Rugendorf
Entscheidung

Rugendorf: Wasser muss nicht mehr abgekocht werden

Das Trinkwasser entspricht wieder den gesetzlichen Vorgaben und ist gesundheitlich unbedenklich.
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Das Wasser in Rugendorf muss nicht mehr abgekocht werden.Archiv/Patrick Pleul, dpa
Das Wasser in Rugendorf muss nicht mehr abgekocht werden.Archiv/Patrick Pleul, dpa
Gute Nachricht für die Bürger von Rugendorf: Das Trinkwasser entspricht wieder den gesetzlichen Vorgaben und ist damit gesundheitlich unbedenklich. Mit sofortiger Wirkung konnte daher gestern das seit Mitte November geltende Abkochgebot wieder aufgehoben werden, wie die Gemeinde auf Veranlassung des Staatlichen Gesundheitsamts mitteilte.

Ein kleiner Wermutstropfen allerdings bleibt, wie Bürgermeister Ralf Holzmann betont: Nach wie vor muss das Wasser gechlort werden. Erst wenn lange genug keine erneuten Belastungen mit Bakterien aufgetreten sind, kann auch die Chlorung unterbleiben. Wann dies der Fall sein wird, entscheidet das Gesundheitsamt, das dazu regelmäßig Proben nimmt. Die Suche nach den Ursachen der Beeinträchtigung der Wasserqualität dauert bis heute an.


Erhöhter E-coli-Wert

Im Zuge der Abnahme der Trinkwasserleitung für das neue Baugebiet Langenbühler Weg III war im November 2017 bei der damit verbundenen Wasseruntersuchung ein erhöhter Wert an Escherichia coli und coliformer Keime festgestellt worden. Am 15. November wurde dann nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt ein Abkochgebot für das Trinkwasser erlassen. Das Amt empfahl auch, Nahrung, insbesondere Baby-Brei, nur frisch zuzubereiten und zu füttern, nicht aber länger stehen lassen. Dann könnten sich eventuelle Keime nämlich wieder vermehren.

Wenige Tage später hatte die Leiterin des Staatlichen Gesundheitsamts, Camelia Sancu, in der Bürgerversammlung darauf hingewiesen, dass das Rugendorfer Wasser trotz der Belastung für gesunde Erwachsene nicht akut gesundheitsschädlich sei, möglicherweise aber für Geschwächte oder Babys und Kleinkinder. Nach den sehr strengen deutschen Anforderungen an die Trinkwasserqualität müsse das Gesundheitsamt eine Abkochanordnung erlassen, schon wenn, wie im Fall Rugendorf, ein einziges E.coli-Bakterium pro 100 Milliliter Wasser festgestellt ist.

Diese Bakterien können Magen- und Darmentzündungen, Durchfälle und dergleichen verursachen.
Verunreinigungen wurden an zwei der vier Rugendorfer Quellen festgestellt, die oberhalb des Hochbehälters Richtung Losau liegen.

In der Folge wurden die beiden Quellen, bei denen Belastungen mit Keimen festgestellt worden waren, von der Wasserversorgung getrennt. Die beiden anderen lieferten keimfreies Wasser, ihre Mengen reichten gut aus.

Der Hochbehälter wurde vor fünf Jahren neu gebaut und besteht aus Edelstahl. In ihn kann kein unfiltriertes Fremdwasser aus der Oberfläche einsickern. Allerdings weiß man bisher nicht, aus welcher Tiefe die beiden kontaminierten Quellen das Wasser holen. Geologen des Wasserwirtschaftsamts müssen dies untersuchen.

Camelia Sanku betonte, in der Regel sei Wasser rein, sobald es, so eine Faustregel, über 50 Tage durch den Boden gesickert und damit gefiltert sei, bis es in der Bodenschicht angelangt sei, aus der sich die jeweilige Quelle speise. Bei besonders viel Regen, wie 2017, geschehe dieses Durchsickern allerdings schneller, der natürliche Filterprozess sei dann eingeschränkt.

Eine "Überdüngung von Feldern" als Ursache schloss die Leiterin des Gesundheitsamts aus. Die Rugendorfer Quellen speisen sich aus einem Waldgebiet, das nicht gedüngt werde. Gemutmaßt wurde, dass tierischer Kot die Ursache der Verunreinigung sein könne.

Das Problem mit der Verunreinigung: Im weit verzweigten Leitungssystem vom Hochbehälter bis in die Haushalte befanden sich nach wie vor Keime. Um diese abzutöten, wurde schließlich gechlort.
Was die rechtlichen Gegebenheiten betrifft, wies Bürgermeister Holzmann in einer Gemeinderatssitzung darauf hin, dass die Erlaubnis zur Benutzung der Quellen und der Grundwasserentnahme bis 31. Dezember 2022 erteilt sei.

Bedingung sei, dass bis 31. Dezember 2019 die Planung für ein ausreichend dimensioniertes Wasserschutzgebiet vorgelegt werde. Somit bleibe noch etwas Zeit.

Gleichwohl, so Holzmann, werde die Gemeinde hier schnellstmöglich die notwendigen Unterlagen erstellen und mit den noch verbliebenen Eigentümern der Grundstücke im Bereich der Quellen über den Erwerb beziehungsweise die langfristige Nutzungsübernahme sprechen. "Hierzu müssen wir jedoch zunächst belastbare Ausmaße der Schutzgebiete haben. Dies ist Aufgabe der beauftragten Büros." Diese sollten erkunden, aus welchem Gebiet sich das Wasser sammelt, das die Quellen beziehungsweise Grundwasserstellen speist. Die Befürchtung seines Vorgängers Martin Weiß, eines Tages Fernwasser trinken zu müssen, teilt Holzmann nicht: "Ich habe auf keinen Fall die Absicht, die Wasserversorgung des Hauptortes Rugendorf in die Hände eines überörtlichen Versorgers zu legen."


Weiteres Vorgehen

Wenn ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen sei, werde das gesamte neue Gelände umzäunt, um Wildtiere fernzuhalten, deren Kot die Wasserqualität beeinflussen könnte.

Das weitere Vorgehen zerläuterten dem Gemeinderat in der Sitzung Anfang Februar Erich Hahn und Frieder Ludwig vom Planungsbüro IBP in Kulmbach.

Im Raum stehen eine dauerhafte UV-Bestrahlung des Wassers und eine eventuelle zusätzliche Ultrafiltration. Für eine genaue Entscheidung beziehungsweise Empfehlung an den Gemeinderat, bei dem auch das Gesundheitsamt noch zu beteiligen ist, fehlen augenblicklich noch die Werte bezüglich Lichtdurchlässigkeit und Trübung des Wassers.

Der Hochbehälter soll in jedem Fall mit Glasfaser erschlossen werden. Damit wäre ein Monitoring (Beobachten der Wasser-Messdaten) aus der Distanz möglich.
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