Kulmbach
Verkehr

Radwege in Kulmbach: Wie geht es weiter?

In einer Bürgerwerkstatt hat die Stadt Kulmbach im Juli Anregungen und Kritik zum Radwege-Netz gesammelt. Wir haben nachgefragt, was seither passiert ist und ob es bald ein neues Konzept gibt.
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Kein Einzelfall: Im Kressenstein endet der Radweg urplötzlich. Genau dort, wo die Radlerin eigentlich auf die Straße einfädeln sollte, parkt ein Lastwagen.  Foto: Archiv/Katrin Geyer
Kein Einzelfall: Im Kressenstein endet der Radweg urplötzlich. Genau dort, wo die Radlerin eigentlich auf die Straße einfädeln sollte, parkt ein Lastwagen. Foto: Archiv/Katrin Geyer
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"Wann tut sich denn jetzt mal was?" - Eine Frage, die öfter zu hören war in den letzten Wochen. Bezogen hat sie sich auf eine Veranstaltung, die Anfang Juli stattgefunden hatte. In einer Bürgerwerkstatt sammelte die Stadt Kulmbach damals Anregungen für eine Verbesserung des Radverkehrs in Kulmbach. Wir haben im Rathaus nachgefragt, wie es jetzt, fast drei Monate später, weitergeht. Warum wurde damals die Bürgerwerkstatt einberufen? Ein Radwegekonzept, das den Namen verdient, hat es in der Stadt Kulmbach noch nie gegeben. In einer Zeit, in der in der Bevölkerung das Umweltbewusstsein steigt und viele Menschen immer öfter ganz bewusst aufs Auto verzichten, häuften sich die kritischen Stimmen. Im Frühling dieses Jahres erhielt die Stadt Kulmbach dann beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) eine verheerende Beurteilung und landete auf dem vorletzten Platz im Ranking der Städte vergleichbarer Größe. Daraufhin - und auch mit Blick auf die künftige Rolle Kulmbachs als Universitäts-Standort - beschloss der Stadtrat, eine "Bürgerwerkstatt" einzuberufen: Kulmbacher Bürger sollten Kritik und Vorschläge einbringen, die die Basis für ein künftiges Radwegekonzept sein sollten. Die Bürgerwerkstatt fand am 10. Juli in der Dr.-Stammberger-Halle statt. Welche Vorschläge brachten die Teilnehmer damals ein? Bei der Bürgerwerkstatt und über eine eigens eingerichtete Mail-Adresse wurden damals weit über 200 Anregungen und Vorschläge gesammelt. Dazu gehören Radwege, die urplötzlich enden, ebenso wie das grobe Pflaster in der Altstadt oder die unzureichende Verbindung von den Wohngebieten im Süden und Westen der Stadt zum Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium oder zu den Freizeiteinrichtungen. Vor allem wurde auch darüber geklagt, dass Radfahrer nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer gesehen werden und die Radler sich oft dem Autoverkehr unterordnen müssen. Wie hat die Stadt Kulmbach auf die zum Teil massive Kritik am Radwegenetz reagiert? Die Stadt Kulmbach hat versprochen, alle Anregungen und Kritikpunkte zu prüfen. Es soll ein externes Büro mit der Auswertung und der Erstellung eines neuen Radwege-Konzeptes beauftragt werden, das auf die Kulmbacher Verhältnisse zugeschnitten ist. Dann Konzept soll, entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten vorausgesetzt, dann so umgesetzt werden. Die Bürgerwerkstatt liegt fast drei Monate zurück. Was ist seither passiert? Simon Ries, Leiter der Stabsstellen im Kulmbacher Rathaus, erläutert, dass in der Zeit, die seit der Bürgerwerkstatt vergangen ist, die eingebrachten Anregungen und Ideen ausgewertet und kategorisiert wurden. Dies diene als Grundlage für weitere konzeptionelle Schritte. Wird schon an einem neuen Konzept gearbeitet? Simon Ries zufolge wurden die Eckdaten formuliert, auf deren Basis nun Angebote eingeholt werden können. "Wir haben Kontakt zu anderen Kommunen aufgenommen, die kürzlich ein solches Konzept aufgestellt haben, und geeignete Büros herausgefiltert. Derzeit läuft die Angebotsabfrage bei sieben solcher Büros." Wann wird die Arbeit an dem neuen Konzept konkret? Sobald alle Rückläufe eingetroffen, ausgewertet und mit den übergeordneten Stellen abgestimmt worden sind, kann die Beauftragung durch den Stadtrat erfolgen. Wie soll das Vorhaben finanziert werden?

