Unterzettlitz
Natur

Rotmaintal bei Melkendorf auf dem Weg zum Paradies

30 Helfer des Landesbunds für Vogelschutz waren im Rotmaintal unterwegs, um optimale Brutmöglichkeiten für Braunkehlchen und Co. zu schaffen.
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Ein Braunkehlchen auf einer künstlichen Ansitzwarte aus Bambus Foto: Archiv/Frank Schneider
Ein Braunkehlchen auf einer künstlichen Ansitzwarte aus Bambus Foto: Archiv/Frank Schneider
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Na, das war doch einmal eine nachahmenswerte Aktion in freier Natur. Mit Fäustel und Eisenrammern bewaffnet, stapften über 30 Freiwillige, darunter 13 Kinder und Jugendliche, durchs Rotmaintal. Ihr Ziel war, sehr weiträumig etwa 1800 Bambusstecken zu verteilen.

Nach knapp fünf Stunden konnten die fleißigen Helfer Vollzug melden. Organisator Frank Schneider von der Kulmbacher Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) war begeistert: "Es ist Wahnsinn, was ihr trotz des immer noch sibirischen Permafrostbodens geschafft habt."


Optimale Bedingungen


Ende April wird sich zeigen, ob der Einsatz erfolgreich war. Dann kehren - hoffentlich - viele Braunkehlchen aus ihrem Winterquartier in der Sahara zurück. Bei Unterzettlitz werden sie dann beinahe optimale Lebensbedingungen vorfinden.

Frank Schneider ist ein Experte in Sachen Braunkehlchen. "Sie verstecken ihr Nest auf dem Boden in insektenreichen Wiesen und Brachen." Ihre Beute würden sie von erhöhten Warten aus erspähen. "Braunkehlchen jagen immer von Warten. Sie singen dort aber auch."


Population "rasant zusammengebrochen"


Bis in die 1970er Jahre hinein sei das Braunkehlchen, das von Mai bis Mitte/Ende Juni brütet, ein häufiger und im Maintal, im Frankenwald und im Fichtelgebirge weit verbreiteter Wiesenvogel gewesen, so Schneider. Dann sei die Zahl deutlich zurückgegangen. Seit etwa 15 Jahren seien nahezu alle Bestände in der Region "rasant zusammengebrochen".

"Heute ist dieser Vogel landkreisweit ausgestorben, nur im Gebiet zwischen Melkendorf, Wickenreuth und Zettlitz gibt es noch letzte Brutpaare." Was sind die Gründe? Der LBV-Experte nennt zum einen die intensive Landwirtschaft. "Durch eine frühe und häufige Wiesenmahd wurden die meisten Gelege vielerorts zerstört. Aus Grünland wurde Ackerland, die Zahl der Insekten ging aufgrund des Einsatzes von Pestiziden zurück." Und natürlich, so Frank Schneider, gebe es alljährlich auch Verluste auf dem weiten Zug von und nach Afrika.


Landwirte sehr kooperativ


Was Schneider freut: Im Rotmaintal ist es mittlerweile gelungen, Vogelschützer, Behörden, Jäger und nicht zuletzt Landwirte an einen Tisch zu bringen und zu sensibilisieren. Die örtlichen Bauern haben Äcker und Wiesen als Brutgebiete zur Verfügung gestellt und das Ausbringen von Bambusstecken als künstliche Ansitzwarten erlaubt. Es gibt wieder Blühflächen, Wiesen würden streifenweise gemäht und gemulcht, Hecken nach Absprache mit den Landwirten gepflanzt.

Das Rotmaintal wurde unterdessen als eines von nur fünf Gebieten in ganz Oberfranken in ein staatliches Förderprogramm aufgenommen, von dem neben Vogel und Mensch auch viele Pflanzenarten profitieren sollen. Projektleiterin Laura Tschernek zeuigte sich beeindruckt von den Initiativen der Kulmbacher LBV-Gruppe.

"Wir können tatsächlich schon auf großartige Erfolge beim Schutz des Braunkehlchens verweisen. 2013 gab es bei Zettlitz kein einziges Brutpaar mehr, 2014 waren es schon zwei, ein Jahr später nach ersten Hilfseinsätzen sieben und 2016 zwölf." Und nach der erneuter Aktion, bei der die freiwilligen Helfer noch ganz schön mit dem gefrorenen Boden zu kämpfen hatten, hoffen Schneider und LBV-Kreisvorsitzender Erich Schiffelholz, dass die Zahl der Brutpaar weiter deutlich ansteigt.


Hinweisschilder beachten


Das Rotmaintal wird also für das Braunkehlchen und vielleicht auch weitere Wiesenbrüter spürbar attraktiver. Eine Gefahr gibt es aber noch: den Menschen. Der Landsbund für Vogelschutz bittet daher, Spaziergänger und vor allem Hundebesitzer auf die Hinweisschilder zu achten, die Flächen zu meiden und ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Denn für letztere sind brütende Braunkehlchen ein gefundenes Fressen.
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