Kulmbach
Musik

Rammstein kann's kaum besser

Die Band des Ökumenischen Kinderhorts überrascht mit harter Rockmusik.
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Die Hortband in Aktion beim Kulmbacher Altstadtfest Foto: Katrin Geyer
Die Hortband in Aktion beim Kulmbacher Altstadtfest Foto: Katrin Geyer
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Wenn Hannes von der Bühne springt und das Publikum abklatscht, sieht das höchst professionell aus. Lara steht ihm beim Headbanging in nichts nach, und der achtjährige Jonas, der noch so klein ist, dass er kaum über sein großes Schlagzeug schauen kann, sorgt dafür, dass es richtig kracht auf der Altstadtfestbühne auf dem Kulmbacher Marktplatz.

"Die Band des ökumenischen Kinderhorts tritt auf", hatte es im Vorfeld geheißen. Nett. Ein paar Kinder, ein paar gefällige Liedchen, vielleicht erste Instrumentalversuche von putzigen Kleinen.

Von wegen nett! Und von wegen putzig! Hannes, Lara, Jonas, Selin, Anna, Vanessa, Janina und Lena rocken das Ding. Rammstein haben sie drauf: "Links 2 3 4" oder "Du hast". "Another brick in the wall" von Pink Floyd performen sie perfekt. Und wenn sie dann noch "Knockin' on Heavens Door" anstimmen und die Nebelmaschine anspringt, sind die Eltern vor der Bühne und auch die Großeltern, die das Lied in der Version von Guns n' Roses, Bob Dylan oder Eric Clapton vor vielen, vielen Jahren unzählig oft gehört haben, vollends hingerissen.

So rockig kannte man den Ökumenischen Kinderhort noch nicht. Dass die Kids Xylophon und Glockenspiel durch E-Gitarre und Schlagzeug ersetzt haben, und dass sie statt braver Schleife im Haar lieber die coole Sonnenbrille tragen, ist freilich das Ergebnis einiger Zufälle.

Andreas "Andi" Wittmann, seit September neuer Leiter des Kinderhorts, hatte eigentlich daran gedacht, mit den Buben und Mädchen ein ganz klassisches Musikprojekt auf die Beine zu stellen. "Die Orff-Instrumente waren schon bestellt". Dann ergab es sich, dass die Kinder für eine Veranstaltung den Pink Floyd Klassiker "Another brick in the wall" einstudierten. "Und dann wünschten sich die Kinder ein ganzes Konzert."

Glückliche Zufälle

Das war Zufall Nummer eins. Zufall Nummer zwei: Im Berufspraktikanten Sebastian Winterstein hatte "Andi" den idealen Partner für ein Musik-Projekt gefunden. "Wir haben uns die kreativen Bälle gewissermaßen zugespielt", erinnert er sich. Die Vision, am Ende des Schuljahres ein eigenes Konzert auf die Beine zu stellen, ließ beide nicht mehr los. Dann scheiterte das Vorhaben am Termin: Im Juli haben alle immer was vor.

Kulmbach hätte also noch länger auf das Konzert der ganz besonderen Band warten müssen. Wäre da nicht Zufall Nummer drei gewesen: Fürs Altstadtfest wurden noch Gruppen gesucht, die das Programm am Sonntag gestalten. Der Hortleiter fragte nach - und bekam den wohl besten Auftrittsort überhaupt zugesagt: Die große Bühne auf dem Marktplatz.

Vor dem großen Auftritt war viel Probenarbeit nötig, berichtet Andreas Wittmann. Zehn Lieder haben die Kinder einstudiert. "Das waren ihre eigenen Vorschläge."

Kinder, die Rammstein gut finden und die Guns n' Roses? "Die hören das halt bei ihren Eltern." Man habe die Lieder mit den Kindern sorgfältig erarbeitet. Viele Texte sind auf Englisch, was Grundschüler doch sehr fordert.

Und dann: Rammstein - mit Grundschulkindern? "Wir haben die Texte natürlich pädagogisch aufbereitet", sagt der Hortleiter. "Wir haben eingehend darüber gesprochen, haben auch versucht, die Ironie, die es gerade bei Rammstein gibt, verständlich zu machen. Die Kinder sollten schließlich wissen, was sie präsentieren."

Dank vieler, vieler Proben und dank der Unterstützung der Band Dying Gorgeous Lies, die einen Teil des Equipments zur Verfügung gestellt hatte, waren die "Hortis" bestens vorbereitet auf den großen Auftritt - der letztlich zu einem der Highlights des Altstadtfestes wurde.

Wer die Hortband da verpasst hat, kann sie in wenigen Tagen wieder erleben - wenn auch weniger hart, weniger laut. Die Kinder umrahmen den Diakonie-Gottesdienst am Mittwoch um 18 Uhr in der Spitalkirche (siehe Infobox) mit zwei Liedern. Und es wird wohl wieder ein Ereignis werden.

Wenn auch eines ohne Rammstein. Denn das passt in eine Kirche nun doch nicht so wirklich.

"Andi" ist der Neue im Hort

Eigentlich war es für Andreas Wittmann schon immer klar: Irgendwann einmal würde er mit Kindern arbeiten. Noch während der Schulzeit - er besuchte den sozialen Zweig des Caspar-Vischer-Gymnasiums - absolvierte er ein Praktikum in einem Kindergarten. Als er die Schule nach der zehnten Klasse verlassen hattte, folgte die fünfjährige Ausbildung zum Erzieher an der Fachakademie in Ahornberg.

Dem ersten Ausbildungsjahr im Untersteinacher Kindergarten , folgte ein zweites Jahr im Kinderhort "Altes Forsthaus" in Kulmbach-Ziegelhütten.

Nach der Ausbildung machte Andreas Wittmann zwei Jahre lang im Schülerecafé "Adebar" Station.

Und nun, mit gerade einmal 24 Jahren, leitet der Ludwigschorgaster den Ökumenischen Kinderhort Kulmbach. Dass er irgendwann auf dem Weg dorthin sein Abitur nachgemacht hat, dass er jetzt neben dem Job noch Psychologie studiert, zeugt von viel Energie.

Die hat Andreas Wittmann schon bewiesen, als er sich mit 17 Jahren selbst das Gitarrespielen beibrachte. Und die hat er auch in den letzten Monaten gezeigt, als er mit der Hortband ein ambitioniertes Programm einstudiert hat, mit dem die Kinder beim Altstadtfest auftraten.

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