Parallel zur Angebotsabfrage läuft die Fördermittelakquise. Die Stadt Kulmbach führt Simon Ries zufolge Gespräche mit der Regierung von Oberfranken bezüglich einer Städtebauförderung und bemüht sich um weitere Zuschüsse, so etwa im Rahmen des Programms "Förderung innovativer Projekte zur Verbesserung des Radverkehrs" beim Bundesministerium für Verkehr oder im Rahmen des Programms "Klimaschutz durch Radverkehr" beim Bundesministerium für Umwelt.

Kommentar

Warum es trotzdem schnell gehen muss

Kulmbachs Radfahrer haben lange ohne ein wirkliches Radwege-Konzept gelebt. Nun soll es endlich kommen.

Wir Radfahrer wünschen uns, dass endlich nicht mehr nur gekleckert wird. Wir wollen nicht länger ein Kuddelmuddel aus Radwegen, Radschutzstreifen, Wegen ins Nichts, in dem sich keiner auskennt. Wir wünschen uns ein Konzept, das wirklich durchdacht ist und das signalisiert: Radfahrer sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, die schnell, sicher und ohne Hindernisse unterwegs sein wollen. Wenn jetzt ein Konzept entsteht, das ordentlich durchdacht und dessen Finanzierung solide durchkalkuliert wird, sind wir gerne bereit, noch ein wenig darauf zu warten.

Dennoch muss die Stadt rasch handeln. Wobei "rasch" im Idealfall bedeutet: noch vor dem Winter. Denn das derzeitige Radwegenetz - sofern es den Namen überhaupt verdient - hat nicht nur Lücken und Schwachstellen. Es birgt auch Gefahren. Beispiel Kronacher Straße: Wer da stadteinwärts auf den Radweg will, muss zuallererst einmal durch ein paar veritable Löcher. Auch am Ende klafft ein Loch. Zwischendrin lauern Pfützen. Nicht nur dort!

Wer als Radler unterwegs ist, fährt oft unter Bäumen. Im Sommer ist das angenehm, weil schattig. Jetzt, im Herbst, ist das gefährlich: Nasses Laub ist eine schmierige Angelegenheit.

Und die Unsitte, dort, wo Radwege oder Radschutzstreifen enden, mal schnell ein Auto zu parken, ist in Kulmbach weit verbreitet. Wer's nicht glaubt, muss nur einmal um die Mittagszeit das Straßenstück zwischen Hotel Ertl und Imbiss-Stand beobachten. Das sind Probleme, die sich verhältnismäßig schnell lösen ließen: Ein paar Schaufeln Asphalt in die Löcher, eine Fahrt mit der Kehrmaschine über den Radstreifen, einen freundlichen Hinweis von der Polizei, dass es zum Parken Parkplätze gibt - und Radwege und Radstreifen der falsche Ort dafür sind.

Auch in Kulmbach steigt die Zahl der Menschen, die das Fahrrad nicht nur als Freizeit-Sport-Gerät nutzen, sondern als Alternative zum Auto: Gesund, sparsam und klimafreundlich. Auch im Winter. Weshalb wir die Hinweise auf recht schnell zu lösende Probleme noch um den ergänzen, auch die Kulmbacher Radwege in die Planungen für den Winterdienst einzubeziehen.

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