Sanspareil
Interview

Saisonstart auf der Burg Zwernitz

Auf der Burg Zwernitz unternahmen wir einen Rundgang durch die Dauerausstellung "Markgräfliche Jagd" und sprachen mit Günther Schwarzott und Peter Müller.
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Bei einem Gang durch die Dauerausstellung "Markgräfliche Jagd" auf der Burg Zwernitz sprach die BR mit Kastellan Günther Schwarzott (rechts) und dem Vorsitzenden des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach, Peter Müller, über das Thema Jagd "früher und heute".Adriane Lochner
Bei einem Gang durch die Dauerausstellung "Markgräfliche Jagd" auf der Burg Zwernitz sprach die BR mit Kastellan Günther Schwarzott (rechts) und dem Vorsitzenden des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach, Peter Müller, über das Thema Jagd "früher und heute".Adriane Lochner
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Am Ostersonntag ist es wieder so weit, die Burg Zwernitz in Sanspareil erwacht aus dem Winterschlaf und öffnet ihre Pforten für die kommende Saison. Das Prunkstück des Burgmuseums ist die Dauerausstellung "Markgräfliche Jagd". Zahlreiche Ölgemälde, historische Waffen, Jagdhörner und andere Utensilien veranschaulichen das höfische Jagdwesen in den beiden Markgrafentümern Ansbach und Bayreuth.

Doch wie hat sich die Jagd über die Jahrhunderte verändert? Bei einem Rundgang durch die Ausstellung erklären Kastellan Günther Schwarzott und Peter Müller, der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins Kulmbach, die Unterschiede.

BR:Welchen Stellenwert hatte die Jagd früher, welchen heute?

Schwarzott: Die Jagd wurde an allen Höfen des Barockzeitalters gepflegt. Für die Herrscher war sie ein Gesellschaftsereignis, so wie man heute eine Grillparty feiert oder ins Kino geht. Es ging darum, sich mit Freunden zu treffen und soziale Kontakte zu knüpfen. Natürlich wollten die Markgrafen auch mit ihrem Prunk und Reichtum glänzen.

Müller: Die Jagd als Gesellschaftsereignis hat heute noch immer einen gewissen Stellenwert, etwa bei den Drückjagden im Winter. Doch im Großen und Ganzen ist Jagd heute Bestandteil eines Gesamtkonzepts, das die Belange der Land- und Forstwirtschaft berücksichtigt. Man jagt oft alleine und zwar dort, wo Rehe etwa jungen Bäumen Schaden zufügen oder Wildschweine Äcker verwüsten.

In den Ausstellungsräumen fallen aufwendig bestickte Wimpel in großen Glasvitrinen auf. Was haben sie mit der Jagd zu tun?

Schwarzott: Mit solchen Stofflappen wurden früher ganze Waldstücke abgehängt, um die Wildtiere in eine bestimmte Richtung zu treiben, meist in eine große Arena. In deren Mitte saß die Jagdgesellschaft und erlegte sie in aller Seelenruhe. Das nannte man "eingestellte Jagd". Ab und zu kam es vor, dass eine Kugel einen Schaulustigen traf.

Müller: Dass man aus purer Lust am Töten jagt, wäre heute nicht mehr vorstellbar. Jäger müssen sich am Tierschutz orientieren. Dazu kommen die Unfallverhütungsvorschriften, die eine solch riskante Jagdgestaltung gar nicht erlauben würden. Lappjagd ist in Deutschland verboten, aber das Sprichwort "durch die Lappen gehen" hat sich bis heute gehalten.

Die Ölgemälde des Oberjägermeisters von Pöllnitz zeigen fast nur Jäger hoch zu Ross. Wie verhält es sich mit dem Reiten und der Jagd?

Schwarzott: Die Fähigkeiten, die man bei der Jagd brauchte, vornehmlich Reiten und Schießen, waren dieselben wie im Krieg. Daher war die Jagd ein gutes Training. Beliebt waren die sogenannten Parforcejagden, bei denen die adeligen Jäger zu Pferde einzelne Wildtiere verfolgten.

Müller: Berittene Jagd ist heute lediglich Traditionspflege, hierzulande ohne lebendes Wild. "Gejagt" wird etwa ein Reiter, der einen Fuchspelz bei sich trägt. Im Vordergrund stehen die Reitfähigkeiten im Gelände, mit eigentlicher Jagd hat das nicht mehr viel zu tun.

