühl, dass Bürgermeister Stephan Heckel-Michel dem Projekt positiv gegenübersteht Wir als ,Buschklopfer' hatten den Eindruck, es gehe nur noch um planerische Details."

Kommentar

Öffentliches Interesse oder: Wie die Presse sich Freunde macht Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken: Das waren die markigen Worte eines Mannes, der mit seinem Nachrichtenmagazin gern im Fokus stand. Mit Fakten sollten Journalisten immer hantieren. Sie zu beschaffen und zu verifizieren, gehört zum Rüstzeug und ist Teil des Berufsethos. Doch was, wenn der Journalist mehr weiß, als er schreiben kann/darf, weil eine Quelle ihm lediglich Hintergrundinfos gibt, die aber unter keinen Umständen in der Zeitung erscheinen sollen? Was, wenn es nur Mutmaßungen sind, wenn auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit?

Auch das gehört zu unserem Geschäft. Wie die Politik, so müssen auch Redakteure erklären, warum sie wie handeln. Warum sie warten, eine Zeitlang Rücksicht nehmen, dann aber doch ein Thema ins Blatt heben. So wie das vom Hupfer-Areal. Verständlich, dass die Eigentümer sich wundern, wieso der Verkauf einer privaten Immobilie die Öffentlichkeit interessieren soll. Diese Frage darf man stellen.

Das private wird aber zum öffentlichen Interesse, sobald der potenzielle Käufer eine Kommune ist und für Erwerb/Renovierung Fördermittel beantragt. Dann nämlich geht es um Steuergelder - also unser aller Geld, das wir Mandatsträgern und der öffentlichen Hand treuhänderisch anvertrauen, um es im besten Sinn für die Allgemeinheit zu investieren. Ab diesem Zeitpunkt haben Journalisten geradezu die Pflicht, die Bürger zu informieren (wenn es schon die gewählten Mandatsträger nicht tun, aus welchem Grund auch immer). Das ist die Daseinsberechtigung der Presse im staatlichen Gefüge.

Fair und ausgewogen sollte es zugehen, alle Beteiligten zu Wort kommen nach dem Grundsatz Audio et

altera pars, übersetzt: "Man höre auch die andere Seite." Wenn sich freilich beide Seiten nicht äußern, wird es schwierig. Das öffentliche Interesse bleibt ja, also muss man recherchieren, nachhaken, einordnen. Zugegeben: Damit machen sich Zei tungsleute eines selten - Freunde. Wie oft wurde der Überbringer der schlechten Nachricht selber als Verursacher der Negativ-Botschaft verdammt? Ursache und Wirkung verwechseln, das kommt vor.

Aber dass Journalisten durch Berichterstattung Immobilienkäufe torpedieren? Mit Verlaub: Da überschätzt man die Macht der (Lokal-)Presse als angebliche vierte Gewalt im Staat dann doch gewaltig.



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