Rugendorf
Premiere

Rugendorfer Akteure brillieren mit neuem Stück

Die Rugendorfer Theatergruppe bot mit dem neuen Stück "Stirb schneller Liebling" einen Abend der Extraklasse.
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Als "himmlisches" Paar versöhnt: Jonas Gleich und Sandra Walter.Klaus Klaschka
Als "himmlisches" Paar versöhnt: Jonas Gleich und Sandra Walter.Klaus Klaschka
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Nicht nur Lesen bildet, sondern auch Theater. Diese Erkenntnis konnte man am Samstag gleich zum Auftakt der Premiere des neuen Stücks der Rugendorfer Theatergruppe gewinnen. Vier Kilo oder 46 Rollen Klopapier verbraucht nämlich jeder Deutsche im Jahr; und es gibt zwei Sorten Klopapierverwender: Knüller und Falter.

Mit diesen Erkenntnissen versorgte Daniel Schmidt zur Einführung in das Stück "Stirb schneller Liebling" das Publikum, noch bevor der Vorhang aufging. Und mit diesem Wissen gewappnet, erlebte das Publikum im voll besetzten Haus der Jugend einen zweistündigen Theaterabend der Extraklasse, neun höchst engagierte Schauspieler und eine spritzige tragisch-komische Geschichte.

Mit den eingangs erworbenen Konsumdaten kann man sich als Zuschauer nur wundern, wie die Papierfabrik am Beginn des Steinachtals denn nur pleite gemacht haben kann, und sich gleichzeitig vorstellen, wie viel Reichtum sich der Toilettenpapierfabrikant Kurt Kniesebeck (Jonas Gleich) erworben hat. Aber, dass Geld allein nicht glücklich macht, ist eine Binsenweisheit, die auch für die Ehe des Fabrikanten zutrifft: Seine Frau Paula (Sandra Walter) strebt nach etwas Besserem - einem Gestüt, für das Kniesebeck keinen Sinn hat. Fußball und der Umgang mit einfachen Leuten sind ihm gut genug. Ständiger Ehekrach mit zerdepperten Tassen und nur noch bösartigen Bemerkungen sind die Regel.

Nachbarin Luise (Andrea Schuberth) argwöhnt, nicht zu Unrecht, dass Kniesebeck ein Verhältnis hat: "Sekretärin" Susanne (Sabrina Nützel) hofft, bald Firmenchefin zu werden; Tochter Caroline (Lena Krauß) sucht Familiäres bei ständig wechselnden Partnern, und Butler Jean (Manuel Rödel) steht immer zwischen den Fronten. Lediglich Haus-Handwerker Ali (Pascal Krombholz) bekommt vor lauter, wenn auch untalentierter, Arbeitsbeflissenheit von alle dem nichts mit. Eine Scheidung ist jedoch ausgeschlossen: Keiner gönnt dem anderen die Hälfte des Familienvermögens.

Gemäß dem Eheversprechen "bis dass der Tod euch scheidet" kommen beide auf die Lösung des gesamten Problems: Jeder engagiert einen professionellen Mörder, der den leidigen Ehegatten beseitigen soll. Dass die beiden "Spezialisten" (Albert Müller und Annerose Hohner) nach ein paar Abendkursen ebenso (un)talentiert wie der Haushandwerker sind, macht die Lösung des Eheproblems nicht einfacher. Dieses löst sich schließlich ganz anders als ursprünglich geplant...

Die Dialoge des Stücks sind spritzig, direkt, scheinheilig und bissig. Die Gags zünden, das Publikum reagiert prompt, zwischendrin gibt es öfter Szenenapplaus, die Lacher sind spontan. Nichts auf der Bühne wirkt gespielt. Sandra Walter gibt die Neureiche mit Chic und Arroganz, Jonas Gleich den Fabrikanten mit Geschäftigkeit, Andreas Schubert spielt alle Szenen voll aus, Manuel Rödel behält die Fasson mit antrainierter Korrektheit, Pascal Krombholz kracht durch die Szenen, Lena Krauß bleibt immer die Unbedarfte, Sabrina Nützel die Hintertriebene, Annerose Hohner und Albert Müller bleiben durchgehend glaubhaft die Dilettanten in ihrem "Job", den sie am Ende schließlich aufgeben.

Hinter den Kulissen: Daniel Schmidt und Tobias Lamnek in der Technik und Melanie Hohner als Souffleuse. Für alles andere ist Ramona Löffler zuständig.

Für die Vorstellung am Sonntag, 14. April, ab 18.30 Uhr gibt es nur noch Restkarten.



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