Die Ölgemälde zeigen wahre Horden von Jagdhunden. Welche Bedeutung hatten diese Vierbeiner?

Schwarzott: Hunde wurden bei der Parforcejagd als Treiber eingesetzt. Es gab teilweise Meuten mit mehr als 100 Hunden. Man wollte schnelle Hetzhunde haben, die vom Pferd aus mit einem Peitschenknall dirigiert wurden. Wahrscheinlich waren das englische Hunderassen. Alles, was damals aus England und Frankreich kam, galt als schick.

Müller: Heute ist es laut Gesetz verboten, ein Tier auf ein anderes zu hetzen, aber Hunde spielen nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Jagd. Es gibt viele spezialisierte Rassen. Manche sind besonders dazu geeignet, Wild aufzustöbern und in Bewegung zu bringen. Andere können angeschossenes Wild über weite Distanzen aufspüren.

Neben den Exponaten gibt es in der Ausstellung Mitmachstationen für Kinder. Eine der spannendsten ist mit Audioaufnahmen von Jagdsignalen bestückt. Was hatte es mit den Jagdhörnern auf sich?

Schwarzott: Das Parforcehorn hat seinen Namen von der Parforcejagd, bei der es regelmäßig eingesetzt wurde. Es war so groß, dass man es um den ganzen Körper hängen konnte. Signale waren wichtig, nur so konnte der Jagdherr mit den Jägern kommunizieren, etwa sagen, wann die Jagd beginnt oder aufhört.

Müller:
Heute hat jeder eine Uhr oder ein Handy. Parforcehörner oder die kleineren Fürst-Pless-Hörner gibt es immer noch, hauptsächlich zur Brauchtumspflege, etwa zum "Strecke verblasen". Für jede Wildart gibt es ein eigenes Jagdsignal.

Wie haben sich die Waffen über die Zeit verändert?

Schwarzott: Zur Zeit des Markgrafen hatte man zahlreiche Stichwaffen, etwa die Saufeder, ein langer Stock, an dem ein Messer befestigt ist. Damit konnte man vom Pferd aus ein Wildschwein erlegen. Daneben gab es auch Schusswaffen, allerdings nur Vorderlader, bei denen jede Kugel aufwendig mit dem Schießpulver in den Lauf gestopft werden musste. Für diese Aufgabe hatten die Adeligen ihre Waffenträger dabei.

Müller: Waffenträger braucht es heute nicht mehr, moderne Gewehre sind so einfach und schnell zu laden, dass das jeder selbst machen kann. Außerdem sind sie viel präziser dadurch, dass die Kugel im Lauf einen Drall bekommt. Die Saufeder gibt es heute noch. Wenn beispielsweise der Hund ein angeschossenes Wildschwein gefunden hat, ist Schießen oft zu gefährlich. Bei solchen Einsätzen benutzt man ein Messer oder eben die Saufeder.


Info: Burg Zwernitz

Sehenswertes Neben der Jagdausstellung gibt es einen Ritterraum mit Rüstungen und Hellebarden. Kinder können Ritterhelm und -handschuhe anprobieren oder das Gewicht einer Kanonenkugel schätzen. Ausgrabungsfundstücke wie Tonscherben, Speerspitzen oder die Überreste eines alten Wagenrads stammen aus verschiedenen Epochen vom Jahr 1200 bis 1800. Der Ausblick vom Turm, Bergfried genannt, reicht vom Buchenhain bis zur Kirchturmspitze in Wonsees.

Öffnungszeiten April bis September von 9 bis 18 Uhr. Letzter Einlass ist 30 Minuten vor Schließung; montags geschlossen, geöffnet an Feiertagen (zum Beispiel Ostermontag, Pfingstmontag etc.). Infos unter Telefon 09274 808909-11.

Gastronomie Gerichte aus heimischer Jagd stehen in den Gasthäusern rund um Burg Zwernitz regelmäßig auf der Speisekarte. Am Ostersonntag, 1. April, gibt es im Gasthof "Zur Krone" in Wonsees (09274 441) Wildhasen-Keule oder Rehbraten und im Gasthaus Weith in Großenhül (09274 467) Wildhasen-Keule oder Wildschweinbraten. alo
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