Auch Jürgen Tesarczyk, auf zwei Rädern schon viel herumgekommen, gehört zu denen, die die Rennbahnen lieber meiden, wenn sie können. Was den 59-Jährigen ärgert: "Es gibt so viele reizvolle Strecken, die mit wenig Aufwand für Radwanderer hergerichtet werden könnten."

Diese Strecken zu finden, zu testen, zu katalogisieren und unermüdlich dafür zu werben, sie für Radfahrer nutzbar zu machen, hat sich Jürgen Tesarczyk zur Aufgabe gemacht. Viele Seiten füllen seine Vorschläge mittlerweile. Zentrales Anliegen dabei: Den Main und seine unmittelbare Umgebung besser als bisher für Rad-Touristen zu erschließen.

Zur Zeit fährt, wer auf dem Main-Radweg aus Richtung Westen kommt, entlang der Flutmulde an der Stadt vorbei. Wer aus Richtung Osten kommt, legt gar zwischen Wirsberg und Kauerndorf viele Kilometer gar nicht im Maintal, sondern im Schorgast-Tal zurück. Dort gibt es entlang der Bahnlinie einen gepflegten Radweg. Zwischen Neuenmarkt/Schlömen und Kauerndorf führt über Trebgast und Fölschnitz hingegen eine gewundene, zeitweise viel befahrene und deswegen nicht ungefährliche Straße. Das mag ein Grund sein.

"Es ginge auch anders", sagt Jürgen Tesarczy - und stellt seine Alternativ-Route im Rahmen einer "Entdecker-Tour" vor. Nach Trebgast soll es gehen, weitgehend autofrei und vor allem ohne große Steigungen: "Ich denke an Radtouristen, an ältere Menschen, an Familien. Die wollen sicher unterwegs sein und sich nicht lange Berge hinaufquälen."

Am Kulmbacher Marktplatz beginnt Tesarczyks Tour. Statt wie üblich durch den Grünzug rollen er und seine Begleiter durch die Fischergasse. Ein Rollen ist es genau genommen nicht, eher ein Rumpeln: Grobes Pflaster, unverfugt, stört den Radgenuss. "Das könnte man leicht beheben", sagt der "Entdecker". Und: "Die Leute wollen doch das Flair der Altstadt genießen."

Vorbei an der Kommunbräu und am Schwimmbad geht's durch die Buchgasse. Die steigt nach dem Edelmann-Steg kräftig an. Die Radler schlagen sich links ins Gebüsch: Ein Trampelpfad - "Schiebestrecke!" - führt höchst romantisch bis nach Fölschnitz. Am Wald entlang werden Ebersbach und Ködnitz erreicht. Die Gruppe quert das Tal, erreicht über Feld- und Wiesenwege Feuln und Trebgast an. Die Aussicht ins frühlingshafte Maintal ist atemberaubend. Die Fahrt auf dem groben Untergrund kräftezehrend: "Das sind natürlich noch keine Radwege", sagt Jürgen Tesarczyk. "Aber ein bisschen Verbreitern hier, ein bisschen Befestigen da würde die Wege radtauglich machen." Eine Strecke könnte so entstehen, die den Namen Main-Rad-Weg wirklich verdient.

Auch über Radwege zwischen Kulmbach und Mainleus hat Tesarczyk nachgedacht, kann der Trasse, die bislang an Hauptverkehrsstraßen entlang und durch Industriegebiete führt, wenig Reiz abgewinnen. Seine Alternativroute würde von der Innenstadt immer am Main entlang führen, über neu zu bauende Stege und auf verschwiegenen Wegen, die derzeit noch nicht öffentlich zugänglich sind.

Im übrigen auch (noch) nicht sonderlich reizvoll. Gasfabrikgässchen, "fritz", ehemaliger Güterbahnhof - Städtebauer hätten, so meint der 59-Jährige, da noch eine Menge zu tun, um Kulmbach schöner zu machen. Auch hier sieht sich Jürgen Tesarczyk als "Entdecker". Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte...