Kulmbach
Aktion

Rehturm: Kulmbacher "Unruhe-Stifter" hissen die Frankenfahne

Erst haben sie bei Melkendorf den Bierkreisel geschaffen, jetzt die fränkische Fahne am Rehturm gehisst. Die unbekannten "Unruhe-Stifter" werben für die Heimat und haben in Kulmbach wohl noch weitere Projekte im Visier.
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Die Frankenfahne weht  am Rehturm. Die "Unruhe-Stifter" haben sie gehisst. Foto Christian Schuberth
Die Frankenfahne weht am Rehturm. Die "Unruhe-Stifter" haben sie gehisst. Foto Christian Schuberth
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Wer steckt hinter den "Unruhe-Stiftern", die vor wenigen Tagen mit dem "Bierkreisel" auf der Staatsstraße zwischen Kulmbach und Melkendorf für Aufsehen gesorgt haben? Wir wissen es nicht. Was wir zu wissen glauben: Sie sind heimatverbunden. Hatten sie mit ihrer Holzkonstruktion am neuen Kreisverkehr für die Bierstadt Kulmbach werben wollen, so haben sie jetzt ein zweites Projekt gestartet, mit dem sie ihre Heimatliebe unterstreichen: Sie haben am Rehturm die Frankenfahne gehisst.

Wie beim Bierkreisel haben sie auch diesmal ein handschriftlich verfasstes Bekennerschreiben an unsere Redaktion gesandt, in dem sie Friedrich Schiller zitieren: "Wohl dem! Selig muss ich ihn preisen, der in der Stille der ländlichen Flur, fern von des Lebens verworrenen Kreisen, kindlich liegt an der Brust der Natur."

"Da geht einem das Herz auf"

Sie sind literaturverbunden, schwärmen von der Natur und der Heimat: "Wann immer man auf einem der zahlreichen Türme oder Hügel in unserem Kulmbacher Land steht, geht einem das Herz auf, und der Blick wird von den sanften Hügeln, Tälern und Flüssen gefesselt", heißt es in dem Schreiben.

Zwei Stühle sind angekettet

Die "Unruhe-Stifter" erläutern auch, warum sie die Frankenfahne gehisst haben. Es sei eine Flagge, die viele unterschiedliche Menschen in Franken vereine, die in einem Landstrich lebten, der über Jahrhunderte gespalten gewesen sei. Unter der Flagge könne man sich heimisch fühlen, "eine wunderbare Verbundenheit genießen".

Damit es sich all die, die den Rehturm erklimmen, um von dort den Blick auf die Plassenburg zu genießen, bequem machen können, haben sie auch zwei Stühle mit auf die weit über die Grenzen Kulmbachs hinaus bekannte Aussichtsplattform gebracht und diese, wohl um einen Diebstahl zu verhindern, dort angekettet.

"Zur Verschönerung gestiftet"

Was sich die "Unruhe-Stifter" wünschen? Dass die Frankenflagge, die sie "zur Verschönerung gestiftet" und provisorisch an einem Baumstamm befestigt haben, lange Zeit am Rehturm weht. Die Holzkonstruktion an der Staatsstraße, die sie mit der Aufschrift "Bier" versehen hatten, war ja schnell wieder beseitigt worden.

"Des is, wie a der Biergreisl, a unbürogradischer Gesdaldungsvorschlooch. Machd hal do rauf a a Frankenfohna. In Kosendorf schauds doch a Glasse aus", schreiben die Unbekannten, die in ihrem Bemühen, in ihrer Kulmbacher Heimat Akzente zu setzen, wohl nicht nachlassen werden.

Die letzte Aktion?

In ihrem Bekennerschreiben haben die "Unruhe-Stifter" jedenfalls die römische Zahl "II" vermerkt - was erahnen lässt, dass die Rehberg-Beflaggung nicht ihre letzte Aktion gewesen sein wird.

Dazu ein Kommentar von Alexander Hartmann

Kann man ihnen böse sein, den "Unruhe-Stiftern", die mit ihren ungewöhnlichen, ohne Frage etwas verschrobenen Aktionen für Aufsehen sorgen? Auch wenn so mancher den Kopf schütteln, von einer Unverschämtheit sprechen mag - einen Schaden angerichtet haben die uns unbekannten Heimatfreunde bis dato nicht. Und ein Denkanstoß, den sie den Kulmbachern geben wollen, hat ja noch nie geschadet.

"Wir sollten stolz auf unsere Heimat sein", sagen uns die "Unruhe-Stifter", die mit dem Schriftzug "Bier" am Kreisel bei Melkendorf für die Bierstadt werben wollten - wohl wissend, dass Kulmbach längst nicht mehr für die Brauereien-Vielfalt steht, die Tradition aber dennoch hochgehalten werden darf.

Mit seinen Pfunden sollte man wuchern, auf seine Identität stolz sein, betonen die Bierfreunde, die stolze Franken sind und deshalb die fränkische Flagge am Rehturm gehisst haben. Für die einen ein weiterer Dumme-Jungen-Streich, für die anderen ein kleines Kunstprojekt. Was es ist? Darüber lässt sich streiten. Und damit haben die "Unruhe-Stifter" ihr Ziel erreicht.

Wir sind gespannt, wie lange die Fahne weht. Und was sie als nächstes im Schilde führen.



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