Kulmbach
Gesundheit

Reicht eine Stunde Sport pro Woche?

Zwei mal 30 Minuten Sport pro Woche reichen, um fit zu werden. Das möchte die Sporthochschule Köln in einer Studie beweisen. Angela Backhaus und Jörg Mönius machen in Kulmbach mit - und sind begeistert von den ersten Erfolgen.
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Angela Backhaus nutzt zum Aufwärmen gerne den Crosstrainer. Sie ist erstaunt über ihre Fortschritte beim Training in nur vier Wochen. Fotos: Dagmar Besand
Angela Backhaus nutzt zum Aufwärmen gerne den Crosstrainer. Sie ist erstaunt über ihre Fortschritte beim Training in nur vier Wochen. Fotos: Dagmar Besand
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Wenig Sport ist besser als gar keiner. Wissen wir. Aber wir haben immer so wenig Zeit, und wegen einer halben Stunde lohnt es sich doch gar nicht. Denken wir. Stimmt aber nicht. Die Sporthochschule Köln will alle Skeptiker überzeugen und hat eine Studie gestartet, in der zeitsparende Trainingskonzepte getestet und ihre Wirkung auf Kraft, Kondition und Wohlbefinden mit wissenschaftlichen Methoden analysiert werden.
300 Fitness-Studios sind bundesweit dabei, darunter auch das Kulmbacher "Fit'n Fun". "Gutes Training muss keine zwei Stunden dauern", sagt Geschäftsführer Stefan Schmidt. Regelmäßigkeit und ein ausreichender Trainingsreiz sind für ihn die Bausteine des Erfolgs.

"Gutes Gefühl für den ganzen Tag"

In vier Wochen von null auf hundert - das klappt freilich nicht, "aber die Zeit reicht, um einen Einstieg zu finden und zu erfahren, dass sportliche Aktivität ein gutes Gefühl für den ganzen Tag vermitteln kann".

Die Aktion "2 x 30 Minuten" richtet sich an Untrainierte, die Teilnahme ist kostenlos. Stefan Schmidt bietet in seinem Studio 80 Teilnehmern die Chance zum Mitmachen an. 30 sind schon dabei. Zu ihnen gehört Angela Backhaus. Die 38-Jährige ist als Amtfrau im Notariat tätig: "Ich habe als Kind viel Sport getrieben, später wegen der Betreuung meiner Kinder ausgesetzt, und wollte mit der Aktion einen neuen Einstieg finden."

Das ist der Kulmbacherin gelungen: "Ich bin überrascht, was ich in nur vier Wochen erreicht habe", sagt sie nach ihrem Abschlusstest: eine Kraftsteigerung um mehr als 100 Prozent. "Ich bin mit einem sehr geringen Kraftniveau gestartet und total begeistert, wie schnell ich mich verbessern konnte." Für die 38-Jährige ist die Konsequenz klar: "Ich bleibe jetzt dabei. Zwei mal 30 Minuten in der Woche - so viel Zeit muss einfach drin sein."
Das sieht auch Jörg Mönius aus Wirsberg so, der ebenfalls bei den ersten Testern war. Ganz freiwillig war sein sportlicher Einstieg nicht. "Meine Motivation war ein Krankenhausauf enthalt. Ich hatte Herzprobleme, und der Arzt hat mir nahe gelegt, Sport zu treiben. Das hatte ich in den letzten zehn Jahren total vernachlässigt."

Wegen der Vorgeschichte des 52-Jährigen wurde die Trainingsbelastung sorgfältig an seine Leistungsfähigkeit angepasst. Als Feinwerkmechaniker bei der Firma Zaigler Maschinenbau arbeitet Mönius körperlich viel und brachte deshalb ein gutes Kraftniveau mit. Trotzdem erzielte auch er eine Leistungssteigerung von 20 Prozent innerhalb der vier Wochen.

Ausgleich nach Feierabend

"Das Training für den ganzen Körper nach Feierabend ist ein guter Ausgleich zu einseitigen Belastungen während des Tages", erzählt Jörg Mönius. "Und obendrein macht es mir sogar richtig Spaß. Man powert sich aus und wird dafür mit einem Glücksgefühl belohnt." Auch der 52-Jährige hat sich vorgenommen, am Ball zu bleiben.

Stefan Schmidt freut sich über jeden, den er davon überzeugen kann, dass Gesundheitssport nicht mit Schinderei verbunden ist, sondern die Lebensqualität spürbar verbessert. "Ein gutes Kraftniveau ist der beste Schutz vor dem Pflegeheim. Mit Sport lebt man nicht unbedingt länger, aber aktiver und gesünder und vor allem: ohne Schmerzen."

Von den Vorteilen eines dosierten regelmäßigen Trainings ist auch Maria Luise Rasch, Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands, überzeugt. "Ein Programm wie "2 x 30 Minuten" kann helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden und einmal unverbindlich auszuprobieren, was einem gut tut."

Auswählen, was Spaß macht

Die Medizinerin empfiehlt, sich sportliche Aktivitäten auszusuchen, die Spaß machen. "Dann bleibt man auch dabei." Ausdauersport sei besonders hilfreich zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Adipositas, Muskelaufbau-Training fördere eine gute Haltung und verbessere die Belastbarkeit im Alltag.

"5500 Teilnehmer haben wir jetzt schon, bis Ende September rechne ich mit etwa 20 000 Probanden. Das ist eine gute Basis für aussagekräftige Daten", sagt Niels Nagel, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Köln das Projekt begleitet. Um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, sind die Tests und Trainingsabläufe zu hundert Prozent standardisiert. Gerätetypen und Trainingsprinzipien werden vorgegeben. "Die Geräte müssen nicht identisch sein, aber die Kraftreize sollen sich gleichen."

Die Auswertung aller Daten findet am Institut für Sportökonomie und Sportmanagement Köln unter der Leitung von Professor Christoph Breuer statt. Alle Daten werden anonym übermittelt, die Ergebnisse der Kraft-Tests und der Teilnehmer-Befragungen werden statistisch ausgewertet und im Frühjahr 2014 auf der Instituts-Webseite veröffentlicht.


2 x 30 Minuten


Dauer Das Projekt dauert für jeden Teilnehmer vier Wochen und läuft bis Ende September.

Kosten entstehen nicht.

Mitmachen Interessierte können unter 09221/ 877822 einen Termin vereinbaren.

Infos Mehr zur Studie gibt es auf 2x30minuten.de


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