Kulmbach
Aktion

Samstag ist wieder Fledermausnacht auf der Plassenburg

Was fressen Fledermäuse? Und wie wirkt sich der Rückgang der Insekten als Nahrungsquelle aus? Auch darum geht es bei der LBV-Fledermausnacht.
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Eine Gruppe Fledermäuse (hier: das Große Mausohr) hängt kopfüber an einer Gewölbedecke. Andreas Hartl/LBV
Eine Gruppe Fledermäuse (hier: das Große Mausohr) hängt kopfüber an einer Gewölbedecke. Andreas Hartl/LBV

Das Image vom fliegenden Blutsauger haben sie zwar langsam überwunden - und dennoch kann sich nicht jeder an ihrem Anblick erfreuen. Erich Schiffelholz hingegen schon. Der Vorsitzende der Kulmbacher Kreisgruppe im Landesbund für Vogelschutz (LBV) mag die Fledermaus (botanischer Name: Microchiroptera). "Die Tierart ist zum Großteil noch unerforscht. Es stehen viele Fragezeichen etwa hinter dem, wie das genau mit der Schallortung funktioniert, die erst seit den 1930er Jahren überhaupt als solche bekannt ist. Wir kennen längst nicht alle Details zur Lebensweise und wissen nicht, welche Ansprüche sie an ihre Quartiere stellt. Genau das aber ist wichtig, um das Überleben der Spezies zu sichern."

Die Vorträge anlässlich der Fledermausnächte, die Schiffelholz seit 2002 auf der Plassenburg anbietet, haben zu einem besseren Verständnis für die "Vampire der Luft" geführt, wie mancheiner die Fledermaus noch immer bar jeder Sachkenntnis nennt. Diese Tierart existiert in kaum veränderter Bauweise seit etwa 50 Millionen Jahren auf der Erde - damit hängt sie den Homo sapiens um Längen ab. Und dennoch ist es gerade der Mensch, der für das fliegende Erfolgsmodell der Evolution eine große Gefahr darstellt.

Um ein besseres Verständnis für Mausohr, Hufeisennase, Zwergfledermaus & Co. zu wecken, bietet der LBV europaweit seit 23 Jahren regionale Veranstaltungen zum Thema an. Am Samstag findet die nächste Aktion dieser Art statt (siehe Infokasten unten). In Kulmbach bittet die Organisation wieder auf die Burg, denn nicht zuletzt die Keller sind begehrtes Refugium in den Wintermonaten und aus diesem Grund seit mehreren Jahren FFH-Gebiet.

Aktuelle Zahlen

Alle Jahre findet dort auch eine Zählung der Exemplare statt. Die nimmt Biologe Burkhard Pfeiffer von der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern vor, die wiederum an die Universität Erlangen angedockt ist. "Die Zahlen sind leider wieder etwas rückläufig, aber noch nicht beunruhigend", sagt Schiffelholz.

Die Art, die mit Abstand am häufigsten in den alten Gemäuern vorkommt, ist die Zwergfledermaus: 148 der insgesamt 175 gezählten Tiere gehören dazu. Sie sitzen in einem offenen langen Gang in Mauerspalten. Bei den Mopsfledermäusen wurden 15 Tiere registriert. "Wir hatten da auch schon doppelt so viele", sagt der Experte. Diese Unterart ist relativ kälteresistent. "Es kann sein, dass sie schon eher ausfliegen, wenn der Winter milder ist." Beim Großen Mausohr sind sieben Exemplare aktenkundig, ein Einzelgänger bei der Langohrfledermaus. Dazu gesellen sich einige unbestimmte Arten. "Über die Jahre hatten wir im Winterquartier mindestens elf verschiedene Arten, wobei etwa die Bartfledermaus nur schwer von anderen zu unterscheiden ist. Für ganz Bayern sind 24 Arten registriert."

Wenn Nahrung Mangelware wird

Doch die haben zu kämpfen - nicht zuletzt wegen des Insektensterbens. "Wenn die Nahrung fehlt, trifft es logischerweise auch die Fledermäuse. Wenn eine Tierart zu 100 Prozent auf Insekten angewiesen ist, ist sie schnell hochgradig bedroht. Sie kann sich ja nicht einfach auf anderes Futter umstellen."

Unmöglich, so Schiffelholz, wäre es, freilebende Bestände draußen zu füttern. "Viele Arten fangen sich ihre Nahrung aus der Luft, das Große Mausohr vertilgt Laufkäfer, die es am Boden findet." Was der Mensch freilich tun kann, so der Kreisvorsitzende: "Die Grundlagen für die Futtertiere verbessern und nicht noch weiter schmälern. Das fördert man, indem man blütenreiche Gärten fördert. Dazu kann jeder einen Beitrag leisten."

Gefahr durch Pestizide

Die Landwirtschaft trage mit ihrem Pestizideinsatz zu einem anderen Problem bei: "So eine Fledermaus frisst pro Nacht bis zu 5000 Mücken, etwa ein Drittel ihres Eigengewichts. Was aber, wenn die Insekten durch Spritzmittel kontaminiert sind? Eine Fledermaus lagert Futter für den Winter in ihren Fettdepots ein. Sobald der Körper das nach und nach umwandelt, gelangen automatisch die Gifte in den Kreislauf. Muttertiere geben über die Milch die Stoffe an ihren Nachwuchs weiter - und das hochkonzentriert. Es ist bekannt, dass früher Holzschutzmittel wie PCB sich im Organismus der Fledermäuse anreicherten und zu Vergiftungen führten." Eine weitere Bedrohung stellt der Wegfall geeigneter Unterschlupfmöglichkeiten dar.

Und noch eine andere zivilisatorische Entwicklung könnte schädlichen Einfluss auf das Leben der Luftakrobaten haben: elektromagnetische Strahlung, beispielsweise verursacht durch Mobilfunk. Solche Felder hätten, wie neuere Forschungen ergeben, negative Auswirkungen auf den Orientierungssinn. Bei Bienen sei dies bereits relativ gut dokumentiert, schreibt etwa Biologe Ulrich Warnke in einer Studie für den Bund Naturschutz Deutschland - und bei Fledermäusen läge der Verdacht einer durch Strahlung verursachten Desorientierung zumindest nahe.

Termin Im Rahmen der "Europäischen Fledermausnacht 2019" findet am Samstag, 24. August, von 16.30 bis gegen 22.30 Uhr

im Schönen Hof der Plassenburg die lokale Infoveranstaltung statt. Vorträge Informationen zu dieser geheimnisumwobenen Tiergruppe gibt Erich Schiffelholz von der LBV-Kreisgruppe bei zwei Vorträgen um 18.30 und 20 Uhr in der Burgkapelle. Daran schließt sich jeweils eine Führung in die Keller der Burg an. Taschenlampen und festes Schuhwerk sind empfohlen. Bei der zweiten Führung gegen 21.15 Uhr kommen mehrere sogenannte Bat-Detektoren zum Einsatz: Sie machen die Ultraschalllaute jagender Fledermäuse hörbar für das menschliche Ohr. Ein Infostand des LBV ist ab 17 Uhr im Schönen Hof besetzt. Spielmobil Die Veranstaltung findet in enger Zusammenarbeit mit den Burgführern und dem Spielmobil des Landkreises Kulmbach statt, betreut von jungen Helfern des Kreisjugendrings. Angeboten werden Basteleien und Spiele zum Thema. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Zubringer Der Plassenburg-Express fährt zu den planmäßigen Zeiten. Der Eintritt ist frei. Die Burgschänke und auch die Cafeteria sind während der Veranstaltung geöffnet.red

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