Trebgast
Interview

Rettungstaucher sagt: Die Hoffnung ist schnell geschwunden

Im Trebgaster Badesee haben Taucher einen Fund gemacht, den keiner machen will. Sie haben die vermisste 22-Jährige tot geborgen. Einsatzleiter Jochen Fischer spricht über das Gefühl, das man hat, wenn man als Retter nicht retten kann.
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Über 24 Stunden haben die Einsatzkräfte nach der Vermissten im  Badesee gesucht. Am Donnerstagnachmittag wurde sie tot geborgen.  Foto: Alexander Hartmann
Über 24 Stunden haben die Einsatzkräfte nach der Vermissten im Badesee gesucht. Am Donnerstagnachmittag wurde sie tot geborgen. Foto: Alexander Hartmann
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Sie wollen helfen, können Menschen oft aber nicht mehr lebend retten: Rettungstaucher, die am Trebgaster Badesee über viele Stunden nach der vermissten 22-Jährigen gesucht haben. Jochen Fischer von der Kulmbacher Wasserwacht war Einsatzleiter. Er spricht im Interview über die Suchaktion und das Gefühl, das er hatte, als am Donnerstagnachmittag feststand, dass die junge Frau ertrunken ist.

Herr Fischer, Sie waren der Einsatzleiter der Rettungstaucher von Wasserwacht und DLRG, die mit vielen weiteren Hilfskräften lange Zeit nach der 22-Jährigen gesucht haben. Am Donnerstagnachmittag wurde die junge Frau tot geborgen. Es ist ein Fund, den eigentlich keiner machen will. Wie fühlt man sich da?

Jochen Fischer: Man ist natürlich traurig, dass die junge Frau ums Leben gekommen ist - auch wenn man nach der lange erfolglosen Suchaktion nicht erwarten konnte, dass sie noch lebt.
Das Rettungsteam von BRK und DLRG, das ich geleitet habe, war am Donnerstag, als die Leiche gefunden wurde, nicht mehr am Badesee. Da war die Suche alleinige Sache der Polizei.
Für uns war der Einsatz, der um 15.30 Uhr begonnen hatte, um 1 Uhr nachts beendet. Wir haben uns da zusammen mit der Polizei und der Gemeinde Trebgast darauf verständigt, die Suchaktion über Nacht auszusetzen. Der Entschluss wurde gefasst, weil wir bis dato schon alles Menschenmögliche unternommen hatten. Und es bestand auch keine Aussicht mehr darauf, die Frau lebend vorzufinden.

Hatte man als Einsatzkraft anfangs noch die Hoffnung, dass die Gesuchte das Wasser nach dem Baden doch selbst verlassen und das Weite gesucht hat?

Bis zu einem gewissen Zeitpunkt hat man natürlich immer die Hoffnung, dass die gesuchte Person vielleicht doch nicht im Wasser ist. Die ist aber schnell geschwunden, weil ihre privaten Gegenstände ja auf der Liegewiese lagen. Und auch in ihrer Wohnung hatte man ja nach ihr geschaut, sie dort aber nicht vorgefunden.
Was die Suchaktion betrifft, ist die Zeit gegen uns gelaufen. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem wir wussten, dass nur noch eine Leiche geborgen werden kann.

Was hat die Suche am Trebgaster Badesee so schwer gemacht?
Das Wasser des Badesees, der bis zu viereinhalb Meter tief ist, ist trüb. Man hat an vielen Stellen nur eine Sicht von 20 bis 50 Zentimetern. Die Taucher suchen dort mit der flachen Hand im Wasser nach der Vermissten. Das ist einfach nur ein Abtasten. Auch die Witterung hat uns die Arbeit erschwert. Die Hitze hat uns tagsüber auch sehr zugesetzt.

Wie läuft die Suche der Rettungstaucher ab?

Wir machen uns nach der Ankunft am Einsatzort natürlich zunächst ein Bild von der Lage. Die Kräfte werden dann eingeteilt, zusammen mit der Unterstützungsgruppe Einsatzleitung wird ein Einsatzplan gezeichnet. Als Einsatzleiter koordiniere ich dann die Taucher.

Und wie wird so ein Einsatz koordiniert?
Die Rettungstaucher gehen nicht allein ins Wasser. Es gibt Zweier-Teams, die sich aus einem Taucher und einem Signalmann zusammensetzen. Der Signalmann hat den Taucher an einer Leine, dirigiert ihn vom Ufer aus oder vom Boot. Über spezielle Zugsignale am Seil kommunizieren die beiden miteinander. Im Notfall kann der Signalmann den Taucher an der Leine aus dem Wasser ziehen. In Trebgast waren immer je vier Taucher und vier Leinenführer im Einsatz.

Der Badesee ist groß, 680 Meter lang und 220 Meter breit. Welches System wendet man bei so einem großen Gewässer an?
Der See wird in Raster eingeteilt. Und die Taucherverbände gehen diese Raster Stück für Stück durch.

Die 22-Jährige konnte nicht mehr gerettet werden. Können Sie sich an ein ähnlich tragisches Ereignis erinnern, bei dem Sie im Einsatz waren?
Ja. 2002 ist ein 31-Jähriger in der Kieswäsch in Kulmbach ertrunken. Auch das war ein Einsatz, der über Nacht gegangen ist. Wir konnten damals am nächsten Tag auch nur noch die Leiche bergen.


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